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Neuer Schutz vor verbreiteter Zuckerrüben-Krankheit

06.06.2017

Die Ernährungssicherheit hängt angesichts des rasanten Anstiegs der Weltbevölkerung künftig von wachsenden landwirtschaftlichen Erträgen ab. Seit jeher ist der Pflanzenbau allerdings von verschiedenen Pflanzenschädlingen bedroht, die schlimmstenfalls für umfangreiche Ernteausfälle sorgen können. Die Zuckerrübe spielt in Europa und speziell in Norddeutschland eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Ihr Anbau ist jedoch immer stärker durch das Auftreten einer als Rizomania bezeichneten Pflanzenkrankheit bedroht. Das durch bodenlebende Pilze übertragene Virus ist weltweit für bis zu 80 Prozent der Ertragsverluste beim Zuckerrübenanbau verantwortlich. Rizomania lässt sich nicht mit herkömmlichen Schutzmethoden, zum Beispiel durch Pflanzenschutzmittel, bekämpfen. 

Eine seit Jahrzehnten eingesetzte Strategie gegen die dadurch verursachten Ertragseinbußen sind sogenannte Resistenzzüchtungen der Nutzpflanzen: In der Landwirtschaft kommen aktuell vor allem Zuckerrübensorten zum Einsatz, in die eine Resistenz gegenüber Rizomania gezüchtet wurde. Dem Krankheitserreger gelingt es aber in den letzten Jahren immer öfter, den in diesen Rüben vorhandenen Resistenzmechanismus zu überwinden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gelang es nun gemeinsam mit Forschenden der Universität Bielefeld und weiteren internationalen Expertinnen und Experten, ein in Wildpopulationen der Zuckerrübe vorkommendes Rizomania-Resistenzgen zu identifizieren, das für eine alternative Resistenzbildung verantwortlich ist. Die neu erlangte Kenntnis ihres genetischen Ursprungs macht diese zweite Resistenz nun gezielt für die Pflanzenzüchtung nutzbar. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden heute in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Communications.

Die zweite Resistenz gegen das Virus war bereits bekannt und ist auch in manchen bestehenden Rübensorten vorhanden. Daher konnte auch beobachtet werden, dass das Virus diese zweite Art der Resistenz bisher nicht überwinden konnte. Die Rübensorten, die diesen alternativen Schutz aufweisen, bringen allerdings in der Regel weniger Ertrag als die gängigen Sorten. Daher werden sie in der Landwirtschaft kaum genutzt. Bislang unbekannt war allerdings, welches Gen den zweiten Resistenzmechanismus steuert. Die Identifizierung des verantwortlichen Gens erlaubt es nun, die zweite Resistenz gezielt für die Sortenzüchtung zu nutzen. Für die Genidentifizierung nutzen die Forschenden nicht wie sonst üblich im Labor gezüchtete, künstliche Populationen der Rübe. Stattdessen widmeten sie sich dem Genom, also den gesamten genetischen Informationen, einer in Dänemark vorkommenden Wildpopulation der Zuckerrübe. Ihre Unempfindlichkeit gegenüber Rizomania war den Forschenden bereits bekannt. 

Sie konzentrierten sich auf ein spezielles Wildrübenvorkommen, das in der Küstenregion um Kalundborg auf der dänischen Insel Seeland vorkommt. "Interessanterweise haben wir festgestellt, dass resistente und anfällige Wildrüben dort auf einer Strecke von 15 Kilometern nebeneinander vorkommen", sagt Dr. Gina Capistrano-Gossmann vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der CAU. "Resistente Pflanzen haben dort also keinen Vorteil gegenüber anfälligen Pflanzen, da der Boden nicht mit dem Rizomania-Virus infiziert ist", erklärt Capistrano-Gossmann, die Erstautorin der Studie. 

Um die genetische Grundlage der Resistenzbildung in diesen Wildrüben zu entschlüsseln, setzte das Forschungsteam einen innovativen Ansatz zur Gewinnung genetischer Ressourcen aus natürlichen Wildpflanzenpopulationen ein. "Durch die Kombination von Sequenzvergleichen von wenigen resistenten und anfälligen Wildrüben mit einer Assoziationsanalyse in der gesamten Wildrübenpopulation konnte die Lage des bislang unbekannten Resistenz-Gens im Genom eingegrenzt werden", sagt Professor Bernd Weisshaar von der Universität Bielefeld, der die bioinformatische Auswertung der Studie leitete. Die Kenntnis der Gen-Sequenz, die für die Resistenzbildung verantwortlich ist, erlaubt es nun direkt zwischen resistenten und anfälligen Jungpflanzen zu unterscheiden. Außerdem ist es möglich, die von dieser Sequenz kontrollierte Resistenzreaktion der Zuckerrüben auf molekularer Ebene zu untersuchen. 

Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liefern eine Basis für weitere Forschungsarbeiten und ebenso für die praktische Nutzung in der Zuckerrübenzüchtung. In Zukunft könnten der Landwirtschaft damit Rübensorten zur Verfügung stehen, die zuverlässig unempfindlich gegenüber Rizomania sind. Der Ursprung dieser Resistenz in den Wildpflanzen unterstreicht nicht zuletzt, welches Potenzial in der Bewahrung der natürlichen Biodiversität und ihres genetischen Pools steckt. Dieses bleibe nur durch den Schutz der Wildpflanzenvorkommen nutzbar, die es also zum Beispiel in Schutzgebieten zu erhalten gelte, resümieren die Forschenden.

Das Forschungsprojekt wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Originalpublikation:
Gina Capistrano-Gossmann, David Ries, Daniela Holtgräwe, Andre Minoche, Thomas Kraft, Sebastian Frerichmann, Thomas Rosleff Sörensen, Juliane Dohm, Irene Gonzalez, Markus Schilhabel, Mark Varrelmann, Hendrik Tschoep, Hubert Uphoff, Katia Schütze, Dietrich Borchardt, Otto Toerjek, Wolfgang Mechelke, Jens Lein, Axel Schechert, Lothar Frese, Heinz Himmelbauer, Bernd Weisshaar, and Friedrich Kopisch-Obuch. "Crop wild relative populations of Beta vulgaris allow direct mapping of agronomically important genes". Nature Communications, Published on June 6, 2017, as DOI:10.1038/NCOMMS15708

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Von Rizomania befallene Zuckerrüben (links und Mitte) und ein gesundes Exemplar im Vergleich. 
Foto: Dr. Bernd Holtschulte
 

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Rizomania-infizierte Pflanzen zeigen eine typische Blattvergilbung (Mittelreihe). Die resistenten Zuckerrüben zeigen dagegen keine Symptome. 
Foto: Dr. Bernd Holtschulte
 

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An der dänischen Küste in der Region Kalundborg wachsen wilde Rüben, deren Gene das Forschungsteam nun analysierte. Foto: Dr. Friedrich Kopisch-Obuch
 

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Dr. Gina Capistrano-Gossmann, die Erstautorin der Studie, untersucht ein natürliches Rübenvorkommen. Foto: Dr. Gina Capistrano-Gossmann
 

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Kontakt:
Dr. Gina Capistrano-Gossmann
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-3210
E-Mail: g.capistrano@plantbreeding.uni-kiel.de

Prof. Dr. Bernd Weisshaar
Lehrstuhl für Genomforschung, Universität Bielefeld
Tel.: 0521-1068720
E-Mail: bernd.weisshaar@uni-bielefeld.de

Weitere Informationen:
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, CAU Kiel
www.plantbreeding.uni-kiel.de/de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
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Text / Redaktion: Christian Urban

Neue Züchtungstechniken für höhere Rapserträge

04.05.2017

Kieler Forschungsteam ermöglicht präzise Veränderung des Rapsgenoms durch „Genome Editing“

Neue Methoden zur gezielten Veränderung der Erbinformationen machen unter dem Begriff „Genome Editing“ seit einigen Jahren Schlagzeilen. Zahlreiche Beispiele belegen die Anwendungsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Lebewesen wie Mikroorganismen, Tieren, Pflanzen und sogar beim Menschen. Die Anwendung bei Nutzpflanzen fasst man auch unter dem Begriff „Neue Züchtungstechniken“ zusammen. Inzwischen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten über die Veränderungen bei Modell- und auch bei Nutzpflanzen wie Weizen, Reis oder Soja. Raps ist nach der Sojabohne die zweitwichtigste Ölpflanze der Welt und die einzige Ölpflanze von Bedeutung in unseren Breiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es nun erstmals gelungen, Ölraps gezielt mit Hilfe einer solchen „Genome Editing“-Methode, der sogenannten CRISPR-Cas-Technologie, zu verändern und die Übertragung auf nachfolgende Generationen nachzuweisen. Die Arbeit wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Plant Physiology veröffentlicht.

Die CRISPR-Cas-Technologie ermöglicht es, eine präzise Veränderung an einem genau definierten Sequenzabschnitt innerhalb eines Genoms vorzunehmen. Auf diese Weise kann beispielsweise ein Gen mit einer unerwünschten Funktion ausgeschaltet werden. Der Raps bereitet besondere Probleme, weil von jedem seiner Gene zwischen zwei und sechs Kopien vorliegen. Man spricht hier von einer polyploiden Pflanze. Diese Genkopien gleichzeitig auszuschalten, war mit herkömmlichen Methoden genetischer Veränderungen bisher unmöglich. Um eine solche sogenannte Mutagenese beim polyploiden Raps zu erreichen, sind also chemische Mutagenese oder Bestrahlung nicht nutzbar. Dem Kieler Forschungsteam am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung unter der Leitung von Professor Christian Jung ist es nun gelungen, alle Kopien eines Gens auszuschalten, das die Platzfestigkeit der Rapsschoten kontrolliert. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Züchtung von Rapssorten, deren Schoten nicht schon vor oder während der Ernte platzen, was erhebliche Ertragssteigerungen erlauben könnte.

„Wir haben die einmalige Möglichkeit, unsere Pflanzen im Vergleich mit anderen Rapsmutanten anzubauen, die durch zufällige chemische Mutagenese erzeugt worden sind“, sagt Janina Braatz, die als Doktorandin unter der Leitung von Dr. Hans Harloff die CRISPR-Cas Versuche durchgeführt hat. „Während die CRISPR-Cas Pflanzen nur über je eine Mutation an einer präzise vorhergesagten Stelle im Genom verfügen, haben in den herkömmlich mutagenisierten Pflanzen etwa einhunderttausend Mutationen stattgefunden, die bis auf eine einzige unbekannt sind. Derartige Pflanzen haben einen deutlichen Fitnessnachteil und sind nicht für die Sortenzüchtung direkt verwendbar“, so Braatz weiter.

Es wird also erwartet, dass die CRISPR-Cas modifizierten Pflanzen unter Feldbedingungen eine deutlich bessere Leistung zeigen, als die Pflanzen, die durch chemische Mutagenese entstanden sind. Insgesamt zeigen die Ergebnisse dieser Arbeit, dass polyploide Nutzpflanzen mittels „Genome Editing“ hocheffizient genetisch verändert werden können. Auf diese Weise eröffnen sich völlig neue Perspektiven für die gezielte Veränderung von Pflanzengenomen und somit für die züchterische Verbesserung und damit langfristig für Ertragssteigerungen bei Nutzpflanzen.

Das Forschungsprojekt wurde von der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft gefördert.

Originalpublikation:
Janina Braatz, Hans-Joachim Harloff, Martin Mascher, Nils Stein, Axel Himmelbach and Christian Jung. “CRISPR-Cas9 targeted mutagenesis leads to simultaneous modification of different homoeologous gene copies in polyploid oilseed rape (Brassica napus L.)”. Plant Physiology Preview. Published on April 18, 2017, as
DOI:10.1104/pp.17.00426

Es stehen Fotos zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Regeneration von Rapssprossen in der Petrischale nach Crispr-Cas Mutagenese.
Foto: Janina Braatz

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Bildunterschrift: Blühende Rapspflanzen im Feld.
Foto: Janina Braatz

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-137-3.jpg
Bildunterschrift: Blühende Rapspflanze, deren ALC Gene durch Crispr-Cas Mutagenese gezielt verändert worden sind.
Foto: Janina Braatz

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Jung
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, CAU Kiel
Tel: 0431-880-7364
E-Mail: c.jung@plantbreeding.uni-kiel.de

MSc Janina Braatz
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, CAU Kiel
Tel: 0431-880-3345
E-Mail: j.braatz@plantbreeding.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, CAU Kiel
www.plantbreeding.uni-kiel.de/de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Buyx zur Ethik des Genome Editing

29.12.2016

Medizinethikerin Professorin Alena Buyx diskutierte mit KLS-Forschenden

Chance auf Heilung oder Vermeidung schwerwiegender Erkrankungen oder unüberschaubares Risiko? Zwischen diesen Polen bewegt sich die in jüngster Zeit in Wissenschaft und Öffentlichkeit intensiv ausgetragene Debatte zur sogenannten CRISPR/Cas9-Technik, die auch als „Genome Editing“ bezeichnet wird. Dieses neuartige gentechnische Verfahren erlaubt es, in einer bisher nie dagewesenen Einfachheit Veränderungen an den Erbinformationen  vorzunehmen: Die auch als „Genschere“ bezeichnete Methode macht es möglich, DNA-Stränge gewissermaßen zu zerschneiden und neu zusammenzusetzen. Vielversprechend erscheint die daran geknüpfte Aussicht, in Zukunft möglicherweise erbliche Krankheiten lindern oder ganz vermeiden zu können. Auf der anderen Seite besteht womöglich die Gefahr, irreversible Eingriffe zum Beispiel in das menschliche Erbgut zu verursachen, deren Auswirkungen auf künftige Generationen heute kaum abzuschätzen sind. Die Erforschung und Weiterentwicklung des Genome Editing und sein in jeder Hinsicht gewaltiges Potenzial verlangen daher nach einem begleitenden Diskurs, der eine sorgfältige und kritische Abwägung der ethischen Implikationen sicherstellt.

Der Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ stellte sich dieser Diskussion und lud die Medizinethikerin Professorin Alena Buyx zu seiner diesjährigen Vollversammlung, dem KLS-Retreat 2016, ein. Buyx hat seit 2014 eine Professur für Medizinethik an der CAU inne und ist seit 2016 Mitglied im neu formierten Deutschen Ethikrat, der sich aktuell unter anderem mit den neuen Möglichkeiten des Zugriffs auf das menschliche Erbgut befasst. Buyx lieferte am Beispiel des neuen Verfahrens Denkanstöße, wie die moderne biomedizinische Forschung angesichts der Chancen und Risiken ethisch handeln kann und welche Anforderungen ein ethischer Umgang mit Innovationen wie dem Genome Editing an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellt. Ihr Vortrag und die anschließende lebhafte Diskussion mit den anwesenden Expertinnen und Experten aus den Lebenswissenschaften bildeten damit eines der Highlights des KLS-Retreats 2016.


 

Neue Einblicke in die Evolution des Stoffwechsels

16.02.2017

Abbildung: Axel Scheidig
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In heißen Quellen, Geysiren und schwarzen Rauchern leben Urbakterien, auch Archaea genannt. Sie leben häufig unter extremen Umweltbedingungen und bevorzugen zum Beispiel hohe Temperaturen. Die Art Pyrococcus furiosus gehört zu diesen ursprünglichsten Lebewesen. Die Teams um den Mikrobiologen Professor Peter Schönheit und um den Strukturbiologen Professor Axel Scheidig, beide Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), analysierten den Zuckerstoffwechsel dieser Archaeen-Art. Dabei fanden sie den bislang unbekannten Mechanismus heraus, durch den die Umwandlung energiereicher Verbindungen, sogenannte Thioester, in Adenosintriphosphat (ATP, dem universellen Energieüberträger aller Lebewesen) ermöglicht wird. Die Entdeckung des Katalysemechanismus erlaubt neue Einblicke in die evolutionäre Entwicklung des Stoffwechsels. Die Forschenden veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS).

Beim Stoffwechsel machen Enzyme die Arbeit, so auch in Archaeen. Die sogenannten Acetyl-Coenzym A Synthetasen unter ihnen haben sich die Kieler Forscher genauer angeschaut. Denn sie ermöglichen die Übertragung eines Stoffwechselprodukts (aktiviertes Phosphat) zwischen zwei räumlich getrennten aktiven Zentren, um ATP zu bilden. Seit Beginn der Charakterisierung dieser Enzyme war es ein Rätsel, wie der Übergang funktioniert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gingen seit über zehn Jahren davon aus, dass das aktivierte Phosphat durch eine Art Schwingen vom einen zum anderen Zentrum gelangt. Diese These konnte aber bislang nicht nachgewiesen werden.

Mithilfe eines speziellen Verfahrens zur Darstellung der Kristallstruktur, der sogenannten Röntgendiffraktion, ist es den Kieler Forschungsteams erstmals gelungen, die dreidimensionale Architektur der Acetyl-Coenzym A Synthetase nachzuvollziehen. Mit Hilfe von neun unterschiedlichen Kristallen konnten sie Momentaufnahmen des Enzyms während der Katalyse aufnehmen und damit den sich umlagernden Proteinbereich sichtbar machen. Mit dieser Methode konnten sie sehen, dass ein Proteinsegment im Enzym das aktivierte Phosphat (~P) überträgt. Die lang diskutierte Hypothese des Schleifen-Schwingens (‚loop swinging‘) zwischen den aktiven Zentren konnte damit bewiesen werden. „Die von uns entschlüsselten Strukturen liefern wichtige Erkenntnisse für den Katalysemechanismus dieser ungewöhnlichen Enzymklasse“, freuen sich Professor Schönheit und Professor Scheidig über die Entdeckung.

Ausgehend von ihrer Arbeit versuchen die Forschenden nun, die Enzyme, die auch in pathogenen Mikroorganismen vorkommen, weiter zu charakterisieren. Schönheit: „Unser Wunschziel ist es, dieses für den Energiehaushalt wesentliche Enzym gezielt ausschalten zu können und damit die krankheitserregenden Organismen im menschlichen Körper wirksam zu bekämpfen.“

Originalarbeit:
Weiße, R. H.-J., Faust, A., Schmidt, M. C., Schönheit, P., Scheidig, A. J. (2016). Structure of NDP forming acetyl-coenzyme A synthetase ACD1 reveals large rearrangement for phosphoryl-transfer. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 113:519-528 DOI: 10.1073/pnas.1518614113
www.pnas.org/content/113/5/E519

Weitere Informationen über die Besonderheiten der Archaeen gibt es in der unizeit:
www.uni-kiel.de/unizeit/index.php?bid=340102&light=sch%F6nheit

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Peter Schönheit und Axel Scheidig erforschten die Umwandlung energiereicher Verbindung in Urbakterien. In den Händen halten die Wissenschaftler ein Modell des Acetyl-Coenzyms A.
Foto/Copyright: Raissa Nickel, Uni Kiel
 

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Die Art Pyrococcus furiosus gehört zu den ursprünglichsten Lebewesen.
Abbildung: Dr. Annett Bellack, Universität Regensburg
 

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Die Struktur Acetyl-Coenzym A Synthetase zeigt einen ursprünglichen Energiewandler in der frühen Evolution des Stoffwechsels.
Abbildung: Axel Scheidig
 

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Kontakt:

 

Prof. Dr. Peter Schönheit
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-4328
E-Mail: peter.schoenheit@ifam.uni-kiel.de

 

Prof. Dr. Axel Scheidig
Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie an der CAU
Telefon: 0431/880-4286
E-Mail: axel.scheidig@strubio.uni-kiel.de

 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
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Text / Redaktion: ► Raissa Nickel

Mit "verwirrten Bakterien" zum Gewinn - Studierendentagung 2016 in Kiel

05.12.2016

lsn2016Den Gegner verwirren – Roderich Römhild gewinnt den Hauptpreis der Studierendentagung zu den Life Sciences in Kiel mit seinem Vortrag über Antibiotikaresistenzen

Auf der fünften Studierendentagung im Kieler Wissenschaftszentrum beeindruckten Jungwissenschaftler aus den Life Sciences auch im fünften Jahr mit spannenden Beiträgen. Bei der gemeinsamen Veranstaltung von Life Science Nord und Kiel Life Science (KLS) waren insgesamt acht Vorträge und 45 Poster an den Start gegangen. Weiter lesen...

Graduiertenkolleg „Gene, Umwelt und Entzündung“ geht in die nächste Runde

22.11.2016

DFG fördert Graduiertenausbildung in der Entzündungsforschung mit weiteren gut 3 Millionen Euro


Seit 2011 finanziert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Graduiertenkolleg „Gene, Umwelt und Entzündung“ (RTG 1743). Dieser gemeinsame Forschungsverbund von Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Universität zu Lübeck untersucht seitdem erfolgreich den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entstehung chronisch-entzündlicher Krankheiten wie zum Beispiel Morbus Crohn oder Psoriasis. Zudem sorgt er für die Ausbildung höchstqualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die hervorragenden Ergebnisse der bisherigen Zusammenarbeit der Kieler und Lübecker Entzündungsforschenden und die strategische Einbettung des Graduiertenkollegs in den Exzellenzcluster Entzündungsforschung haben die DFG erneut überzeugt: Vergangene Woche sagte sie offiziell die Finanzierung für weitere viereinhalb Jahre zu und unterstützt das Vorhaben mit weiteren 3,2 Millionen Euro. Weiter lesen...

Kiel Life Science vergibt erstmals eigene Wissenschaftspreise

21.11.2016

Zweimal 6000 Euro für die besten Nachwuchsforschenden der Kieler Lebenswissenschaften

Am gestrigen Donnerstag, 17. November, vergab der Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) auf seiner Jahresversammlung zum ersten Mal Auszeichnungen für die besten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die beiden sogenannten „Kiel Life Science-Postdoc Awards“ gingen an Dr. Eva Ellinghaus vom Institut für Klinische Molekularbiologie an der CAU in der Kategorie „Medizinische Forschung“ und an Dr. Philipp Rausch vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön für die „Nicht-Medizinische Forschung“. Weiter lesen...

Jugend auf den Spuren der Evolution

10.11.2016

Evolutionsbiologische Projekttage für Schülerinnen und Schüler in der Kieler Forschungswerkstatt


Vom 7. bis 9. November bot die Kieler Forschungswerkstatt gemeinsam mit dem Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“ (KEC) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) evolutionsbiologische Kurse für Oberstufenschülerinnen und -schüler an. Unter dem Titel „Evolution – Arbeiten mit dem Modellorganismus Caenorhabditis elegans“ hatten insgesamt 58 Jugendliche aus Kiel und Flensburg an drei Tagen Gelegenheit, die Theorie und Arbeitsweisen der Evolutionsforschung kennenzulernen. Im sogenannten „life:labor“ der Forschungswerkstatt untersuchten die Schülerinnen und Schüler dazu selbständig den Fadenwurm C. elegans. Diesen durchsichtigen und einfach gebauten Wurm bevorzugen Evolutionsforschende für ihre Experimente: Seine Eigenschaften eignen sich ideal, um Entwicklungsprozesse zu untersuchen und er lässt sich gut im Labor halten. Weiter lesen...

Form und Funktion im Laufe der Evolution

07.11.2016

Erneut volles Haus beim Darwintag 2016 im Audimax der CAU

Am heutigen Freitag, 4. November, richtete das Zoologische Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gemeinsam mit dem Zoologischen Museum Kiel den achten Kieler Darwintag aus. Rund 1.200 Schülerinnen und Schüler aus ganz Schleswig-Holstein folgten dem Ruf der Kieler Evolutionsforschenden ins Audimax der Uni, um in fünf spannenden Vorträgen in die Welt der Evolution einzutauchen. In diesem Jahr drehte sich alles um die Evolution von Form und Funktion und wie sie sich zum Beispiel bei Krebsen, Zugvögeln oder fliegenden Fischen entwickelt haben. CAU-Vizepräsidentin Professorin Ilka Parchmann hieß die Schülerinnen und Schüler willkommen. Sie machte deutlich, dass die Uni Kiel zu den weltweit führenden Standorten in der Evolutionsforschung zähle und die Jugendlichen hier genau richtig seien, um Einblicke in dieses Gebiet zu bekommen. Weiter lesen...

Das Zittern liegt in den Genen

16.02.2017

Zu viel Kaffee oder eine aufregende Situation können auch bei gesunden Menschen zu einem fühlbaren und sichtbaren Zittern (Tremor) der Hände führen. Ungefähr jeder hundertste Mensch leidet aber an andauerndem und stärker ausgeprägtem Zittern, was das Krankheitsbild des Essentiellen Tremors (ET) bestimmt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben in Kooperation mit internationalen Arbeitsgruppen in einer groß angelegten Studie nach möglichen Ursachen des ET gesucht und konnten drei Gene identifizieren, die mit dem Zittern in Verbindung stehen. Die Ergebnisse der Studie erscheinen heute (Freitag, 21. Oktober) in der renommierten Fachzeitschrift „Brain“.

Ein ET kann in jedem Alter beginnen und nicht nur die Hände, sondern auch andere Körperteile wie den Kopf, die Beine und sogar die Stimme erfassen. Mit steigendem Alter nimmt dabei fast immer die Intensität des Zitterns zu und beeinträchtigt Patientinnen und Patienten bei alltäglichen Tätigkeiten wie Trinken, Schreiben und anderen feinmotorischen Handlungen. Über die genauen Ursachen und den Entstehungsprozess des ET ist bisher kaum etwas bekannt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Klinik für Neurologie, Medizinische Fakultät der CAU und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), konnten in Zwillingsstudien bereits zeigen, dass der ET eine hohe Erblichkeit aufweist, allerdings bei den meisten Betroffenen genetisch komplex ist. „Als genetisch komplex bezeichnen wir eine Krankheitsentstehung, wenn genetische Risikofaktoren mit zusätzlichen Umweltfaktoren zusammenwirken“, erklärt Professor Gregor Kuhlenbäumer, Studienleiter an der Klinik für Neurologie. „In solchen Fällen finden wir oft keine direkte Vererbung der Erkrankung von Eltern auf ihre Kinder.“

In der nun veröffentlichten, groß angelegten Studie, unter Leitung der Klinik für Neurologie und des Montreal Neurological Institute, wurde der ET erstmals umfassend molekulargenetisch an fast 3000 Patientinnen und Patienten sowie 7000 Kontrollfällen aus zahlreichen europäischen, kanadischen und amerikanischen Studienzentren untersucht. „Wir konnten tatsächlich drei Gene identifizieren, von denen wir glauben, dass sie ursächlich für die Erkrankung sind“, sagt Kuhlenbäumer. „Um als gesichert zu gelten, müssen diese Ergebnisse nun allerdings in weiterführenden, unabhängigen Untersuchungen noch bestätigt werden.“

Die drei identifizierten Gene (STK32B, PPARGC1A und CTNNA3) könnten eine große Bedeutung für die Tremorforschung haben. „Wenn sich die Befunde bestätigen, so haben wir erstmals einen Anhaltspunkt, an dem wir mit biochemischen und experimentellen Methoden anknüpfen können, um mehr über die Entstehung des Zitterns zu erfahren“, sagt Kuhlenbäumer. Denn allein in Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an ET. Die medikamentöse Therapie der Erkrankung ist allerdings nur bei ungefähr der Hälfte aller Patientinnen und Patienten erfolgreich und kann bei ihnen das Zittern auch nicht heilen, sondern nur lindern. Weltweit ist die Kieler Klinik für Neurologie in der Erforschung, Diagnostik und Therapie von Tremorkrankheiten führendes Zentrum.


Originalpublikation:
Genome-Wide Association Study in Essential Tremor Identifies Three New Loci (2016). Stefanie H. Müller, Simon L. Girard, Franziska Hopfner, Nancy D. Merner, Cynthia V. Bourassa, Delia Lorenz, Lorraine N. Clark , Lukas Tittmann, Alexandra I. Soto-Ortolaza, Stephan Klebe, Mark Hallett, Susanne A. Schneider, Colin A. Hodgkinson, Wolfgang Lieb, Zbigniew K. Wszolek, Manuela Pendziwiat, Oswaldo Lorenzo-Betancor, Werner Poewe, Sara Ortega-Cubero, Klaus Seppi, Alex Rajput, Anna Hussl, Ali H. Rajput, Daniela Berg, Patrick A. Dion, Isabel Wurster, Joshua M. Shuman, Karin Srulijes, Dietrich Haubenberger, Pau Pastor, Carles Vilariño-Güell, Ronald B. Postuma, Geneviève Bernard, Karl-Heinz Ladwig, Nicolas Dupré, Joseph Jankovic, Konstantin Strauch, Michel Panisset, Juliane Winkelmann, Claudia M. Testa, Eva Reischl, Kirsten E. Zeuner, Owen A. Ross, Thomas Arzberger, Sylvain Chouinard, Günther Deuschl, Elan D. Louis, Gregor Kuhlenbäumer, Guy A. Rouleau. Brain (2016).
DOI: 10.1093/brain/aww242

Kontakt:
Prof. Gregor Kuhlenbäumer
Klinik für Neurologie
Tel.: 0431/597-8806
E-Mail: g.kuhlenbaeumer@neurologie.uni-kiel.de



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Text / Redaktion: Dr. Ann-Kathrin Wenke

Neue Einblicke in den Stammbaum des Lebens

16.02.2017

CAU-Mikrobiologie liefert grundlegende Erkenntnisse zur Rolle der Urbakterien in der Evolution

Um die Vielfalt des Lebens zu beschreiben, unterscheidet die Wissenschaft zum Beispiel nach dem Tier- oder Pflanzenreich. Außerdem wird sie auch in drei grundlegende Kategorien oder auch Domänen unterteilt: Die erste umfasst Lebewesen, die einen Zellkern besitzen, die Domäne der sogenannten Eukarya. Die beiden weiteren Domänen beinhalten zum einen die Urbakterien, auch Archaea genannt, zum anderen die Bakterien. Lebewesen dieser beiden Domänen besitzen keinen Zellkern. Die Domäne der Archaeen nimmt dabei eine Sonderstellung ein, da sie Merkmale sowohl der Eukarya als auch der Bakterien trägt. Aus welcher der beiden ursprünglicheren Domänen sich die eukaryotische Zelle und damit höhere Lebewesen einschließlich der Wirbeltiere im Laufe der Evolution entwickelt haben, wird bis heute kontrovers diskutiert. Kürzlich gefundene deutliche Hinweise legen nahe, dass sich die Eukarya aus der Domäne der Archaeen entwickelt haben könnten. Forschende vom Institut für Allgemeine Mikrobiologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) konnten zeigen, dass Archaeen ihre Erbinformationen auf sehr ähnliche Weise ablesen, um sie in Proteine umzusetzen, wie es auch Eukarya tun. Dies unterstützt die Theorie über den Ursprung der Eukarya in der Domäne der Archaeen. Die neuartigen Forschungsergebnisse veröffentlichte das Team um Professorin Ruth Schmitz-Streit von der CAU gemeinsam mit Professor Rotem Sorek vom Weizmann Institute of Science aus Rehovot, Israel, jüngst in der Fachzeitschrift Nature microbiology.

Der Schlüssel zu diesen neuen Erkenntnissen liegt in der Untersuchung der Transkription, also dem Ablesevorgang der genetischen Information. Im Laufe dieses Prozesses wird die sogenannte Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) gebildet, deren Aufgabe die Umsetzung von genetischer Information in Proteine ist. Im Hinblick auf diese Vorgänge untersuchten die Forschenden die beiden Archaeen-Arten Methanosarcina mazei und Sulfolobus acidocaldarius

mittels genomweiter Analysen. Insbesondere das Ende des Transkriptionsvorgangs ist aufschlussreich: Bakterien weisen hier nach dem für die Codierung der Proteine zuständigen Teil nur eine sehr kurze Endsequenz auf. Die nun vorliegende Studie zeigt, dass Archaeen demgegenüber eine ähnlich lange Endsequenz der mRNA aufweisen, wie es auch bei Eukarya der Fall ist. Die vermeintlich unbeteiligten Enden der mRNA tragen also möglicherweise auch bei Archaeen zur Genregulation bei. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zudem belegen, dass über 30 Prozent der Archaeen-Gene durch eine Reihe aufeinanderfolgender alternativer Terminations-Signale in der Transkription kontrolliert werden können. In Abhängigkeit von den Umweltbedingungen entstehen also jeweils unterschiedlich lange Endsequenzen.

Die neuartigen Erkenntnisse legen einerseits die evolutionäre Nähe von Archaeen und Eukarya nahe. Andererseits weisen sie darauf hin, dass die langen und wandelbaren Endsequenzen der Archaeen auch funktionale Bedeutung haben müssen. Damit eröffnet sich ein gänzlich neues Betätigungsfeld in der Mikrobiologie, betont Schmitz-Streit: „Bislang war schlicht nicht bekannt, dass Archaeen solch lange Transkriptions-Endsequenzen besitzen. Zum einen werden so Einblicke in die evolutionäre Entwicklung des Lebens möglich. Vor allem betreten wir mit der Erforschung ihrer Funktionen wissenschaftliches Neuland und erhoffen uns überraschende neue Erkenntnisse über die Regulation bei Archaeen auf posttranskriptionaler Ebene.“

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Die methanproduzierende Archaeen-Art Methanosarcina mazei ist ein in der Mikrobiologie häufig verwendeter Modellorganismus.
Abbildung: Andrea Ulbricht
 

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-339-1.jpg

 

Originalarbeit:

Daniel Dar, Daniela Prasse, Ruth A. Schmitz & Rotem Sorek (2016): Widespread formation of alternative 3? UTR isoforms via transcription termination in archaea. Nature Microbiology

dx.doi.org/10.1038/nmicrobiol.2016.143

 

Kontakt:

Prof. Ruth Schmitz-Streit
Molekularbiologie der Mikroorganismen,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-4334 E-Mail: rschmitz@ifam.uni-kiel.de

 

Weitere Informationen 

Molekularbiologie der Mikroorganismen (AG Schmitz-Streit),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
www.mikrobio.uni-kiel.de/de/ag-schmitz-streit

 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de
Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni
Text / Redaktion: ► Christian Urban

Wichtige Zellgruppe für die lokale Immunreaktion entdeckt

20.10.2016

Kieler Team des Exzellenzclusters Entzündungsforschung identifiziert bisher unbekannte Quelle für den Botenstoff Interleukin 9
 

Interleukin 9 (IL-9) ist ein Botenstoff des Immunsystems mit vielfältigen Wirkungen. Es spielt eine Rolle bei allergischen Reaktionen, der Durchlässigkeit von Epithelzellen und der Anti-Tumor-Aktivität des Immunsystems. Unter welchen Bedingungen IL-9 in nennenswertem Umfang gebildet wird, hat eine Arbeitsgruppe des Exzellenzclusters Entzündungsforschung an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit in-vitro-Zellkulturstudien aufgeklärt. Das Team unter Leitung von Prof. Dieter Kabelitz (Institut für Immunologie) identifizierte in der Studie eine bisher unbekannte Quelle für die IL-9-Produktion, die so genannten gamma/delta-T-Lymphozyten. In Geweben wie zum Beispiel der Darm- oder Bronchialschleimhaut ist dieser Zelltyp dominierend. „Botenstoffe, die von diesen Zellen im Gewebe produziert werden, können insofern eine erhebliche Bedeutung für die lokale Entzündungsreaktion haben“, erklärt Kabelitz. Die Ergebnisse dieser Studie werden jetzt in der Fachzeitschrift  Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States (PNAS) publiziert.

Der Kieler Immunologe Prof. Dieter Kabelitz erforscht schon seit vielen Jahren gamma/delta-T-Zellen (γδ-T-Zellen), die zwar nur eine kleine Untergruppe im Blut sind; im Gewebe wie der Darmschleimhaut dagegen etwa 20 bis 30 Prozent aller Immunzellen ausmachen und zum Beispiel auch. im Lungengewebe vorkommen. Sein Interesse an den Zellen begründet sich vor allem auf der Erkenntnis, dass γδ-T-Zellen einen „Riecher“ dafür haben, wenn Zellen gestresst werden und in der Folge im Stoffwechsel etwas falsch läuft, was dann eine entsprechende Immunantwort einleitet. Sie spielen daher eine große Rolle in der lokalen Immunüberwachung gegenüber Entzündung, Infektion und maligner (bösartiger) Entartung von Zellen.

In diesem Zusammenhang könnte auch die Produktion von Interleukin-9 (IL-9) relevant sein. Der Botenstoff kann das Wachstum von  Immunzellen  stimulieren sowie die Durchlässigkeit von Epithelzellen regulieren. Darüber hinaus wird durch IL-9 die Produktion von Antikörpern der IgE Klasse stimuliert, die bei allergischen Reaktionen und in der Wurmabwehr eine wichtige Rolle haben. Zusätzlich wird durch IL-9 aber auch die Aktivität von Killerzellen gesteigert, die zum Beispiel in der immunologischen Tumorabwehr  von Bedeutung sind.

Als IL-9 produzierende Zellen im Immunsystem war bisher nur eine Untergruppe der CD4-positiven T-Lymphozyten (kurz CD4-Zellen) bekannt. Voraussetzung für die Freisetzung von IL-9 ist die Aktivierung mit den Botenstoffen Transforming Growth Factor-beta (TGFβ) und Interleukin-4. „Wir haben gezeigt, dass auch gamma/delta-T-Zellen IL-9 produzieren und zwar deutlich mehr als CD4-Zellen“, sagt Kabelitz. Außerdem sei bei γδ-T-Zellen für die IL-9-Produktion nur eine Stimulation mit TGFβ nötig gewesen. „Das erforderliche TGFβ wird von Epithelzellen und von vielen Tumorzellen produziert. Es ist daher denkbar, dass in entzündlichem Gewebe, aber auch im Tumor-Mikromilieu, durch TGFβ in vor Ort befindlichen gamma/delta T-Zellen direkt IL-9 induziert wird. Dadurch kann die lokale Immunreaktion entscheidend beeinflusst werden“. In weiteren Untersuchungen ist geplant, die in Gewebekultur erzielten Ergebnisse in Krankheitssituationen zu überprüfen.

Gefördert wurde diese Studie mit Mitteln des Exzellenzcluster Entzündungsforschung, der Else-Kröner-Fresenius Stiftung und der Medizinischen Fakultät der CAU.

 

Originalpublikation:

Christian Peters, Robert Häsler, Daniela Wesch, Dieter Kabelitz: Human Vδ2 T cells are a major source of Interleukin-9. PNAS 2016;

www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1607136113

 

Kontakt:

Prof. Dr. Dieter Kabelitz
Institut für Immunologie
Tel.: 0431/500 31000
Dietrich.Kabelitz@uksh.de
 
Dr. Christian Peters
Institut für Immunologie
Tel.: 0431/500 31037
Christian.Peters@uksh.de

 

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Presse und Kommunikation, Sonja Petermann, Text: Kerstin Nees
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894

 

Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Artikelaktio

Unsere Gene beeinflussen die Darmflora

12.10.2016

Überraschende Erkenntnisse aus der Kieler Mikrobiom-Forschung
 

Ein internationales Konsortium unter Federführung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat herausgefunden, dass das menschliche Genom einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakterien im Darm hat. Die Ergebnisse dieser Studie erscheinen heute (Montag, 10. Oktober) in der renommierten Fachzeitschrift "Nature Genetics".
 
Im menschlichen Darm lebt eine Vielzahl von unterschiedlichen Bakterien, die einen wichtigen Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Unter anderem spalten sie Nährstoffe, beeinflussen unser Immunsystem und sorgen für ein ausgeglichenes Hormonsystem. Verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora, zum Beispiel durch die Gabe von Antibiotika, können verschiedene Krankheiten wie entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes oder Autismus entstehen.
 
Um das komplexe Zusammenspiel und den Einfluss der menschlichen Darmflora auf die Entstehung von Krankheiten besser zu verstehen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Kiel zusammen mit weiteren Arbeitsgruppen aus dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und Oslo in der bislang größten Studie dieser Art die Zusammensetzung der Darmbakterien von über 1.800 Norddeutschen untersucht. Sie identifizierten eine Reihe von Faktoren wie Ernährung, Lebensgewohnheiten und genetische Variationen, die die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms beeinflussen. Mit dem Einfluss von genetischen Unterschieden hat sich das Kieler Forschungsteam dann näher beschäftigt.
 
Insgesamt konnten die Forscherinnen und Forscher 42 Bereiche im menschlichen Genom finden, die die Vielfalt der Darmflora beeinflussen. Für weitere 42 Genbereiche konnten sie nachweisen, dass sie über das Vorkommen und die Häufigkeit bestimmter Bakterienarten im Verdauungstrakt mitbestimmen. Insgesamt sind diese genetischen Faktoren für rund 10 Prozent der Bakterienvielfalt im Darm verantwortlich. „Dass unser Genom einen solch großen Einfluss auf die Darmbakterien hat, war eine große Überraschung für uns“, sagt Professor Andre Franke, Studienleiter und Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie (IKMB), Medizinische Fakultät der CAU. „Eine ähnliche Größenordnung ist aus Mausstudien bekannt und lässt darauf schließen, dass wir es hier mit evolutionär konservierten Prozessen zu tun haben.“
 
Ein spezielles Gen, das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dieser Studie identifiziert haben, war für sie besonders interessant: Es kodiert für den Vitamin D Rezeptor, der Gallensäuren bindet, die wiederum für die Fettverdauung wichtig sind. „Den Einfluss jedes einzelnen Faktors, den wir identifizieren konnten, wollen wir nun in weiterführenden Studien genauer untersuchen“, sagt Louise Thingholm, Erstautorin der Studie vom IKMB. Dieses Vorhaben ist Teil des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der CAU, der seit Anfang dieses Jahres von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 10 Millionen Euro finanziert wird.    

Originalpublikation:
Genome-wide association analysis identifies variation in vitamin D receptor and other host factors influencing the gut microbiota (2016). Jun Wang, Louise B Thingholm, Jurgita Skiecevicienė, Philipp Rausch et al. Nature Genetics. DOI: 10.1038/ng.3695

Abbildungen zum Thema stehen zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-322-1.jpg  
Bildunterschrift: Die Abbildung zeigt, dass viele bekannte Gene, die das Darmmikrobiom in der Maus beeinflussen, mit den menschlichen Genen identisch sind, die von der Kieler Studie identifiziert wurden (Verbindungslinien innerhalb des Kreises). Die linke Seite zeigt dabei die Positionen auf der Maus-DNA, die rechte Seite die menschlichen Chromosomenabschnitte.
Copyright: Institut für Klinische Molekularbiologie/CAU
 
www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-322-2.jpg   
Bildunterschrift: Für die Analyse der Zusammensetzung der Darmflora werden die Stuhlproben im Labor vorbereitet.
Copyright: Institut für Klinische Molekularbiologie/CAU
 
www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-322-3.jpg   
Bildunterschrift: Eine Technische Angestellte bearbeitet die Stuhlproben unter der Laborbank.
Copyright: Institut für Klinische Molekularbiologie/CAU
 
Weitere Informationen:
www.ikmb.uni-kiel.de/research/genetics-bioinformatics/microbiome-studies-0  

Kontakt:
Prof. Dr. Andre Franke
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU
Telefon: 0431/500-15110; 0179-4851891
E-Mail: a.franke@mucosa.de
 
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Redaktion: Dr. Ann-Kathrin Wenke
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de

Neues Zentrum für Evolutionsforschung in Kiel

04.10.2016

Internationales Symposium zur Gründung des „Kiel Evolution Center“

Der heutige Freitag, 30. September, hat es in sich für den Wissenschaftsstandort Kiel: Während hunderte Forschende aus der Landeshauptstadt bei der „Nacht der Wissenschaft“ für ihre Arbeit werben, gründet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zeitgleich ein neues Forschungszentrum. Das „Kiel Evolution Center“ (KEC) nimmt heute im Rahmen eines internationalen Symposiums mit über 100 Forschenden im Zoologischen Museum Kiel seine Arbeit auf. Die interaktive Wissenschaftsplattform setzt sich zum Ziel, Evolutionsforscherinnen und -forscher in der Region Kiel besser zu koordinieren. Daneben sollen unter dem Schlüsselbegriff „translationale Evolutionsforschung“ gezielt Brücken zwischen Grundlagenforschung und Anwendung geschlagen werden. Neben der Förderung der Wissenschaft stehen ausdrücklich auch Lehre und Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des „Kiel Evolution Center“. Mehr lesen...

2016 DZG-Meeting at Kiel University

20.09.2016

Wichtigste deutsche Zoologie-Konferenz an der Uni Kiel

450 Forschende aus allen Bereichen der Zoologie tagen noch bis Samstag in der Landeshauptstadt

 

Seit dem heutigen Mittwoch, 14. September, läuft die Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Bis einschließlich Samstag haben rund 450 deutschsprachige und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Gelegenheit, sich bei der größten europäischen Konferenz im Bereich der Zoologie auszutauschen. Die DZG-Tagung hebt sich besonders durch ihr umfassendes, sämtliche Disziplinen rund um die zoologische Forschung einschließendes Programm hervor. So geht es um aktuelle Entwicklungen und neueste Forschungsergebnisse unter anderem aus der Evolutionsbiologie, Ökologie, Physiologie oder Neurobiologie. Weiter lesen...

Neue Gene für Herzfehler entdeckt

07.09.2016

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Eine internationale Forschergruppe hat drei neue Gene gefunden, die bei der Entstehung angeborener Herzfehler eine Rolle spielen. Die Wissenschaftler haben außerdem neue Erkenntnisse darüber gewonnen, welche Arten von Herzfehlern vererbt werden und welche durch neu aufgetretene Genveränderungen verursacht werden. Diese Ergebnisse helfen, die genetische Beratung von betroffenen Familien zu verbessern. Das Konsortium unter Beteiligung des Wellcome Trust Sanger Institutes, des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler, des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie, Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, berichtet darüber in der aktuellen Ausgabe von Nature Genetics. Weiter lesen...

Europäische Nacht der Wissenschaft in der KielRegion

05.07.2016

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Rückblick: Erfolgreiche erste Metaorganismus-Konferenz an der Uni Kiel

20.06.2016

Vergangene Woche fand das Kick off-Meeting des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ im Rahmen des internationalen Kiel Life Science-Symposiums 2016 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) statt – und damit die erste große wissenschaftliche Tagung zum noch jungen wissenschaftlichen Feld der Metaorganismus-Forschung in Kiel. Weiter lesen...

Erste internationale Tagung zur Metaorganismus-Forschung in Kiel

09.06.2016

2016-194-1.jpgKonferenz des SFB 1182 holt weltweit führende Expertinnen und Experten für Wirts-Bakterien-Beziehungen an die CAU

Seit dem heutigen Mittwoch, 8. Juni, läuft das internationale Kick off-Meeting des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) – und damit die erste große wissenschaftliche Tagung des noch jungen Verbundforschungsprojekts. Weiter lesen...

Buchvorstellung: Die Grundlagen des Metaorganismus-Prinzips

01.06.2016

Thomas Bosch und David Miller definieren die Grenzen der Biologie neu

In ihrem neuen englischsprachigen Buch „The Holobiont Imperative – Perspectives from Early Emerging Animals“ („Das Gebot des Metaorganismus – einfache Lebewesen zeigen neue Perspektiven auf“) stellen Professor Thomas Bosch, Zell- und Entwicklungsbiologe an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), und sein Co-Autor Professor David Miller vom australischen ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies die Grundzüge eines neuartigen wissenschaftlichen Feldes vor. Weiter lesen...

Kiel Oncology Network Workshop

01.06.2016

Foto Dormancy Workshop 2_modifiedAm 25.05.2016 veranstaltete das Kiel Oncology Network (KON) zusammen mit dem Max Planck Institut für Evolutionsbiologie in Plön einen Workshop zum Thema „Dormancy as evolutionary key process in the maintenance of phenotypic plasticity in tumors”.

Der Workshop setzte damit erfolgreich die Reihe von Veranstaltungen zum Thema  „Evolution & Cancer“ des Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) fort. Weiter lesen...

Thomas Bosch in bedeutendes internationales Wissenschaftskolleg berufen

23.05.2016

x-sfb-1182-metaorganisms-EN.pngKieler Zoologie-Professor wird Senior Fellow des Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR)

Es entspricht in seiner Bedeutung in etwa dem Wissenschaftskolleg zu Berlin, und zwar auf internationaler Ebene: Das Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR) vereint führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, um an Lösungen für globale Probleme in Gesundheit, Technik und Umwelt zu arbeiten. Weiter lesen...

Die Vielfalt im Innern des Wurms

18.05.2016

fmath-botan-inst.pngKieler Forschungsteam zeigt am Beispiel von Fadenwürmern die Bedeutung einer natürlichen Bakterienbesiedelung

Er ist einer der am besten erforschten Modellorganismen der Biologie: Der winzige Fadenwurm oder Nematode der Art Caenorhabditis elegans dient Forschenden seit Jahrzehnten zur Untersuchung von zum Beispiel Entwicklungsprozessen und Funktionsweise des Nervensystems. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit nutzen dazu eine bestimmte, stark an die Laborumgebung angepasste C. elegans-Variante, die unter diesen Bedingungen keinerlei Bakterienbesiedlung aufweist. Weiter lesen...

Schnelle Anpassung an eine veränderliche Umwelt

28.04.2016

Kieler Biologe erhält mit zwei internationalen Kollegen 900.000 Euro für Forschung

Einen stattlichen individuellen Förderungserfolg kann der Kieler Biologe Dr. Sebastian Fraune aus der Arbeitsgruppe Zell- und Entwicklungsbiologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) verbuchen: Sein neues Forschungsprojekt konnte sich kürzlich gemeinsam mit sechs weiteren Vorhaben unter rund 200 Anträgen bei der diesjährigen Fördervergabe des internationalen „Human Frontier Science Program“ (HFSP) behaupten. Gemeinsam mit einem US-amerikanischen und einem australischen Kollegen wird Fraune sich nun mit der Frage beschäftigen, wie sich Lebewesen unter dem Einfluss des Klimawandels schnell an geänderte Umweltbedingungen anpassen können. Dem Kieler Biologen sowie Dr. Adam Reitzel und Dr. Sylvain Foret von den Universitäten Charlotte und Canberra stehen dafür nun umgerechnet rund 900.000 Euro an HFSP-Mitteln für die kommenden drei Jahre zur Verfügung. Weiter lesen...

Neues Kieler Analyse-Netzwerk bündelt naturwissenschaftliche Schlüsseltechniken

20.04.2016

Auftaktveranstaltung des neugegründeten „Spectromics-Network“ an der Uni Kiel

 

Am Freitag, 15. April, fand die Auftaktveranstaltung des neugegründeten “Kiel Network of Analytical Spectroscopy and Mass Spectrometry”, kurz „Spectromics-Network“, statt. Ziel des Netzwerks ist die Bündelung elementarer Analysemethoden aus dem Bereich der Spektroskopie und der Massenspektrometrie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Spektroskopische Methoden beruhen auf der Wechselwirkung von Strahlung verschiedener Art, zum Beispiel verschiedener Wellenlänge, mit Materie, zum Beispiel Molekülen. Weiter lesen...

Kleine Proteine in Prokaryoten: Die Erforschung einer neuen Welt

13.04.2016

CAU-Mikrobiologie koordiniert neues 6 Millionen Euro DFG-Schwerpunktprogramm

Erneuter Erfolg für den Forschungsstandort Schleswig-Holstein: Nach der Bewilligung gleich drei neuer Leibniz-WissenschaftsCampi Mitte März in Kiel ist es nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) weitere umfangreiche Förderung zusagt. Zur Einrichtung des neuen Schwerpunktprogramms (SPP) „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ stellt die DFG einem interdisziplinären bundesweiten Forschungskonsortium unter der Leitung der CAU nun rund 6 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung. Weiter lesen...

Kieler Medizinforschung erhält 1,7 Millionen Euro für Supercomputer

12.04.2016

Ob Bilddaten aus der Radiologie, Fotos von Gewebeschnitten, Proteinmessungen aus Massenspektrometern oder Sequenzdaten aus großen Sequenziervorhaben – täglich werden in der medizinischen Forschung neue Daten generiert. Um diese immer größer werdenden Datenmengen besser archivieren und nachhaltig nutzen zu können, ist es Forscherinnen und Forschern der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum der CAU nun gelungen, Fördermittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro für einen Supercomputer einzuwerben. Bewilligt wurde die Hälfte der Fördersumme von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die andere Hälfte steuert das Land Schleswig-Holstein bei. Weiter lesen...

Mutationen an- und wieder ausschalten

12.04.2016

fmath-botan-inst.pngKieler Forschungsteam erleichtert mit neuem Verfahren funktionale Genomik

Schimmelpilze werden vor allem mit diversen gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht. Sie spielen auch eine weniger bekannte, für die Biotechnologie aber besonders wichtige Rolle. Der Schimmelpilz Aspergillus niger zum Beispiel dient seit rund 100 Jahren der industriellen Gewinnung von Zitronensäure, die in vielen Nahrungsmitteln als konservierender Zusatzstoff enthalten ist. Um die genetischen Mechanismen zu erkunden, die Aufschluss über das mögliche Anwendungsspektrum von Schimmelpilzen und ihrer Stoffwechselprodukte geben können, hat ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von der niederländischen Universität Leiden nun ein neues Verfahren entwickelt. Weiter lesen...

Neuer Leibniz-Campus zur Erforschung von Lungenkrankheiten bewilligt

18.03.2016

- Gemeinsame Presseinformation -

Diese Woche hat es in sich: Gleich drei WissenschaftsCampi richtet die Leibniz-Gemeinschaft am Universitätsstandort Kiel ein. Das hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft gestern (Donnerstag, 17. März) in Berlin entschieden. Mit dabei ist das neue evolutionsmedizinische Zentrum „Evolutionary Medicine of the Lung“ (EvoLUNG). Als erste Einrichtung ihrer Art in Deutschland erhält EvoLUNG in den kommenden vier Jahren (2016 bis 2020) eine Förderung von rund 4 Millionen Euro. Das Land Schleswig-Holstein trägt eine halbe Million Euro zur Finanzierung des vom Forschungszentrum Borstel (FZB), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI-EB) getragenen Vorhabens bei. Weiter lesen...

IMPRS bietet 15 PhD-Stellen an

14.03.2016

Die Internationale "Max Planck Research School for Evolutionary Biology" (IMPRS) schreibt 15 PhD-Stellen aus, siehe Ausschreibungstext. Die Bewerbungsfrist endet am 17. April 2016.

Weitere Informationen über die IMPRS und das Bewerbungsverfahren finden sich auf der  IMPRS-Website.

Medikamente zum „Anknipsen“ – Studierendentagung zu den Life Sciences in Kiel kürt zum vierten Mal Life Science-Nachwuchs

08.12.2015

Auf der Studierendentagung zu den Life Sciences im Wissenschafts-zentrum Kiel am vergangenen Donnerstag stellte der wissenschaftliche Nachwuchs inzwischen zum vierten Mal seine Arbeiten im Bereich der Life Sciences vor. Aus insgesamt 12 Vorträgen und 36 Postern wählte die Jury jeweils die drei besten aus.

Kiel, 8. Dezember 2015 – Den mit 500 € dotierten Preis für den besten Vortrag erhielt Boris Pinchuk vom Pharmazeutischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel für seinen Beitrag: „Photoaktivierbare Prodrugs des zugelassenen Kinaseinhibitors Vemurafenib“. Er stellte dar, wie man durch den Einsatz der photoaktivierbaren Prodrugs eine sowohl zeitlich als auch örtlich kontrollierbare Freisetzung des aktiven Wirkstoffs erreichen kann. Weiter lesen...

Bewerberrekord: Studierendentagung in Kiel startet mit vielversprechendem Programm

03.12.2015

Am 3. Dezember findet im Wissenschaftszentrum Kiel zum vierten Mal die Studierendentagung zu den Life Sciences statt. Die Veranstalter Life Science Nord und Kiel Life Science (KLS) haben im Vorfeld einen Bewerberrekord verzeichnet.

Kiel, 27. November 2015 – „Es freut uns sehr, dass das Konzept der „Studierendentagung zu den Life Sciences“ so gut ankommt und so viele Studierende motiviert hat, einen Beitrag einzureichen“, sagt Dr. Hinrich Habeck, Geschäftsführer der Clusteragentur Life Science Nord Management GmbH. Weiter lesen...

Neuer Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Universität Kiel bewilligt

24.11.2015

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Erforschung des Zusammenspiels von Organismus und symbiotischen Bakterien mit 10 Millionen Euro

 

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) stellt aktuell die Weichen für die Zukunft ihrer Forschung und kann auf diesem Weg einen weiteren Erfolg feiern: Auf Grundlage der überzeugenden Begutachtung vom Sommer dieses Jahres hat sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute (Donnerstag, 19. November) entschieden, den neuen Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ zu fördern. Damit stehen den Forschenden aus acht beteiligten Institutionen des neuen Verbundprojekts über vier Jahre rund 10 Millionen Euro zur Verfügung. Weiter lesen...

Warum Japanerinnen und Japaner länger leben

13.11.2015

Kieler Forschungsteam zeigt positiven Einfluss bioaktiver Pflanzenstoffe in Grüntee und Soja auf die Lebensspanne

Ein Forschungsteam vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat vielversprechende Zusammenhänge zwischen zwei sekundären Pflanzenstoffen, den sogenannten Catechinen und Isoflavonen, und der Lebenserwartung entdeckt. Die zugrunde liegenden Forschungsarbeiten der Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erschienen jüngst in den beiden Fachmagazinen Oncotarget und The FASEB Journal. Weiter lesen...

Alternative Konzepte in der Krebsforschung

06.11.2015

Robert Gatenby vom Moffitt Cancer Center besuchte die Universität Kiel

Auf Einladung des Forschungsschwerpunkts “Kiel Life Science” besuchte der US-amerikanische Krebsforscher Robert A. Gatenby, M.D., Vorsitzender der Abteilung für Radiologie und Co-Direktor des „Cancer Biology and Evolution Program“ am Moffitt Cancer Center in Tampa jüngst die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Auf dem Programm des international renommierten Wissenschaftlers stand neben dem Gedankenaustausch mit zahlreichen Forschenden der CAU auch ein öffentlicher Abendvortrag vor gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörern unter dem Titel „Cancer & Evolution“ am 5. November. Weiter lesen...

Pilze aus dem Meer enthalten vielversprechende Wirkstoffe gegen Krebs

28.10.2015

fmath-botan-inst.pngKieler Forschungsteam identifiziert Pilz-Gene, die krebshemmende Wirkstoffe ausbilden können

Der Ozean ist bis heute einer der am wenigsten erforschten Lebensräume unseres Planeten. Forschende vermuten ein riesiges Erkenntnispotenzial in den Meeren und suchen dort deshalb auch nach neuartigen Wirkstoffen zur Krankheitsbekämpfung. Im EU-Projekt „Marine Fungi“ haben internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Beteiligung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel nun systematisch nach solchen Stoffen speziell in Pilzen aus dem Meer gesucht. Ein besonders vielversprechendes Ergebnis ist die Identifizierung der Gene eines solchen Pilzes, die für die Bildung von zwei krebshemmenden Stoffen, sogenannten zyklischen Peptiden, verantwortlich sind. Ein Forschungsteam um Professor Frank Kempken, Leiter der Abteilung für Botanische Genetik und Molekularbiologie an der CAU, veröffentlichte die neuartigen Erkenntnisse nun in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins PLOS Biology. Weiter lesen...

Neue Strategie in der Bekämpfung von Antibiotika-resistenten Krankheitskeimen

16.10.2015

Schneller Wechsel in der Medikamentengabe hemmt die Ausbildung von Resistenzen


Die schnelle Evolution von Antibiotika-Resistenzen stellt eine zunehmend dramatische Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. In weniger als 20 Jahren könnten Antibiotika-resistente Krankheitskeime zu den häufigsten Verursachern nicht-natürlicher Todesfälle gehören. Die Medizin steht somit vor der gewaltigen Herausforderung die erfolgreiche Behandlung von bakteriellen Infektionen weiterhin zu gewährleisten - trotz eines immer kleiner werden Spektrums wirksamer Antibiotika. Jüngste Forschungsergebnisse einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zeigen nun Möglichkeiten auf, wie die Wirksamkeit der noch zur Verfügung stehenden Antibiotika länger erhalten werden kann. Weiter lesen...

Den biochemischen Fingerabdrücken des Lebens auf der Spur

06.10.2015

„Kiel Life Science“ richtet ersten Metabolomics-Workshop an der Universität Kiel aus

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Jahrestagung der Gesellschaft für Genetik an der Universität Kiel

29.09.2015

Max-Delbrück-Preisträgerin 2015 ist Emanuelle Charpentier

Ab Montag, 28. September, findet die Jahrestagung der Gesellschaft für Genetik (GfG) anlässlich des 350-jährigen Jubiläums an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) statt. Die dreitägige Veranstaltung deckt ein breites Spektrum aktueller Themen von der Genetik der Rekombination und der Krebsentstehung bis hin zur Epigenetik ab. Neben diesen Fachbeiträgen gehört die Ehrung besonders verdienter Genetikerinnen und Genetiker mit der Max-Delbrück-Lecture, benannt nach dem Nobelpreisträger und Begründer der modernen molekularen Genetik, zum Programm der Jahrestagung. In diesem Jahr erhält Professorin Emanuelle Charpentier, künftige Direktorin des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin, als erste Wissenschaftlerin diesen renommierten Preis. Tagungsleiter ist Professor Frank Kempken, GfG-Präsident und Leiter der Abteilung für Botanische Genetik und Molekularbiologie an der CAU. Weiter lesen...

Verbundprojekt erforscht neuartige Züchtungstechnologien für Raps und Kartoffeln

23.09.2015



 An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist kürzlich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt „Neuartige Züchtungstechnologie in Raps und Kartoffel durch Implementation des TALEN- und CRISPR/Cas9 Systems zur gezielten Genom-Modifikation“ offiziell gestartet. Projektpartner sind neben der Abteilung für Molekulare Phytopathologie und Biotechnologie der CAU zwei Industriepartner, die Solana Research GmbH und die NPZ Innovation GmbH. Ziel des Verbundprojekts ist es, neue Methoden zur gezielten Gen-Inaktivierung im Kartoffel- und Rapsgenom zu erforschen. Weiter lesen...

Genomforschung für umweltverträglichen Pflanzenschutz

28.08.2015

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Internationale Tagung „Evolutionary Genomics of Plant Pathogens“ an der Universität Kiel


Seit dem gestrigen Mittwoch, 26. August, bis Freitag, 28. August, veranstaltet die Arbeitsgruppe „Environmental Genomics“ am Botanischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) unter der Leitung von Professorin Eva Stukenbrock die internationale Tagung „Evolutionary Genomics of Plant Pathogens“. Rund 50 Expertinnen und Experten von etwa 20 internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen kommen im Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) zusammen, um den aktuellen Wissensstand in der Genomik von Pflanzenpathogenen, also bezüglich der Gesamtheit der Erbinformationen von Pflanzenschädlingen, zu diskutieren. Der Workshop in Kiel ist Teil einer europaweiten Initiative, die die Reduzierung des Pestizideinsatzes im Landbau durch die wissenschaftliche Weiterentwicklung des umweltverträglichen Pflanzenschutzes zum Ziel hat.
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Fadenwürmer reisen per Anhalter

13.07.2015

2015-263-1.jpgKieler Forschungsgruppe erforscht natürliche Lebensweise von Caenorhabditis elegans


Winzige Fadenwürmer zum Beispiel der Art Caenorhabditis elegans nutzen bei der Nahrungssuche Nacktschnecken und andere Wirbellose als Transportmittel. Dies fand eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nun heraus. Die etwa einen Millimeter langen Tiere leben meist in kurzlebigen Umgebungen, wie beispielsweise in verrottenden Früchten oder anderem Pflanzenmaterial. Hier weiterlesen...

Aktuelle Sicht auf Evolution und Krebs

19.06.2015

aktuelle-sicht-auf-evolution-und-krebsGemeinsamer wissenschaftlicher Workshop von Kiel Oncology Network und Kiel Life Science

Das kürzlich gegründete Kiel Oncology Network (KON) und der Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science (KLS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel veranstalteten am 16. und 17. Juni gemeinsam den internen „Evolution & Cancer“-Workshop. Zu Beginn hielt Professor Christoph Röcken vom Pathologischen Institut am Dienstagabend einen Plenarvortrag über die Krebsevolution und die Rolle von Stammzellen. Hier weiterlesen...

Versteckter Sicherheitsschalter: Neue Erkenntnisse zu Todesrezeptoren bei Krebszellen

10.06.2015

Ein besseres molekulares Verständnis der Rolle von sogenannten Todesrezeptoren in der Krebsentstehung, die insbesondere Bauchspeicheldrüsenkrebs besonders aggressiv und fast immer tödlich verlaufen lassen – das ist das Ziel von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Institut für Experimentelle Tumorforschung an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professorin Anna Trauzold und Professor Holger Kalthoff beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit diesen Todesrezeptoren, die in fast allen Körperzellen und prinzipiell auch in Krebszellen für das kontrollierte Absterben der Zelle, den programmierten Zelltod, sorgen können. Weiter lesen...

Live aus dem Labor der Evolution

05.06.2015

Studie zur Koevolution zwischen Wirt und Krankheitserregern wirft neues Licht auf Evolutionsdynamik

Jedes Jahr treten neuen Grippe- und Erkältungserreger auf und problematische Krankheitserreger wie zum Beispiel Ebola sorgen in regelmäßigen Abständen für globale Beunruhigung. Der Schlüssel für ein besseres Verständnis von Krankheitsepidemien liegt in der Veränderlichkeit und damit in der Evolution der verursachenden Krankheitserreger.Hier weiterlesen...

DFG-Begutachtung „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“

21.05.2015

Origin and Function

Das Begutachtungsverfahren des bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereichten Antrags für den Sonderforschungsbereich (SFB) „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) geht in die entscheidende Phase: Am 6. und 7. Juli findet die zweitägige Begutachtung durch die DFG-Prüfungsgruppe in Kiel statt. Dieses Gremium erarbeitet eine Entscheidungsempfehlung über die Einrichtung des Sonderforschungsbereichs, der die Grundlage für den zuständigen Bewilligungsausschuss bildet. Die für die Universität Kiel hoffentlich positive Entscheidung über die Einrichtung des SFB „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ wird bei der zweiten Sitzung des Bewilligungsausschusses der DFG Ende des Jahres fallen. Hier weiterlesen...

Estlands Staatspräsident zu Gast am Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB)

20.05.2015

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Estnischer Staatsbesuch im ZMB.
Foto: Christian Urban, Uni Kiel

Genau eine Woche, nachdem die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) den israelischen Präsidenten Reuven Rivlin begrüßen durfte, besuchte nun sein estnischer Amtskollege, Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves, die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Begleitet wurde er unter anderem von der estnischen Botschafterin in Deutschland, Kaja Tael. Der Staatsbesuch auf Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck stand in Kiel ganz im Zeichen der Wissenschaft, Mittelpunkt des Aufenthalts an der Universität Kiel war der Besuch des Präsidenten im Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB).Hier weiterlesen...

Aktuelle Trends in der Ernährungsforschung

12.05.2015

Karin Schwarz 

 Vom heutigen Dienstag, 12. Mai, bis Mittwoch, 13. Mai, veranstaltet das Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde im Rahmen des 350. Jubiläums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) das internationale Symposium „Food-Nutrition-Health“. Rund 120 Expertinnen und Experten aus Lebensmittelforschung, Ernährungswissenschaften und Medizin von etwa 20 Institutionen nehmen teil. Sie tauschen sich über aktuelle Entwicklungen rund um die Aspekte Biofunktionalität, technologische Eigenschaften und gesundheitliche Prävention von Lebensmitteln und Ernährung aus. „Das Symposium hat sich seit 2004 als ein Format für wissenschaftlichen Austausch und Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft bewährt“, betont Professorin Karin Schwarz, CAU-Vizepräsidentin und Leiterin der Abteilung Lebensmitteltechnologie, die Bedeutung der Veranstaltung. Hier weiterlesen...

Emeritierter Kieler Pathologe erhält Deutschen Krebspreis

25.03.2015

Zu den renommiertesten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin zählt der Deutsche Krebspreis. In der Sparte „Klinische Forschung“ ging diese hohe Auszeichnung in diesem Jahr an Professor Günter Klöppel, Emeritus der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Der Preis wurde ihm gestern (Mittwoch, 18. März) anlässlich des 18. Internationalen Kongresses der Arbeitsgemeinschaft Experimentelle Krebsforschung (AEK) in Heidelberg verliehen.

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Darmflora könnte Artbildung beeinflussen

25.03.2015

Wir sind nicht allein. Und das waren wir auch nie: Bakterien besiedelten die Erde lange vor vielzelligen Organismen und beeinflussten deren Evolution von Anbeginn. Dabei könnten sogar neue Arten entstehen. In einer neuen Studie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“ die Bakteriengemeinschaften im Darm zweier Mäuse-Unterarten und ihrer Mischlinge.

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Giftige Symbiose

25.03.2015

Kieler Studie zeigt: Mikrobe des Jahres verantwortlich für Pflanzengifte

Eine Arbeitsgruppe der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) um den Professor Dietrich Ober hat herausgefunden, dass Symbiosen von Pflanzen und Bakterien nicht nur, wie bisher vermutet, für die Bindung von Nährstoffen, sondern auch für die Produktion von Pflanzengiften verantwortlich sein können.

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Faszinierende Errungenschaften aus 350 Jahren: Medizinische Fakultät zeigt Jubiläumsausstellung

25.03.2015

Unterschiedliche Medienstationen machen die „Universitätsmedizin Kiel 350“ zu einem echten Erlebnis. Foto/Copyright: Birgit Rautenberg/CAU

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TV-Beitrag: Schleswig-Holstein 18:00

25.03.2015

Genforscher an der Universität Kiel unterstützen das UKSH im Kampf gegen Krankheiten. Auch den multiresistenten Keim aus dem UKSH konnten sie untersuchen und genauer bestimmen.

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Kieler Forschungsteam entschlüsselt Erbgut des Kieler Erregers

25.03.2015

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es erstmalig gelungen, das Erbgut des Ausbruchsstamms Acinetobacter baumannii zu entschlüsseln. Dabei handelt es sich um einen multiresistenten Erreger, gegen den alle vier wesentlichen Gruppen von Antibiotika nicht mehr wirken (4MRGN).

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Schulprojekt: Experimente gegen die Antibiotika-Krise

15.11.2017

Kurs zur Evolution von Krankheitskeimen für Oberstufenschülerinnen und -schüler in der Kieler Forschungswerkstatt

Anfang November stand die Evolutionsbiologie erneut auf dem Programm der Kieler Forschungswerkstatt im Botanischen Garten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Gemeinsam mit dem Forschungszentrum Kiel Evolution Center (KEC) bot sie einen Praxiskurs zum Thema „Den Resistenzen auf der Spur - Evolution von Krankheitserregern“ an. An vier Terminen nahmen insgesamt rund 70 Oberstufenschülerinnen und -schüler jeweils einer schleswig-holsteinischen Schule an dem eintägigen Kurs teil. Das Programm ist neben anderen biologischen und humanmedizinischen Angeboten Teil des Angebots im life:labor der Forschungswerkstatt. Die Jugendlichen erfuhren, welche gravierenden Probleme behandlungsresistente Krankheitserreger für Patientinnen und Patienten zum Beispiel mit chronischen Lungenerkrankungen mit sich bringen und welche Strategien helfen können, Infektionen trotzdem erfolgreich zu behandeln.

Im life:labor schlüpften die Jugendlichen in die Rolle von Ärztinnen und Ärzten, die einen Behandlungsplan für Mukoviszidose-Erkrankte erstellen müssen, deren geschwächte Lungen von bedrohlichen Infektionen betroffen sind. Um den Einstieg zu erleichtern, sahen die Schülerinnen und Schülern ein Video, in dem Dr. Ingrid Bobis vom Mukoviszidosezentrum für Erwachsene am UKSH Kiel die Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten vorstellt. Darauf aufbauend informierten sich die Jugendlichen detailliert über diese chronische Lungenerkrankung und die besondere Gefahr, die dabei von antibiotikaresistenten Krankheitskeimen ausgeht. Anschließend hatten sie in einem mikrobiologischen Methodenpraktikum Gelegenheit, selbständig mit Bakterien und verschiedenen Antibiotika-Präparaten zu experimentieren und deren Wirkungsweise kennenzulernen. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler einerseits, mit welchen medizinischen Strategien Infektionen behandelt werden können. Andererseits sollten ihnen die Experimente vermitteln, dass die Evolution die treibende Kraft ist, wenn Krankheitskeime Behandlungsresistenzen entwickeln.

Anschließend diskutierte Leif Tüffers, der als Doktorand in der Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik im Rahmen des KEC die Resistenzevolution von Krankheitserregern erforscht, mit den Jugendlichen über ihre Beobachtungen aus den Experimenten. „Unser Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern mögliche neue Strategien der Antibiotikagabe aufzuzeigen, mit denen sich die Krankheitskeime überlisten lassen“, sagte Tüffers. Besonders vielversprechend seien dabei zwei Konzepte: Einerseits habe sich das sogenannte „Antibiotika-Cycling“, also der schnelle Wechsel verschiedener Präparate, als vielversprechend erwiesen. Andererseits lasse sich das Phänomen der „Kollateralen Sensitivität“ effektiv ausnutzen, denn die Resistenzbildung eines Krankheitskeimes gegen ein bestimmtes Medikament kann den Erreger zugleich anfällig für einen anderen Wirkstoff machen. Diese Ansätze wolle man weiter erforschen und mittelfristig als Behandlungsalternativen in den medizinischen Alltag übertragen, so Tüffers weiter.

Dass sich das didaktische Konzept des life:labors bezahlt macht, zeigten die positiven Reaktionen der Jugendlichen: Für die 17-jährige Hanna Zander vom Gymnasium Kronshagen lohnte sich der Besuch in der Forschungswerkstatt. Sie fand es „sehr interessant, sich mit dem Problem der Antibiotika-Resistenzen auseinanderzusetzen“. Ihr Mitschüler, der ebenfalls 17-jährige Henrik Prestin sah sich durch die Erfahrungen aus dem Kurs bestätigt, denn in seiner Familie sei klar, dass Antibiotika nur zum Einsatz kommen dürfen, wenn es wirklich nötig sei.

Kerstin Kremer, Professorin für Didaktik der Biologie am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), konzipierte das Kursangebot des life:labors gemeinsam mit KEC und Forschungswerkstatt. Für sie ist die Sensibilisierung der Jugendlichen ein wichtiger Aspekt. „Wir möchten bereits früh Interesse für das Thema Evolution als zentraler Aspekt in Biologie und Medizin wecken. Durch die praktische Arbeit sollen die Jugendlichen selbst erfahren, dass Grundlagenwissen aus der Evolutionsbiologie auch auf medizinische Probleme anwendbar ist“, sagte Kremer.

Eine Besonderheit in diesem Jahr: Der gemeinsame „Kiel Science Outreach Campus“ (KiSOC) von IPN und CAU begleitete das Kursangebot des life:labors, um die Wirksamkeit der Wissensvermittlung wissenschaftlich zu überprüfen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts, das Martina Kapitza im Rahmen des KiSOC durchführt, sollen in die Entwicklung neuer Formen der Didaktik und der Wissenschaftskommunikation einfließen. Langfristig möchten die Organisatorinnen und Organisatoren so ihre speziell für Schülerinnen und Schüler konzipierten Formate wie das life:labor oder den Kieler Darwintag optimieren.

Über die Kieler Forschungswerkstatt:
Die Kieler Forschungswerkstatt, das Schülerlabor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), ist ein außerschulischer Lernort für so unterschiedliche Themengebiete wie Meereswissenschaften, Energie, Lebensraum Erde oder Nanotechnologie. Die Breiten- und Spitzenförderung sowie die Lehreraus- und -weiterbildung sind dabei zentrale Aufgaben. Im life:labor beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler mit aktuellen Themen aus der humanmedizinischen und biologischen Forschung. Zudem ermöglicht der Laborbesuch den Jugendlichen das Kennenlernen und Ausprobieren von Arbeitsmethoden dieser Disziplinen. Alle Angebote der Kieler Forschungswerkstatt unter:
www.forschungs-werkstatt.de

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Leif Tüffers vom KEC diskutierte mit den Jugendlichen über die Resistenzevolution bei Krankheitskeimen.
Foto: Martina Kapitza

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Bildunterschrift: Den Umgang mit Bakterien und Antibiotika konnten die Schülerinnen und Schüler in der Praxis erproben.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Die Jugendlichen präparierten Agarplatten mit einem Bakterium…
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: …und überprüften, wie sich die Gabe verschiedener Antibiotika auf sein Wachstum auswirkte.
Foto: Leif Tüffers

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Bildunterschrift: Martina Kapitza vom IPN begleitete den Kurs im life:labor und wertet ihn hinsichtlich der Qualität der Wissensvermittlung aus.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Kerstin Kremer
Didaktik der Biologie
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)
Tel.: 0431-880-7207
E-Mail: kremer@ipn.uni-kiel.de

Leif Tüffers
Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik,
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4146
E-Mail: ltueffers@zoologie.uni-kiel.de

Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC)
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431/880-4141
E-Mail: hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Kieler Forschungswerkstatt:
www.forschungs-werkstatt.de

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Angebote im life:labor der Kieler Forschungswerkstatt:
www.forschungs-werkstatt.de/labore/lifelabor

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Impressionen vom 2. Nachtkonzert im Zoologischen Museum Kiel

14.11.2017

Am vergangenen Freitag setzte die Karl-August-Möbius-Gesellschaft gemeinsam mit Kiel Life Science ihre Nachtkonzertreihe im Zoologischen Museum Kiel fort: Ein Streichquartett des Philharmonischen Orchesters Kiel spielte ausgewählte Werke des britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams. Dazu las Professor Thomas Bosch, Sprecher des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ (KLS) und des Sonderforschungsbereichs 1182 “Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen” an der CAU, aus Briefen von Charles Darwin. Auf diese Weise erlebte das Publikum eine anspruchsvolle Kombination der Werke Darwins und Vaughan Williams‘, der ein Cousin zweiten Grades des berühmten Evolutionsforschers war.

Zu den Impressionen vom 2. Nachtkonzert im Zoologischen Museum

Darwintag 2017: Evolutionsforschung und die Gesellschaft von Morgen

03.11.2017

Über 1200 Schülerinnen und Schüler folgten dem Ruf der Evolutionsforschenden an der Uni Kiel

Am heutigen Freitag, 3. November, lud das Zoologische Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gemeinsam mit dem Zoologischen Museum Kiel zum neunten Kieler Darwintag ein. Schülerinnen und Schüler von Gymnasien aus ganz Schleswig-Holstein kamen ins Audimax der CAU, um faszinierende Einblicke in die Welt der Evolution zu bekommen. Thema des diesjährigen Darwintags war, wie evolutionäre Prinzipien zur Lösung gesellschaftlicher Probleme in Medizin, Landwirtschaft und Artenschutz beitragen können. Professor Thomas Bosch, Direktor am Zoologischen Institut der CAU, begrüßte die Schülerinnen und Schüler und betonte, dass die Evolutionsforschung eine Schlüsseldisziplin für das Verständnis des Lebens und seiner Entwicklung sei. Die Landesuniversität in Kiel stelle zudem eine hervorragende Adresse dar, um evolutionsbiologische Spitzenforschung im Rahmen eines Biologiestudiums hautnah zu erleben, hob Bosch hervor.

Zu Beginn stimmte Professor Hinrich Schulenburg, Sprecher des Kiel Evolution Center (KEC), auf das Thema der Veranstaltung ein: Die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Krankheitskeimen, schwindende Fischbestände oder Ertragseinbußen im Ackerbau durch Pflanzenschädlinge gehen auf eine gemeinsame Ursache zurück. „Es ist der Mensch, der durch sein Handeln in die natürliche Selektion eingreift und den Ablauf der Evolution negativ beeinflusst“, stellte Schulenburg fest. Um den daraus entstehenden Problemen zu begegnen, kombinieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im KEC gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen in der Region evolutionsbiologische Grundlagenforschung mit der Anwendung evolutionärer Prinzipien. „So wollen wir Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen finden und Ergebnisse der Evolutionsforschung zum Wohle der Gesundheit, im Naturschutz oder für die Ernährungssicherheit einsetzen“, so Schulenburg weiter.

In insgesamt fünf Vorträgen verdeutlichten die Referentinnen und Referenten unter anderem von der Technischen Universität Dresden, vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön, wo evolutionäre Prinzipien lösungsorientiert angewendet werden. Als besonderer Gastredner war Klaus Reinhardt, Professor für Angewandte Zoologie aus Dresden, mit von der Partie. Er stellte vor, wie Ergebnisse aus der Evolutionsforschung bei der Bekämpfung erblicher Krankheiten helfen können. „Die Gentherapie bietet heute große Chancen, zum Beispiel indem sie durch die Kombination des Erbguts von zwei Müttern und einem Vater verhindern kann, dass Gendefekte an die Nachkommen weitergegeben werden. Gleichzeitig birgt sie in vielen Bereichen Risiken, die bislang schwer abzuschätzen sind“, betonte Klaus Reinhardt. Evolutionsexperimente im Labor durchzuführen, helfe aber dabei, Chancen und Risiken solcher Eingriffe in den Genpool und ihre evolutionären Folgen besser einschätzen zu können, so Reinhardt weiter.

Der Kieler Darwintag fand auch in diesem Jahr ein durchweg positives Echo bei den Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe, die überwiegend Biologie im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Abitur-Profils belegt haben. Die 18-jährige Anna-Lisa Tietz vom Küstengymnasium in Neustadt sagte, sie interessiere sich besonders für die Anwendung biologischer Forschungsergebnisse zum Beispiel in der Medizin und die damit verbundenen philosophischen und ethischen Fragen. Ihr Mitschüler, der ebenfalls 18-jährige Marvin Schmidtke, betonte, dass der heutige Besuch ihm gezeigt habe, wie Vorlesungen an der Universität ablaufen. Er plane, nach seinem Abitur ein naturwissenschaftliches Studium aufzunehmen. Das Interesse des jungen Publikums zeigte erneut, dass Formate wie der Darwintag an der CAU eine wichtige Rolle dabei spielen, Jugendliche bereits früh für die Wissenschaft zu begeistern.

Es stehen Fotos zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Professor Hinrich Schulenburg (links) vom Kiel Evolution Center (KEC) und Dr. Dirk Brandis vom Zoologischen Museum Kiel organisierten gemeinsam mit ihrem Team den neunten Kieler Darwintag.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Professor Thomas Bosch, Direktor am Zoologischen Institut der CAU, begrüßte die Schülerinnen und Schüler und warb für das Biologiestudium in Kiel.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Mit über 1200 Schülerinnen und Schülern aus ganz Schleswig-Holstein fand der Darwintag an der CAU auch 2017 großen Anklang.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Klaus Reinhardt, Professor für Angewandte Zoologie an der TU Dresden, zeigte, wie die Evolutionsforschung bei der Bekämpfung erblicher Krankheiten helfen könnte.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Mit großem Interesse dabei: Anna-Lisa Tietz und Marvin Schmidtke vom Küstengymnasium in Neustadt.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4141
E-Mail: hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

PD Dr. Dirk Brandis
Leitung Zoologisches Museum Kiel
Tel.: 0431/880-5170
E-Mail: brandis@zoolmuseum.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Programm „Darwintag 2017“:
www.kec.uni-kiel.de/downloads/Newsletter_Darwin2017.pdf

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Zoologisches Museum Kiel, CAU Kiel:
www.zoologisches-museum.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Kiel Life Science vergibt Preise für den wissenschaftlichen Nachwuchs

17.11.2017

Ehrung für die besten Postdoktoranden der Kieler Lebenswissenschaften des Jahres 2017

Am gestrigen Donnerstag, 16. November, verlieh der Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) seine Auszeichnungen für die besten Nachwuchsforschenden aus den Lebenswissenschaften 2017. Auf der KLS-Jahresversammlung wurden Dr. Marcus Schewe vom Physiologischen Institut und Dr. Camilo Barbosa aus der Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik der CAU mit den „Kiel Life Science-Postdoc Awards“ geehrt. Barbosa nahm den Preis für seine herausragenden Leistungen im Bereich der nicht-medizinischen Forschung entgegen. Schewe, dessen Preis sein Doktorvater Professor Thomas Baukrowitz vom Physiologischen Institut stellvertretend für ihn entgegennahm, wurde mit dem Preis für die beste medizinische Forschung ausgezeichnet. Die Preisträger erhalten eine Fördersumme von je 6.000 Euro, die sie überwiegend in ihre weiteren Forschungsvorhaben investieren werden.

Beide Wissenschaftler haben sich bereits früh in ihrer akademischen Laufbahn mit herausragenden Leistungen empfohlen: Evolutionsökologe Barbosa konnte in seiner Dissertation wichtige Mechanismen in der Resistenzevolution von Krankheitskeimen identifizieren. Er beschrieb zum Beispiel das Phänomen der „Kollateralen Sensitivität“, bei dem die Resistenzbildung eines Krankheitskeimes gegen ein bestimmtes Medikament den Erreger zugleich anfällig für einen anderen Wirkstoff machen kann. In Zukunft wird Barbosas Arbeit dazu beitragen, neue Behandlungsstrategien gegen antibiotikaresistente Krankheitserreger zu entwickeln und damit einer der gegenwärtig dramatischsten medizinischen Herausforderungen zu begegnen.

Dem studierten Pharmazeuten Schewe gelang es, einen Mechanismus zu beschreiben, mit dem sogenannte Kalium-Ionenkanäle, die zentral an Transportprozessen in menschlichen Zellen beteiligt sind, auf Veränderungen der elektrischen Spannung der Zellmembran reagieren. Damit trug er dazu bei, die besondere Bedeutung dieser zellulären Abläufe für zahlreiche Funktionen des menschlichen Körpers besser zu verstehen: So spielen Ionenkanäle zum Beispiel für physiologische Prozesse wie Temperaturwahrnehmung oder Hormon-Sekretion und bei diversen Krankheitsbildern, zum Beispiel Epilepsie oder Migräne, eine wichtige Rolle. Die beiden Nachwuchswissenschaftler lieferten damit bedeutende Beiträge, die das exzellente Profil der CAU in den Lebenswissenschaften weiter schärfen.

„Talentierte junge Forschende sind entscheidend für die Zukunft der Spitzenforschung in Kiel. Daher möchten wir bestmögliche Bedingungen für unseren wissenschaftlichen Nachwuchs schaffen. Mit den KLS-Postdoc Awards tragen wir dazu bei, die Entscheidung für eine Karriere in den Lebenswissenschaften an der CAU attraktiver zu machen“, sagte Professor Thomas Bosch, Sprecher des Forschungsschwerpunkts. Die Wissenschaftspreise wurden in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben und sind ein zentraler Teil der KLS-Nachwuchsförderung. Dazu zählen weiterhin zum Beispiel die vor kurzem erstmals vergebenen sogenannten „ZMB Young Scientist Grants“, mit denen das Zentrum Molekulare Biowissenschaften (ZMB) unter dem Dach des Forschungsschwerpunkts junge Forschende substantiell unterstützt. Die Nachwuchsförderung setzt sich insgesamt aus einem mehrgliedrigen und an den akademischen Karrierestufen orientierten Förderprogramm zusammen.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Dr. Camilo Barbosa (links) nahm seinen "KLS-PostDoc Award" vom Sprecher des Forschungsschwerpunkts, Professor Thomas Bosch, entgegen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Barbosa stellte den KLS-Mitgliedern vor, wie seine Forschung zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien gegen antibiotikaresistente Krankheitserreger beitragen könnte.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Professor Thomas Baukrowitz (rechts) vom Physiologischen Institut der CAU nahm den Preis für Dr. Marcus Schewe entgegen stellvertretend.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch,
Vorsitzender Karl-August-Möbius-Gesellschaft, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Dr. Kirsten Emmert
Nachwuchsförderung, Gender-Aspekte und Forschungskoordination
Geschäftsstelle „Kiel Life Science“
Tel.: 0431-880-4839
E-Mail: kemmert@uv.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de

Über die Nachwuchsförderung im Forschungsschwerpunkt KLS:
www.kls.uni-kiel.de/de/karriere-und-ausbildung

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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Genom der alten Kulturpflanze Quinoa entschlüsselt

Die tropische Pflanze Quinoa hat ihre Blühzeit an kurze Tage angepasst. Kieler Forschende wollen gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem von der King Abdullah University (Saudi Arabien) die Genvarianten suchen, die ein Erblühen bei langen Tagen ermöglichen. Copyright: Linda Polik

16.02.2017

Quinoa ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Sie stammt aus der Andenregion und wurde dort schon vor Jahrtausenden angebaut. In den vergangenen Jahrhunderten geriet sie aber in Vergessenheit. Erst seit kurzem ist Quinoa wieder in das Zentrum des wissenschaftlichen Interesses gerückt, denn die Samen bilden Inhaltsstoffe mit sehr hoher ernährungsphysiologischer Qualität. Außerdem können die Pflanzen auch unter unvorteilhaften Umweltbedingungen wie Trocken- und Salzstress wachsen. Unter der Leitung von Professor Mark Tester von der König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie in Djiddah (Saudi-Arabien) wurde das Quinoa-Genom entschlüsselt und die Forschungsergebnisse in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachmagazins „Nature“ veröffentlicht. An dem Projekt waren insgesamt 33 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Kontinenten beteiligt, darunter auch von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).  
 
„Quinoa war eine Hauptkulturart der alten Anden-Zivilisationen, aber nach der Eroberung durch die Spanier verlor sie stark an Bedeutung. Das bedeutet, dass Quinoa nie vollständig domestiziert wurde und ihr genetisches Potenzial trotz des ausgewogenen Verhältnisses an positiven Inhaltsstoffen bis heute nicht ausgeschöpft wurde”, sagt Professor Tester. 
 
Für die Sequenzierung wurde eine neuartige Methode verwendet, die es erlaubt, sehr große Fragmente zu sequenzieren. Damit konnte eine annährend vollständige Sequenz erstellt werden, die auf den Chromosomen verankert wurde. Die hohe Qualität dieser Sequenz erlaubte es, züchterisch bedeutende Gene zu identifizieren und zu charakterisieren. „Dies wird eine zielgerichtete Züchtung zur Verbesserung des genetischen Potenzials stark beschleunigen“, erklärt Professor Christian Jung, der gemeinsam mit Dr. Nadine Dally, beide vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Kieler Universität, an dem Forschungsprojekt beteiligt war.
 
Ein Problem bei der Nutzung der Kulturpflanze sei die Bildung eines Bitterstoffs (Saponin) in den Samen: „Wir haben die dafür verantwortlichen Gene identifiziert und können nun zielgerichtet Saponin-freie Pflanzen züchten“, ergänzt Tester. Außerdem stehe die Selektion kurzstrohiger Typen mit besserer Standfestigkeit auf dem Programm. Derartige Pflanzen sind dann in der Lage, mehr Samen zu produzieren, ohne umzuknicken. 
 
Für die Kieler Forscherinnen und Forscher ist besonders der Zeitpunkt der Blüte von Interesse. „Wir denken auch über den Anbau von Quinoa in Mitteleuropa nach“, sagt Dally. „Dafür ist es aber notwendig den Blühzeitpunkt zu verändern. Quinoa ist nämlich eine tropische Pflanze, die an kurze Tage angepasst ist. Bei uns muss sie aber im Langtag blühen. Wir haben bereits die dafür verantwortlichen Gene identifiziert und können nun damit beginnen, in einem weltweiten Quinoa-Sortiment nach vorteilhaften Genvarianten zu suchen.“
 
Das Forschungsprojekt wurde unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Originalpublikation:
D.E. Jarvis, Y. Shwen Ho, D.J. Lightfoot, S.M. Schmöckel, B. Li, T. Borm, H. Ohyanagi, K. Mineta, C.T. Michell, N. Saber, N.M. Kharbatia, R.R. Rupper, A.R. Sharp, N. Dally, B. A Boughton, Y.H. Woo, G. Gao, E. Schijlen, X. Guo, A.A. Momin, S. Negrão, S. Al-Babili, C. Gehring, U. Roessner, C. Jung, K. Murphy, S.T. Arold, T. Gojobori, C.G. van der Linden, E.N. van Loo, E.N. Jellen, P.J. Maughan, M. Tester. „The genome of Chenopodium quinoa“
DOI: 10.1038/nature21370

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Die tropische Pflanze Quinoa hat ihre Blühzeit an kurze Tage angepasst. Kieler Forschende wollen gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem von der King Abdullah University (Saudi Arabien) die Genvarianten suchen, die ein Erblühen bei langen Tagen ermöglichen.
Copyright: Linda Polik

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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der King Abdullah University (Saudi Arabien) erforschen gemeinsam mit internationalen Partnern u.a. von der Kieler Universität die Kulturpflanze Quinoa.
Copyright: Prof. Mark Tester und Dr. Ihsanullah Daur

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Jung
Institut für Pflanzenbau und -züchtung
Christian-Albrechts Universität zu Kiel
Tel: 0431-8807364
E-Mail: c.jung@plantbreeding.uni-kiel.de

Dr. Nadine Dally
Institut für Pflanzenbau und -züchtung
Christian-Albrechts Universität zu Kiel
Tel: 0431-8805036
E-Mail: n.dally@plantbreeding.uni-kiel.de 
 
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Redaktion: Claudia Eulitz
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ZMB Young Scientist Grant Ceremony 2017

08.11.2017

ZMB Young Scientist Grant  2017

Die diesjährige Preisverleihung fand am Freitag, 3. November, statt. Ausgezeichnet wurden folgende  Preisträgerinnen und Preisträger und ihre Forschungsthemen:

  • Silvio Waschina "Elucidating the impact of metabolic capabilities and ecology of the early gut microbiota on the risk of late onset sepsis in very-low-birth weight preterm infants",

 

  • Roderich Römhild  "The influence of priming in sequential antibiotic treatments",

 

  • Malte Rühlemann "MinION meets Metaorganisms - Evaluation, optimisation and establishment of nanopore-based amplicon sequencing for strain level characterization of diverse metaorganism-associated microbial communities",

 

  • Stephanie Stengel "Characterizing the crosstalk between ORMDL3 and newly identified ATF6 regulators in inflammatory bowel disease.",

 

  • Tanita Wein "The impact of genetic drift on plasmid evolution".

Zweites Nachtkonzert im Zoologischen Museum Kiel

06.11.2017

Klassik-Reihe der Karl-August-Möbius-Gesellschaft: Streichquartette von Vaughan Williams und Darwin-Lesung am 10. November

Am kommenden Freitag, 10. November, steht ein weiteres Konzert-Highlight auf dem Programm der Karl-August-Möbius-Gesellschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Ab 20 Uhr lädt der Förderverein des Zoologischen Museums Kiel gemeinsam mit dem Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) der Universität zum nächsten klassischen Konzert ein. Ein Streichquartett des Philharmonischen Orchesters Kiel spielt ausgewählte Werke des britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams. Dazu liest Professor Thomas Bosch, Sprecher des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ (KLS) an der CAU, aus Briefen von Charles Darwin. Auf diese Weise erlebt das Publikum eine anspruchsvolle Kombination der Werke Darwins und Vaughan Williams‘, der ein Cousin zweiten Grades des berühmten Evolutionsforschers war.

Die Nachtkonzerte im Zoologischen Museum nutzen die architektonischen Möglichkeiten der zentralen Walhalle mit ihren umlaufenden Galerien. So können die Zuhörerinnen und Zuhörer vor der reizvollen Kulisse der zoologischen Ausstellungen das Konzert auch aus ungewöhnlicher Perspektive verfolgen. „Nachdem das erste Nachtkonzert sehr großen Anklang gefunden hat, freuen wir uns, die neue Konzertreihe im Zoologischen Museum mit einer hochkarätigen Darbietung fortsetzen zu können“, sagt Dr. Dirk Brandis, Leiter des Zoologischen Museums. Nicht zuletzt ließe sich so auch die hervorragende Akustik des historischen Museumsgebäudes angemessen nutzen, so Brandis weiter.

Das Konzert am Freitag knüpft an die erste Veranstaltung mit der Cellistin Frauke Rottler-Viain vom Juni dieses Jahres an. „Wir glauben, mit der Reihe der Nachtkonzerte ein faszinierendes neues Klassik-Format gefunden zu haben, das die Kieler Kulturfreundinnen und -freunde bereits zu schätzen gelernt haben“, ist Thomas Bosch überzeugt. Daher soll die ungewöhnliche Konzertreihe 2018 mit interessanten und anspruchsvollen Künstlerinnen und Künstlern und besonderen Werken fortgesetzt werden. „Wenn die Nachtkonzerte auch dabei helfen, Aufmerksamkeit für die Anliegen des Museums zu wecken, haben wir unser Ziel mehr als erreicht“, betont Bosch, Mit-Initiator der Veranstaltungsreihe und Vorsitzender der Möbius-Gesellschaft. Die kommenden Konzerttermine für das nächste Jahr würden in Kürze bekannt gegeben, kündigt Bosch an.

Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich zur Berichterstattung über das Nachtkonzert im Zoologischen Museum Kiel eingeladen. Wir bitten um vorherige Anmeldung bei der Pressestelle der CAU unter Telefon 0431/880-2104 oder per E-Mail an E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de.

Das Wichtigste in Kürze:
Was: 2. Nachtkonzert im Zoologischen Museum
Wann: Freitag, 10. November, 20:00 Uhr, Einlass: 19:00 Uhr
Wo: Zoologisches Museum Kiel
Hegewischstr. 3, 24105 Kiel

Programm:
Ralph Vaughan Williams
Streichquartett No. 1 g-moll
Streichquartett No. 2 a-moll

Lesung aus Briefen von Charles Darwin:
Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas Bosch

Streichquartett No. 1 g-moll
• Allegro moderato
• Lesung
• Minuet and Trio: Tempo di Minuetto
• Romance: Andante sostenuto
• Lesung
• Finale: Rondo capriccioso — Allegro molto
• Lesung

Streichquartett No. 2 a-moll
• Prelude: Allegro appassionato
• Romance: Largo
• Scherzo: Allegro
• Epilogue: Andante sostenuto

Mitwirkende:
• Violinen: Nora Piske-Förster, Jan Förster
• Viola: Hendrik Vornhusen
• Violoncello: Stefan Grové

Veranstaltungsort:
Zoologisches Museum der CAU zu Kiel
Hegewischstr. 3, 24105 Kiel

Eintritt:
Kartenvorverkauf:
Sitzplatz: 18,00 Euro
Stehplatz: 12,00 Euro
Vorbestellungen: 0431/ 880 51 70
Sitzplatzkarten sind inzwischen ausverkauft, Restkarten für Stehplätze sind weiterhin im Zoologischen Museum und an der Abendkasse erhältlich (Stand 8.11.).

Über die Karl-August-Möbius Gesellschaft:
Die Karl-August-Möbius-Gesellschaft zur Förderung des Zoologischen Museums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. e.V. ist der Förderverein des Zoologischen Museums. Die Gesellschaft unterstützt das Zoologische Museum Kiel in seinen Arbeiten, sie fördert seine Einrichtungen, Bauten und Projekte sowie Ausstellungs-, Sammlungs- und Forschungsvorhaben. Sie zielt darauf ab, Interesse für die Sammlungen des Zoologischen Museums Kiel zu wecken und Verständnis für die Bedeutung der zoologischen Wissenschaft, insbesondere in den Bereichen Evolution und Meeresforschung, zu fördern.

Es stehen Materialien zum Download bereit:

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-341-1.jpg
Bildunterschrift: Eindruck vom ersten Nachtkonzert im Zoologischen Museum Kiel vom Juni dieses Jahres mit der Cellistin Frauke Rottler-Vian.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-341-2.jpg
Bildunterschrift: Veranstaltungsplakat des zweiten Nachtkonzerts im Zoologischen Museum am 10. November.
Abbildung: Karl-August-Möbius-Gesellschaft

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch,
Vorsitzender Karl-August-Möbius-Gesellschaft, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

PD Dr. Dirk Brandis
Zoologisches Museum Kiel, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-5170
E-Mail: brandis@zoolmuseum.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Möbius-Gesellschaft, Zoologisches Museum Kiel
www.zoologisches-museum.uni-kiel.de/index.php/moebius-gesellschaft

Zoologisches Museum Kiel, CAU Kiel
www.zoologisches-museum.uni-kiel.de/

Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science, CAU Kiel
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Neuer Ansatz in der Antibiotikatherapie treibt Krankheitskeime in die Sackgasse

01.06.2017

Kieler Forschungsteam nutzt evolutionäres Prinzip zur Entwicklung nachhaltiger Behandlungsformen in der Antibiotikatherapie

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt immer eindringlicher vor einer dramatischen Antibiotikakrise. Sie befürchtet, dass eine post-antibiotische Ära kurz bevorsteht: Bakterielle Infektionen, die sich früher gut bekämpfen ließen, wären dann nicht mehr behandelbar. Antibiotika-resistente Krankheitskeime könnten laut Vorhersage der WHO binnen weniger Jahre zu den häufigsten Verursachern nicht-natürlicher Todesfälle werden. Diese dramatische Gefahr für die öffentliche Gesundheit beruht auf der schnellen Evolution von Antibiotika-Resistenzen, die das Spektrum wirksamer antibakterieller Medikamente weiter schrumpfen lässt. Die lebenswissenschaftliche Forschung steht vor der Herausforderung, dieser Gefahr mit neuen Behandlungsansätzen möglichst schnell begegnen zu müssen. Neben der Entwicklung neuer antibiotischer Wirkstoffe besteht eine zentrale Strategie der Forschenden darin, die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika durch neue Therapieansätze zu verbessern.

Die Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nutzt Erkenntnisse aus der Evolutionsmedizin zur Entwicklung effizienterer Behandlungsansätze. Als Teil des neu gegründeten Kiel Evolution Center (KEC) der CAU untersuchen die Forschenden unter der Leitung von Professor Hinrich Schulenburg, wie sich verschiedene Formen der Antibiotika-Gabe auf die evolutionäre Anpassung der Erreger auswirken. In einer nun gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen im Fachmagazin Molecular Biology and Evolution veröffentlichten Studie konnten sie belegen, dass beim Krankheitskeim Pseudomonas aeruginosa die Evolution von Resistenz gegen bestimmte Antibiotika gleichzeitig zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber anderen Wirkstoffen führt. Dieses Konzept der sogenannten „kollateralen Sensitivität“ eröffnet neue Perspektiven in der Bekämpfung multiresistenter Krankheitserreger.

Camilo Barbosa, Doktorand in Schulenburgs Arbeitsgruppe, untersuchte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, welche Antibiotika nach Resistenzbildung zu wechselseitigen Sensitivitäten führen können. Dazu führten sie im Labor ein Evolutionsexperiment mit dem Erreger Pseudomonas aeruginosa durch. Dieses Bakterium ist häufig multiresistent und besonders für immungeschwächte Patientinnen und Patienten bedrohlich. Im Experiment wurde der Erreger in 12-stündigen Intervallen immer höheren Dosierungen von acht verschiedenen Antibiotika ausgesetzt. Als Konsequenz entwickelte das Bakterium jeweils eine Resistenz gegenüber den verschiedenen Wirkstoffen. Im nächsten Schritt testeten die Forschenden, wie sich die resistenten Erreger gegenüber anderen Wirkstoffen verhielten, mit denen sie bis dahin nicht in Kontakt gekommen waren. So konnten sie feststellen, welche Resistenzbildungen zugleich eine Empfindlichkeit gegen einen anderen Wirkstoff mit sich brachten.

Als besonders effektiv stellte sich die Kombination von Antibiotika heraus, die unterschiedliche Wirkmechanismen aufweisen – insbesondere aus den Klassen der Aminoglykoside und Penicilline. Die Untersuchung der genetischen Grundlagen dieser Resistenzbildungen zeigte, dass drei spezifische Gene des Bakteriums dafür sorgten, dass es zugleich resistent und anfällig wird. „Durch den kombinierten oder abwechselnden Einsatz von Antibiotika mit wechselseitigen Sensitivitäten lassen sich die Keime potentiell in eine evolutionäre Sackgasse treiben: Sobald sie gegen das eine resistent werden, sind sie empfindlich gegen das andere und umgekehrt“, fasst Schulenburg die Bedeutung der vorliegenden Arbeit zusammen. Diese neuen Ergebnisse aus dem Labor machten Hoffnung: Eine gezielte Kombination der noch wirksamen Antibiotika könnte zumindest für eine Atempause im Kampf gegen die sehr problematischen Resistenzbildungen sorgen, so Schulenburg weiter.

Originalarbeit:
Camilo Barbosa, Vincent Trebosc, Christian Kemmer, Philip Rosenstiel, Robert Beardmore, Hinrich Schulenburg and Gunther Jansen (2017): Alternative Evolutionary Paths to Bacterial Antibiotic Resistance Cause Distinct Collateral Effects. Molecular Biology and Evolution
doi.org/10.1093/molbev/msx158

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-171-1.jpg
Bildunterschrift: Der Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa während des Evolutionsexperiments im Labor.
Abbildung: Camilo Barbosa/Dr. Philipp Dirksen

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-171-2.jpg
Bildunterschrift: Doktorand Camilo Barbosa untersuchte den Effekt der „kollateralen Sensitivität“, der antibiotikaresistente Bakterien behandelbar machen kann.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-171-3.jpg
Bildunterschrift: Das Forschungsteam untersuchte insgesamt 180 Bakterienpopulationen des Erregers Pseudomonas aeruginosa.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-171-4.jpg
Bildunterschrift: Die Bakterien wurden resistent gegen bestimmte Antibiotika, zugleich aber empfindlich gegenüber anderen Wirkstoffen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4141
E-Mail: hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik, Zoologisches Institut, CAU Kiel:
www.uni-kiel.de/zoologie/evoecogen

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

ZMB Young Scientist Grant

06.07.2017

Das Zentrum Molekulare Biowissenschaften (ZMB) schreibt dieses Jahr Young Scientist Grants für Doktoranden (2 x 10.000€) und early Postdocs (2 x 20.000 €) aus. Interessenten können sich bis 28. August 2017 bewerben. Weitere Details entnehmen Sie bitte dem Anhang (pdf).

Die Ausschreibung kann gerne an interessierte Doktoranden oder Postdocs im Umfeld von Kiel Life Science weitergeleitet werden. Fragen beantwortet Ihnen Kirsten Emmert per E-Mail (kemmert@uv.uni-kiel.de) oder telefonisch (0431-880-4839).

Die Rolle des Mikrobioms in Gesundheit und Krankheit

31.08.2017

Kiel Life Science-Vortragsabend an der Uni Kiel

zu den Impressionen

Gleich zwei hochkarätige US-amerikanische Forschende folgen in diesem Spätsommer der Einladung des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ (KLS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Professor Martin Blaser und Professorin Gloria Dominguez-Bello, beide von der School of Medicine der Universität New York (NYU), besuchen am kommenden Dienstag, 5. September, ihre Kolleginnen und Kollegen in den Kieler Lebenswissenschaften. Blaser und Dominguez-Bello sind international anerkannte Fachleute für die Erforschung des Mikrobioms, also der bakteriellen Besiedlung des menschlichen Körpers. Neben dem Gedankenaustausch mit den Kieler Forschenden stehen auch zwei öffentliche Abendvorträge auf dem Programm: Am Dienstagabend richten sich zunächst Blaser und danach Dominguez-Bello mit ihren englischsprachigen Vorträgen über die Rolle des Mikrobioms für die menschliche Gesundheit an die interessierte Kieler Öffentlichkeit.

Martin Blaser, Direktor des „Human Microbiome Program“ an der NYU, stellt in seinem Auftaktvortrag „Human Gut Microbiota Perturbation and Disease” („Menschliche Darmbakterien: Störungen und Krankheiten“) dar, welche Rolle die bakterielle Besiedlung des menschlichen Darms für die Gesundheit aber auch die Krankheitsentstehung spielt. Er beschäftigt sich darin insbesondere mit der Frage, wie sich Störungen des Mikrobioms in der Kindheit auf chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter auswirken. Diese Störungen der Bakterienbesiedlung führt er zum Beispiel auf die potenziell schädliche, routinemäßige Antibiotikagabe im Kindesalter zurück. Im Mittelpunkt seines Forschungsinteresses stehen dabei typische Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit ebenso wie verstärkt auftretende entzündliche Umwelterkrankungen wie Asthma oder Psoriasis. Aufgrund seines Engagements für die Medizin der Zukunft wählte das bekannte US-amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ den Mediziner und Mikrobiologen Blaser zu den 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2015.

Maria Dominguez-Bello, Professorin für translationale Medizin an der NYU, widmet sich in ihrem Vortrag „Society and Human Microbiota Development” („Die Gesellschaft und die Entwicklung des menschlichem Mikrobioms“) dem Einfluss der westlichen Zivilisation auf die Zusammensetzung und Entwicklung des menschlichen Mikrobioms. Sie untersucht schwerpunktmäßig, welche Unterschiede zwischen ursprünglichen und vom westlichen Lebensstil geprägten Bakteriengemeinschaften im menschlichen Darm bestehen. So versucht sie, die Auswirkungen des Lebensstils auf die Funktionsweise des Mikrobioms und die damit verbundenen gesundheitlichen Konsequenzen dieser zivilisatorischen Veränderung zu verstehen. Dominguez-Bellos Ziel ist es, die in isoliert lebenden menschlichen Gesellschaften existierende Bakterienvielfalt zu bewahren, ehe sie durch den Kontakt mit dem westlichen Lebensstil verloren geht. Aus diesem ursprünglichen Mikrobiom, so hofft die Mikrobiologin, lassen sich künftig therapeutische Ansätze für verschiedene Zivilisationskrankheiten ableiten.

Der Besuch der beiden US-amerikanischen Forschenden reiht sich ein in die regelmäßig von KLS organisierten öffentlichen Vortragsabende. In jedem Semester lädt der lebenswissenschaftliche Forschungsschwerpunkt dazu renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die CAU ein, die der interessierten Kieler Öffentlichkeit Einblicke in die internationale Spitzenforschung in Biologie, Medizin und angrenzenden Disziplinen bieten.

Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich zu den KLS-Abendvorträgen eingeladen. Für Gespräche mit den englischsprachigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern steht ein Dolmetscher bereit. Um vorherige Anmeldung bei der Pressestelle der CAU wird gebeten unter Telefon 0431/880-2104 oder per E-Mail an presse@uv.uni-kiel.de

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Öffentliche KLS-Abendvorträge Prof. Martin Blaser, Prof. Maria Dominguez-Bello
Wann: 5. September 2017, 17:15 bis 20:00 Uhr
Wo: Zentrum Molekulare Mikrobiologie (ZMB), Am Botanischen Garten 11, CAU Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch,
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
KLS-Abendvorträge Prof. Martin Blaser, Prof. Maria Dominguez-Bello:
www.kls.uni-kiel.de/de/aktuelles/veranstaltungen/kls-ringvorlesung

Professor Martin J. Blaser, School of Medicine, New York University:
med.nyu.edu/medicine/labs/blaserlab/index.html

Professorin Maria-Gloria Dominguez-Bello, School of Medicine, New York University:
med.nyu.edu/medicine/clinicalpharm/maria-gloria-dominguez-bello-lab

Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017

CAU-Forscherinnen entdecken bislang unbekannten Vermeidungsmechanismus von Pflanzenwurzeln

Forschende warnen vor künftig immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen infolge des Klimawandels. Aktuelle Umweltkatastrophen wie zum Beispiel die in diesem Jahr zahlreichen und besonders starken tropischen Hurrikane scheinen diese Tendenz zu bestätigen. Oft sind solche Wetterextreme von Überflutungen begleitet, die auch landwirtschaftlich genutzte Flächen vermehrt betreffen. Für den Pflanzenbau werden sie zu einem immer schwerwiegenderen Problem, denn die Mehrzahl der intensiv angebauten Nutzpflanzen ist wenig nässetolerant. Zunehmende Ertragseinbußen zeichnen sich ab. Gleichzeitig nimmt der Ertragsdruck auf die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen angesichts der wachsenden Weltbevölkerung rapide zu.

CAU-Forscherinnen aus der Arbeitsgruppe Entwicklungsbiologie und Physiologie der Pflanzen am Botanischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) beschäftigen sich in diesem Zusammenhang mit den Auswirkungen der globalen Klimaveränderungen auf die Wachstumsbedingungen von Pflanzen. Am Beispiel der häufig im Labor genutzten Modellpflanze Arabidopsis thaliana, die auch als Acker-Schmalwand bekannt ist, untersuchte die Doktorandin Emese Eysholdt-Derzsó, wie Pflanzen auf vorübergehenden Nässestress reagieren. „In ihrer Arbeit beschreibt Eysholdt-Derzsó erstmals im Detail, welche Auswirkungen Staunässe und der damit verbundene Sauerstoffmangel auf das Wachstum der Acker-Schmalwand-Wurzeln hat und welche genetischen Mechanismen die Anpassung der Pflanze steuern“, betont die Leiterin der Forschungsgruppe, Professorin Margret Sauter. Die neuen Erkenntnisse veröffentlichte das Kieler Forschungsteam kürzlich in der Fachzeitschrift Plant Physiology.

Nässe und sauerstoffarme Bodenverhältnisse sind für die meisten Pflanzen existenzbedrohend, da sie die Wurzeln am Wachstum und damit an der Nährstoffaufnahme hindern. Für eine gewisse Zeit können sie sich allerdings mit verschiedenen Schutzmechanismen an Staunässe anpassen. Die CAU-Forscherinnen untersuchten nun, wie sich Nässe auf das Wachstum und die Gesamtstruktur der Acker-Schmalwand-Wurzeln auswirkt. Dazu setzten sie sieben Tage alte Arabidopsis-Keimlinge abwechselnd unterschiedlichen Sauerstoffregimes aus: Jeweils für einen Tag waren sie mit nassen und sauerstoffarmen und dann wieder mit normalen Wachstumsbedingungen konfrontiert. Die Versuche zeigten, wie die Wurzeln besonders nassen und sauerstoffarmen Bodenbereichen zu entgehen versuchen. Mittels eines genetisch festgelegten Regelmechanismus unterbricht die Pflanze das normale, nach unten gerichtete Wurzelwachstum. Stattdessen weichen die Wurzeln horizontal in Richtung trockenerer und damit sauerstoffreicherer Bodenbereiche aus. „Wir konnten zeigen, dass dieser Ablauf reversibel ist. Sobald ausreichend Sauerstoff zur Verfügung steht, wachsen die Wurzeln wieder wie üblich nach unten“, sagt die Erstautorin Eysholdt-Derzsó.

Den gesamten Prozess bezeichnen die Kieler Wissenschaftlerinnen als Root Bending. Es gelang ihnen, die dafür verantwortliche genetische Regulation zu entschlüsseln: Fünf der insgesamt 130 Mitglieder der sogenannten ERF-Transkriptionsfaktoren der Acker-Schmalwand sind dafür zuständig, auf den Nässestress der Wurzel zu reagieren. Sie aktivieren Gene, die für eine gezielte Verteilung des pflanzlichen Wachstumshormons Auxin in der Wurzel sorgen. Dieses Phytohormon wird dabei asymmetrisch im Wurzelgewebe umgelagert. Da das Auxin hemmend wirkt, wächst die Wurzel dort langsamer, wo es in hoher Konzentration auftritt, so dass eine Biegung der Wurzel ausgelöst wird. Die Verteilung von Auxin in der Wurzel und damit der Auslöser des Root Bending lässt sich mit einer Fluoreszenz-Methode sichtbar machen.

Die Acker-Schmalwand gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist zum Beispiel mit Raps oder diversen Kohlsorten verwandt. Die am Modellorganismus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich daher mit einiger Wahrscheinlichkeit auf verschiedene Nutzpflanzen übertragen. Künftige Forschungsarbeiten werden dabei helfen, den Mechanismus des Root Bending auch an anderen Pflanzen weiter zu erforschen und zu verstehen. Langfristiges Ziel der Forschenden ist es, eine eventuelle Übertragung auf Nutzpflanzen zu erreichen, um so in Zukunft ihre Staunässetoleranz zu erhöhen und damit landwirtschaftliche Ertragseinbußen zu verringern.

Die vorliegende Forschungsarbeit wurde im Rahmen einer Einzelprojekt-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

Originalarbeit:
Emese Eysholdt-Derzsó, Margret Sauter (2017): “Root bending is antagonistically affected by hypoxia and ERF-mediated transcription via auxin signaling”. Plant Physiology DOI:10.1104/pp.17.00555

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-318-1.jpg
Bildunterschrift: Der durch Nässe bedingte Sauerstoffmangel des Bodens verursacht die Biegung (rechts im Bild) der Arabidopsis-Wurzel.
Abbildung: Emese Eysholdt-Derzsó

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-318-2.jpg
Bildunterschrift: Die Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) eignet sich hervorragend als Modellorganismus für Laboruntersuchungen.
Foto: Emese Eysholdt-Derzsó

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-318-3.jpg
Bildunterschrift: Das Phytohormon Auxin (fluoreszierend am rechten Bildrand) hemmt das Wachstum einseitig und krümmt dadurch die Arabidopsis-Wurzel.
Abbildung: Emese Eysholdt-Derzsó

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-318-4.jpg
Bildunterschrift: Emese Eysholdt-Derzsó, Doktorandin in der Entwicklungsbiologie und Physiologie der Pflanzen an der CAU, erforschte das Root Bending.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-318-5.jpg
Bildunterschrift: Um das Root Bending zu untersuchen, verwendeten die Forscherinnen Acker-Schmalwand-Keimlinge, die unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet wurden. Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Margret Sauter
Botanisches Institut und Botanischer Garten, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4210
E-Mail: msauter@bot.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Entwicklungsbiologie und Physiologie der Pflanzen (AG Sauter),
Botanisches Institut und Botanischer Garten, CAU Kiel:
http://www.sauter.botanik.uni-kiel.de

Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel:
http://www.kls.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de
Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni, Instagram: ► www.instagram.com/kieluni
Text / Redaktion: ► Christian Urban

Nacht der Wissenschaft

29.09.2017

29. September 2017 in Eckernförde | Kiel | Plön | Preetz | Rendsburg

Am Freitag, den 29.09.2017 findet in den Städten Eckernförde, Plön, Preetz und Rendsburg sowie im CITTI-PARK in Kiel die zweite Nacht der Wissenschaft KielRegion statt. Experimente zum Mitmachen, Laborführungen, Workshops, Ausstellungen, künstlerische Aktionen und bunte Vorträge über aktuelle Forschung, kurzum: Wissenschaft zum Anfassen. Das alles gibt es bei der diesjährigen Nacht der Wissenschaft zu erleben – von 15 Uhr bis 24 Uhr steht der Spaß am Lernen und Forschen im Mittelpunkt. Die Kieler Lebenswissenschaften beteiligen sich mit attraktiven Beiträgen am vielfältigen Programm der Nacht der Wissenschaft

Die Nacht der Wissenschaft KielRegion soll dazu beitragen, dass die Menschen, die Wirtschaft und die Wissenschaft in der Region einander besser kennen und schätzen lernen. Deshalb gibt es in der Nacht der Wissenschaft Veranstaltungen für Kinder ab dem Kindergartenalter, für Schülerinnen und Schüler, Studierende und alle, die sich für Wissenschaft interessieren. Besucherinnen und Besucher können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ihrer Region treffen, Einblicke in deren Leben und Arbeiten bekommen und mehr über die Bedeutung der Forschung für unser direktes Lebensumfeld erfahren. Die Nacht der Wissenschaft KielRegion ist auch 2017 Teil der European Researchers‘ Night, welche in diesem Jahr zeitgleich in 340 Städten in 27 Ländern stattfindet. Die Schirmherrschaft für die Nacht der Wissenschaft KielRegion hat Ministerpräsident Daniel Günther übernommen.

Das Projekt wird gefördert durch die Europäische Union im Rahmenprogramm für Forschung und Innovation HORIZONT 2020 unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 722957. 

Bakterien und der Begriff des Menschseins

Rund 70 Gäste versammelten sich zum Neujahrsempfang 2017 des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ an der CAU. Foto: Christian Urban, Universität Kiel

08.02.2017

KLS-Neujahrsempfang 2017 im Zoologischen Museum Kiel

Am gestrigen Donnerstag, 2. Februar, versammelten sich rund 70 Gäste aus Universität und Kieler Gesellschaft zum Neujahrsempfang des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ (KLS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Der aus Deutschland stammende kanadische Anthropologe Professor Tobias Rees eröffnete die Festveranstaltung im Zoologischen Museum Kiel mit seinem Vortrag zur „Anthropologie der Gegenwart: Der Begriff des Menschen und das Mikrobiom“. Rees beschäftigte sich darin mit den Beziehungen zwischen der modernen lebenswissenschaftlichen Forschung und der Anthropologie.

Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse, die zum Beispiel auf einen Einfluss symbiotischer Mikroben auf das Verhalten des Menschen hindeuten, bieten hier hochinteressante Anknüpfungspunkte. Die enge Verschränkung menschlichen und bakteriellen Lebens erfordere, so Rees, eine Neudefinition des menschlichen Individuums. Eingebettet in eine Geschichte der Menschheit als Trennungsgeschichte von der Natur entwarf Rees ein faszinierendes Bild vom Zusammenspiel von Sozialwissenschaft, Kunst und Naturwissenschaft als neue Form der disziplinübergreifenden Forschung.

Der KLS-Neujahrsempfang bot zudem Gelegenheit, auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurückzublicken: Unter dem Dach des Forschungsschwerpunkts konnte sich die lebenswissenschaftliche Spitzenforschung in Kiel weiter konsolidieren. Exzellente Verbundforschungsprojekte wie der neue Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ oder das erneut bewilligte Graduiertenkolleg „Gene, Umwelt und Entzündung“ innerhalb des Exzellenzclusters Entzündungsforschung zeugen von einer sehr positiven Bilanz. Im bundesweiten Wettstreit der Wissenschaftsstandorte im Zuge einer neuen Exzellenzstrategie zeigen sich die Lebenswissenschaften an der Universität Kiel gut gerüstet.

Professor Thomas Bosch, Sprecher des Forschungsschwerpunkts KLS an der Landesuniversität, sagte: „Ziel unserer Forschung ist es, gesunde und kranke Prozesse verschiedenster Lebewesen in einem Gesamtzusammenhang zu verstehen und daraus in Zukunft neue Optionen für Prophylaxe und Therapie abzuleiten. Um damit Erfolg zu haben, müssen wir weit außerhalb der gewohnten Disziplingrenzen denken.“ Diesen Aspekt griff die Veranstaltung auf: Das ungewöhnlich erscheinende anthropologisch-philosophische Thema des Abends vermittelte den Anwesenden einen Eindruck von dieser Art einer besonders breit gefächerten und stark interdisziplinär ausgerichteten Forschungsarbeit, wie sie die Forschenden in Kiel gemeinsam mit ihren internationalen Partnerinnen und Partnern vertreten. Mit seiner „Anthropologie der Gegenwart“ lieferte Rees ein Beispiel, wie dieser neue Ansatz wissenschaftlicher Zusammenarbeit in Zukunft gelingen kann.

Zur Person:
Tobias Rees, geboren 1973 in Schwaben, ist Professor für Anthropologie an der McGill University in Montreal, Kanada. Er studierte unter anderem in Tübingen und Paris und erhielt 2006 seinen Doktortitel von der University of California, Berkeley. Rees ist unter anderem Mitglied des bedeutenden kanadischen Wissenschaftskollegs “Canadian Institute of Advanced Research” (CIFAR). Er erforscht die Berührungspunkte von Anthropologie, Kunstgeschichte, Wissenschaftsgeschichte und Philosophie und welche Rolle sie zum Beispiel in der Medizin oder den Biowissenschaften spielen. In seinem neuesten Buch „Plastic Reason – An Anthropology of Brain Science“ macht er den Versuch, das menschliche Gehirn aus der Perspektive der embryologischen Plastizität zu verstehen.

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-024-1.jpg
Rund 70 Gäste versammelten sich zum Neujahrsempfang 2017 des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ an der CAU.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-024-2.jpg
„Anthropologie der Gegenwart“: Prof. Tobias Rees entwarf ein faszinierendes Bild vom Zusammenspiel von Sozialwissenschaft, Kunst und Naturwissenschaft.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-024-3.jpg
Prof. Thomas Bosch hieß die Gäste zum Neujahrsempfang im Zoologischen Museum Kiel willkommen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-024-4.jpg
Die zentrale Walhalle des Zoologischen Museums lieferte einen eindrucksvollen Rahmen für den diesjährigen KLS-Empfang.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de

Zoologisches Museum Kiel, CAU Kiel
www.zoologisches-museum.uni-kiel.de

Prof. Tobias Rees, Social Studies of Medicine, McGill University
www.mcgill.ca/ssom/staff/rees

Lebenswissenschaften in Kiel und Tartu arbeiten zusammen

10.02.2017

CAU setzt vereinbarte Kooperation der Wissenschaftsstandorte in die Praxis um

Am gestrigen Donnerstag, 9. Februar, trafen sich Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit Kolleginnen und Kollegen der estnischen Universität Tartu zu einem gemeinsamen Arbeitstreffen im Zentrum Molekulare Biowissenschaften (ZMB) der Landesuniversität. Die Zusammenkunft unter dem Titel „Evolving Health: Novel Perspectives in Genetics & Bioinformatics“ behandelte neueste Trends der Gesundheitsforschung in den Bereichen der Genetik und Bioinformatik. Mit dem Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) an der CAU und dem „Estonian Genome Center“ in Tartu stehen beide Universitäten für Spitzenforschung auf diesem Gebiet.

Das gemeinsam von KLS und vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) an der CAU organisierte Treffen markiert den Beginn einer deutsch-estnischen Forschungskooperation, deren Ursprung der Besuch des damaligen estnischen Staatspräsidenten Toomas Hendrik Ilves in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt vor rund eineinhalb Jahren war. Dieser Staatsbesuch stand nicht nur symbolisch für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Republik Estland und dem Land Schleswig-Holstein. Auch konkrete Kooperationsvorhaben wie eine intensivere Zusammenarbeit in der lebenswissenschaftlichen Forschung wurden damals auf den Weg gebracht.

„Das Estonian Genome Center in Tartu mit seiner hochmodernen Forschungsinfrastruktur entwickelt sich mehr und mehr zu einem international führenden lebenswissenschaftlichen Zentrum. Wir freuen uns, die dorthin geknüpften Kontakte nun in eine konkrete Zusammenarbeit überführen zu können. Die estnischen Kolleginnen und Kollegen und wir hier in Kiel werden in Zukunft von diesem intensiven Austausch profitieren“, sagte Professor Thomas Bosch, Sprecher des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ und einer der geistigen Väter dieser Zusammenarbeit. Sein estnischer Kollege Professor Tõnu Esko, Vize-Direktor des „Estonian Genome Center“, bekräftigte: "Sehr gute Kontakte zu den Lebenswissenschaftlerinnen und Lebenswissenschaftlern an der Universität Kiel sind auch für das Estonian Genome Center wichtig. Aus unserer engen Zusammenarbeit mit Professor Frankes Kieler Arbeitsgruppe sind bahnbrechende Fortschritte in der Erforschung von Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Psoriasis, hervorgegangen. Unser Besuch in Kiel steht für den Anfang einer strategischen Zusammenarbeit, aktuell kooperieren wir zum Beispiel in der Durchführung einer großangelegten Mikrobiomstudie. Gemeinsam wollen wir so in Zukunft die Spitzenforschung auf diesem Gebiet vorantreiben.“

Der Workshop umfasste ein breites Programm mit Schwerpunktthemen wie personalisierte Medizin, genetische Bevölkerungsstudien oder die Untersuchung des menschlichen Mikrobioms als Schlüssel zu neuen Behandlungsansätzen bei schwerwiegenden Erkrankungen. Wichtiger Bestandteil des Austauschs zwischen deutschen und estnischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern waren zudem die jeweils zur Verfügung stehenden technischen Infrastrukturen, zum Beispiel Hochdurchsatztechnologien zur Genomsequenzierung. Eine gute Ausstattung in diesem Bereich ist zur Grundvoraussetzung für den Erfolg moderner lebenswissenschaftlicher Forschung geworden. Die Universität Tartu hat sich hier mit der Einrichtung des „Estonian Genome Center“ innerhalb weniger Jahre eine Vorreiterrolle erkämpft.

„Wir sind beeindruckt von den Forschungsleistungen der estnischen Kolleginnen und Kollegen. Sie sind in vielen Bereichen Weltklasse. Wir beobachten zudem mit besonderem Interesse, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung in Estland an biomedizinischen Studien teilnimmt und zum Beispiel Blut spendet. Solch eine hohe Spendenbereitschaft kennen wir nur von Patientinnen und Patienten, weniger von gesunden Personen der Normalbevölkerung“, sagte Professor Andre Franke vom IKMB.

Forschung und Wirtschaft fokussieren sich im Baltikum zunehmend auf die Lebenswissenschaften. Gute Kontakte dorthin spielen daher auch für die Spitzenforschung in Schleswig-Holstein eine wichtige Rolle. Dem trägt die CAU mit der jetzt anlaufenden lebenswissenschaftlichen Zusammenarbeit der Standorte Kiel und Tartu Rechnung und führt damit eine bald dreißigjährige Tradition in der Kooperation beider Universitäten fort.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

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Die deutschen und estnischen Forschenden: Ingolf Cascorbi, Andres Metspalu, Wolfgang Lieb, Lili Milani, Andre Franke, Philip Rosenstiel, Tõnu Esko, Elin Org, Hinrich Schulenburg, Krista Fischer, Mait Metspalu (v.l.nr.).
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Die Forschenden aus Kiel und Tartu tauschten sich über den Einfluss von Genetik und Bioinformatik auf die Gesundheitsforschung aus.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Dr. Mait Metspalu aus Tartu erläuterte, wie sich die historische Bevölkerungsentwicklung anhand genetischer Muster verfolgen lässt.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Staatsbesuch des damaligen Präsidenten Toomas Ilves (2.v.l.) im Mai 2015 an der CAU: Hier wurde der Grundstein für die deutsch-estnische Forschungskooperation gelegt. Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Andre Franke
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU Kiel
Telefon: 0431-500-15110
E-Mail: a.franke@mucosa.de

Prof. Thomas Bosch
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU Kiel
www.ikmb.uni-kiel.de

Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de

„Estonian Genome Center“, Universität Tartu
www.geenivaramu.ee

 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

Internationale entwicklungsbiologische Trends

Klaus Sander-Preisträgerin Professorin Ruth Lehmann (2.v.l) gemeinsam mit GfE-Präsident Professor Bosch (Mitte) und der Familie des Namensgebers. Foto: Christian Urban, Universität Kiel

16.03.2017

Gemeinsame Tagung der deutschen und japanischen Gesellschaften für Entwicklungsbiologie an der Uni Kiel

Seit dem heutigen Mittwoch, 15. März, findet die gemeinsame Tagung der deutschen Gesellschaft für Entwicklungsbiologie (GfE) und der Japanese Society of Developmental Biologists (JSDB) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) statt. Die rund 280 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren noch bis einschließlich Samstag über die aktuellen Entwicklungen in der lebenswissenschaftlichen Kerndisziplin der Entwicklungsbiologie. Ein Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltung ist die Teilnahme des Nobelpreisträgers Professor Eric Wieschaus: Der US-amerikanische Entwicklungsbiologe von der Princeton University wurde für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Embryogenese ausgezeichnet. Wieschaus wird sich in einer Feierstunde im Kieler Rathaus am Freitagabend, 17. März, in Anwesenheit des Stadtpräsidenten Hans-Werner Tovar in das Goldene Buch der Landeshauptstadt eintragen und anschließend seine neuesten Forschungsergebnisse präsentieren.

Die im zweijährigen Turnus ausgerichtete Tagung hat sich zu einem der wichtigsten Foren für entwicklungsbiologisch arbeitende Forschende aus den Bereichen der Genetik, Molekularbiologie, Medizin, Zoologie und Botanik entwickelt. Als deren Dachorganisation im deutschsprachigen Raum setzt sich die GfE zum Ziel, die entwicklungsbiologische Forschung und deren Darstellung zu fördern und zu koordinieren. „In diesem Jahr dreht sich alles um die Fortschritte in der Entwicklungsbiologie in Japan und Deutschland. Forschende beider Nationen haben für viele wichtige Impulse auf unserem Gebiet gesorgt, dafür zollen wir insbesondere den japanischen Kolleginnen und Kollegen großen Respekt. Gleichzeitig sind wir stolz, ihnen unsere Erfolge am Spitzenforschungsstandort Kiel präsentieren zu können“, betont Professor Thomas Bosch, GfE-Präsident und Sprecher des Forschungsschwerpunkts “Kiel Life Science” an der CAU.

In insgesamt sechs Themenbereichen beleuchtet die Veranstaltung verschiedene aktuelle Aspekte der Entwicklungsbiologie von der Stammzellenforschung über die Entwicklung des Nervensystems bis hin zur Rolle der Umwelt einschließlich der Mikroben bei entwicklungsbiologischen Prozessen. Im Rahmen ihrer Tagungen ehrt die GfE zudem besonders verdiente Mitglieder: Am Donnerstag wird der mit 10.000 Euro dotierte Klaus Sander-Preis an die US-amerikanische Zellbiologin Ruth Lehmann vergeben, mit dem die Gesellschaft das Lebenswerk der Professorin von der New York University würdigt. An den Nachwuchs in der entwicklungsbiologischen Forschung richtet sich der sogenannte “Young Investigator’s Lunch” am Freitagmittag. Bei diesem gemeinsamen Mittagessen können sich junge Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern der nationalen Forschungsförderung über Karrierewege und Finanzierungsmodelle austauschen. Weiterhin feiert die japanische Partnerorganisation JSDB beim Festakt im Kieler Rathaus am Freitagabend in Anwesenheit des japanischen Generalkonsuls Takao Anzawa gemeinsam mit ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen ihr 50-jähriges Bestehen.

Einen weiteren wichtigen inhaltlichen Akzent liefert der seit Anfang 2016 an der CAU bestehende Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“: Der dritte Tag der Konferenz widmet sich schwerpunktmäßig dem Einfluss ökologischer und evolutionärer Faktoren auf die Entwicklungsprozesse des Lebens. Diese Einflussgrößen sind von besonderer Bedeutung für die Arbeit des neuen SFBs: Um das Zusammenspiel von Lebewesen mit ihren mikrobiellen Symbionten besser zu verstehen, ist die Berücksichtigung von Evolution und Ökologie von entscheidender Wichtigkeit. Auf diesem Weg zielen die Forschenden des SFB 1182 darauf ab, die hochkomplexen Wechselwirkungen von Lebewesen, Mikroorganismen und Umwelt als Schlüssel zu Gesundheit oder Krankheit besser zu verstehen.

Über die GfE:
Die Gesellschaft für Entwicklungsbiologie e.V. (GfE) wurde 1975 gegründet und ist ein Zusammenschluss von entwicklungsbiologisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des deutschen Sprachraums. Neben der Durchführung wissenschaftlicher Tagungen unterstützt die GfE die Aktivitäten ihrer Mitglieder, zum Beispiel mit Workshops oder Symposien. Im zweijährigen Rhythmus findet zudem die GfE School statt, die die Förderung von Master-Studierenden, Promovierenden und jungen Postdocs zum Ziel hat. Aus Mitteln privater Stiftungen vergibt die GfE Wissenschaftspreise für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie. Die GfE ist Mitglied der International Society of Developmental Biologists (ISDB). Die Gesellschaft besteht zurzeit aus 380 Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.


Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

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Rund 280 Entwicklungsbiologinnen und –biologen sind zur
deutsch-japanischen Tagung an der CAU zusammengekommen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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GfE-Präsident Professor Thomas Bosch begrüßt die japanischen Kolleginnen und Kollegen und internationalen Teilnehmenden in Kiel.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Der Präsident der japanischen Entwicklungsbiologie-Gesellschaft JSDB, Professor Naoto Ueno, lobt die Vorteile des internationalen wissenschaftlichen Austauschs.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Zum Auftakt der Tagung spricht Professorin Janet Rossant von der Universität Toronto über die Entwicklung der Pluripotenz in menschlichen Embryonen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Klaus Sander-Preisträgerin Professorin Ruth Lehmann (2.v.l) gemeinsam mit GfE-Präsident Professor Bosch (Mitte) und der Familie des Namensgebers. Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch
Tagungsleiter GfE/JSDB-Konferenz 2017,
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Tagungs-Website:
www.gfe-meeting.de/

Gesellschaft für Entwicklungsbiologie e.V.:
www.vbio.de/der_vbio/fachgesellschaften/gfe_entwicklungsbiologie/index_ger.html

Japanese Society of Developmental Biologists (JSDB):
www.jsdb.jp/

Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU Kiel:
www.metaorganism-research.com

Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM): Ruth Schmitz-Streit wird erste Präsidentin

Auf ihrer Jahresversammlung in Würzburg wählten die VAAM-Mitglieder mit Professorin Schmitz-Streit (2.v.l.) zum ersten Mal eine Frau an ihre Spitze. Mit im Bild: VAAM-Vizepräsident Professor Zelder und Geschäftsführerin Muth (links). Foto: Dr. Anja Störik

17.03.2017

Kieler Professorin bei Jahrestagung der VAAM zur neuen Vorsitzenden gewählt

Die VAAM hat vergangene Woche auf ihrer Jahrestagung in Würzburg Ruth Schmitz-Streit, Professorin für molekulare Mikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), mit großer Mehrheit zu ihrer neuen Präsidentin gewählt. Schmitz-Streit, Direktorin des Instituts für Allgemeine Mikrobiologie an der CAU, ist die erste Frau, die auf diese renommierte Position berufen wird.

Die VAAM als Vereinigung der deutschsprachigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit mikrobiologischer Forschungsausrichtung ist eine der größten und bedeutendsten Fachgesellschaften im Bereich der Lebenswissenschaften. „Ich freue mich sehr, dass das Präsidentenamt der VAAM erstmals mit einer Frau besetzt ist”, bekräftigt Professor Oskar Zelder, Vizepräsident der VAAM, „mit ihren vielseitigen Forschungsinteressen wird Ruth Schmitz-Streit unsere Vereinigung erfolgreich repräsentieren." Professorin Karin Schwarz, CAU-Vizepräsidentin für Forschung, bewertet die prestigeträchtige Position: „Ruth Schmitz-Streits Ernennung zur Präsidentin der VAAM ist nicht nur eine große persönliche Auszeichnung, sondern auch eine weitere Bestätigung der erfolgreichen Arbeit am Wissenschaftsstandort Kiel.“

Mit ihrer Entscheidung votierten die VAAM-Mitglieder für eine besonders erfahrene und vielseitige Wissenschaftlerin an ihrer Spitze: Schmitz-Streits Forschungsarbeiten spannen einen Bogen von der Regulation des Stickstoffmetabolismus bei Bakterien und Archaeen über den Stickstoffkreislauf und die Identifizierung von neuen Wirkstoffen des Ozeans bis hin zu Untersuchungen von Wirt-Mikroorganismus-Interaktionen. Sie ist in zahlreichen Gremien und Forschungsverbünden an der Universität Kiel aktiv. Weiterhin steht sie dem Schwerpunktprogramm (SPP) 2002 „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ als Sprecherin vor. Das SPP 2002 wird seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

Über die VAAM:
In der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie e.V. sind etwa 3.500 mikrobiologisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen. Die 1985 in Würzburg gegründete Vereinigung fördert den wissenschaftlichen Informationsaustausch und die Zusammenarbeit ihrer Mitglieder, mit dem Ziel, Forschungsergebnisse der Mikrobiologie zum Wohl der Gesellschaft und der Umwelt umzusetzen.

Zur Person:
Ruth Schmitz-Streit (Jahrgang 1965) studierte Biologie an der Universität Marburg und promovierte 1992 über Molybdän- und Wolframat-haltige Enzyme in methanogenen Archaeen bei Rolf Thauer. Es folgte eine zweijährige Postdoc-Zeit, in der sie an der University of California, Berkeley, im Labor von Sydney Kustu über die Regulation der Stickstofffixierung in Klebsiella pneumoniae arbeitete. 1996 kehrte sie nach Deutschland zurück an das Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Göttingen und habilitierte sich 2001 bei Gerhard Gottschalk für das Fach Mikrobiologie. Von 2001 bis 2004 arbeitete Ruth Schmitz-Streit als unabhängige Gruppenleiterin und Heisenbergstipendiatin an der Universität Göttingen. Seit Oktober 2004 ist sie C4-Professorin für molekulare Mikrobiologie an der Universität Kiel.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-076-1.jpg
Bildunterschrift: Ruth Schmitz-Streit, CAU-Professorin für molekulare Mikrobiologie, ist neue VAAM-Präsidentin.
Foto: Jürgen Haacks, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Auf ihrer Jahresversammlung in Würzburg wählten die VAAM-Mitglieder mit Professorin Schmitz-Streit (2.v.l.) zum ersten Mal eine Frau an ihre Spitze. Mit im Bild: VAAM-Vizepräsident Professor Zelder und Geschäftsführerin Muth (links).
Foto: Dr. Anja Störiko, VAAM

Kontakt:
Prof. Ruth Schmitz-Streit
Molekularbiologie der Mikroorganismen,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-4334
E-Mail: rschmitz@ifam.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie e.V. (VAAM):
www.vaam.de
www.facebook.com/vaam.de

Molekularbiologie der Mikroorganismen (AG Schmitz-Streit),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
www.mikrobio.uni-kiel.de/de/ag-schmitz-streit

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

Kieler Wissenschaftspreis 2017 geht an Ruth Schmitz-Streit

Professorin Ruth Schmitz-Streit, Trägerin des Wissenschaftspreises 2017 der Stadt Kiel, im Labor. Foto: Stefan Kolbe

24.03.2017

Landeshauptstadt ehrt CAU-Mikrobiologin für herausragende Leistungen

Vergangene Woche befanden die Ratsmitglieder der Landeshauptstadt über die Vergabe des Wissenschaftspreises 2017 der Stadt Kiel. Sie entschieden sich einstimmig für Ruth Schmitz-Streit, Professorin für molekulare Mikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Mit dem Wissenschaftspreis ehrt die Landeshauptstadt hervorragende wissenschaftliche Leistungen; der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung erfolgt am 25. Juni in einer Feierstunde im Rathaus. Stadtpräsident Hans-Werner Tovar informierte die Preisträgerin bereits jetzt über die Entscheidung der Ratsversammlung und gratulierte ihr im Namen der Landeshauptstadt Kiel.

Ruth Schmitz-Streit forscht und lehrt seit 2004 am Institut für Allgemeine
Mikrobiologie der CAU, dem sie als Direktorin vorsteht. Ihre Forschungsarbeiten spannen einen Bogen von der Regulation des Stickstoffmetabolismus bei Bakterien und Archaeen über den Stickstoffkreislauf und die Identifizierung von neuen Wirkstoffen des Ozeans bis hin zu Untersuchungen von Wirt-Mikroorganismus-Interaktionen. Sie ist in zahlreichen Gremien und Forschungsverbünden an der Universität Kiel aktiv. Weiterhin steht sie dem Schwerpunktprogramm (SPP) 2002 „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ als Sprecherin vor. Das SPP 2002 wird seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Seit wenigen Tagen bekleidet sie zudem als erste Frau die Position der Präsidentin der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Sie ist eine der größten und bedeutendsten deutschsprachigen Fachgesellschaften im Bereich der Lebenswissenschaften.

Ruth Schmitz-Streit tritt als Trägerin des Kieler Wissenschaftspreises die Nachfolge von Professor Rainer Herges an. Der Direktor des Otto Diels-Instituts für Organische Chemie an der CAU wurde 2015 ausgezeichnet. Die Landeshauptstadt verleiht ihren Wissenschaftspreis gemeinsam mit dem neu geschaffenen Innovationspreis im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis. Die Kandidatinnen und Kandidaten für diese Ehrungen werden jeweils vom Kultur- und Wissenschaftssenat vorgeschlagen.

Zur Person:
Ruth Schmitz-Streit (Jahrgang 1965) studierte Biologie an der Universität Marburg und promovierte 1992 über Molybdän- und Wolframat-haltige Enzyme in methanogenen Archaeen bei Rolf Thauer. Es folgte eine zweijährige Postdoc-Zeit, in der sie an der University of California, Berkeley, im Labor von Sydney Kustu über die Regulation der Stickstofffixierung in Klebsiella pneumoniae arbeitete. 1996 kehrte sie nach Deutschland zurück an das Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Göttingen und habilitierte sich 2001 bei Gerhard Gottschalk für das Fach Mikrobiologie. Von 2001 bis 2004 arbeitete Ruth Schmitz-Streit als unabhängige Gruppenleiterin und Heisenbergstipendiatin an der Universität Göttingen. Seit Oktober 2004 ist sie C4-Professorin für molekulare Mikrobiologie an der Universität Kiel.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-082-1.jpg
Bildunterschrift: Professorin Ruth Schmitz-Streit, Trägerin des Wissenschaftspreises 2017 der Stadt Kiel, im Labor.
Foto: Stefan Kolbe

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-082-2.jpg
Bildunterschrift: Die Arbeitsgruppe Schmitz-Streit, Molekularbiologie der Mikroorganismen, am Institut für Allgemeine Mikrobiologie.
Foto: AG Schmitz-Streit

Kontakt:
Prof. Ruth Schmitz-Streit
Molekularbiologie der Mikroorganismen,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-4334
E-Mail: rschmitz@ifam.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Molekularbiologie der Mikroorganismen (AG Schmitz-Streit),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Wirte und Bakterien unter extremen Umweltbedingungen

Professor Heribert Hirt von der König-Abdullah-Universität spricht über Mikroorganismen, die Agrarpflanzen das Überleben in der Wüste ermöglichen. Foto: Christian Urban, Universität Kiel

29.03.2017

Gemeinsames Arbeitstreffen des Kieler SFB 1182 mit der saudi-arabischen Eliteuniversität KAUST 

Seit dem gestrigen Dienstag, 28. März, läuft der bilaterale Workshop „Metaorganisms in Extreme Environments“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Auf Einladung des Sonderforschungsbereichs  (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der CAU ist derzeit eine Abordnung der saudi-arabischen König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie (KAUST) zu Gast an der schleswig-holsteinischen Landesuniversität. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des SFB 1182 erörtern sie die Bedeutung des Zusammenspiels von Lebewesen mit ihrer bakteriellen Besiedlung für das Leben unter extremen Umweltbedingungen. Ziel der Forschenden ist es, sich über neueste Ergebnisse auf dem noch jungen Gebiet der Metaorganismus-Forschung auszutauschen und die Zusammenarbeit der Wissenschaftsstandorte zu intensivieren.

 

Vom Pflanzenbau in besonders trockener Umgebung über die Rolle mikrobieller Symbionten im Ökosystem Korallenriff bis hin zu sauerstoffarmen Lebensräumen im Meer: Die thematische Bandbreite des Arbeitstreffens unterstreicht die universelle Bedeutung des Metaorganismus-Konzepts in den Lebenswissenschaften. Neben seiner zentralen Anwendung in der Gesundheitsforschung berührt es die Gesamtheit der Lebensprozesse und ist damit ein fundamentaler Aspekt in den modernen Lebenswissenschaften. „Mikrobielles Leben dominierte unseren Planeten lange bevor sich erste höhere Lebewesen entwickeln konnten. Es bildet auch heute noch den Kontext, in dem sich das Leben insgesamt abspielt. Unsere zentrale Herausforderung ist es daher, die herausragende Rolle des symbiotischen Zusammenspiels von Organismus und Bakterien in seiner gesamten Breite und in den verschiedensten Ausprägungen zu untersuchen“, betont Professor Thomas Bosch, Sprecher des SFB 1182. 

In diesem Zusammenhang widmen sich die Forschenden von der saudi-arabischen Universität dem Metaorganismus-Prinzip in besonderer Weise: Unter dem Einfluss der vorherrschenden extremen Lebensbedingungen in ihrer Heimat beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der KAUST unter anderem mit der Frage, wie bakterielle Symbionten Agrarpflanzen bei der Anpassung an besonders trockene Wüstenstandorte unterstützen können. Als noch junge Eliteuniversität stellt sich die vom saudischen Königshaus geförderte Universität schwerpunktmäßig gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Nahrungs- und Wasserversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung oder der Verbesserung bestehender oder der Entwicklung neuer Formen der Energiegewinnung. Ausdrückliches Ziel des wissenschaftlichen Arbeitstreffens im Zentrum Molekulare Biowissenschaften (ZMB) der Uni Kiel ist auch die Vorbereitung einer künftig dauerhaften Forschungskooperation zwischen den beiden Wissenschaftsstandorten, um gemeinsam Fortschritte auf dem Gebiet der Metaorganismus-Forschung zu erzielen. 


Bildmaterial steht zum Download bereit:

1. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-090-1.jpg 
Professor Heribert Hirt von der King-Abdullah-Universität spricht über Mikroorganismen, die Agrarpflanzen das Überleben in der Wüste ermöglichen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

2. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-090-2.jpg 
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des bilateralen Workshops „Metaorganisms in Extreme Environments“ an der Uni Kiel.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch, 
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU Kiel:
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IMPRS Evolutionary Biology: 10 PhD positions and fellowships

03.04.2017

The International Max Planck Research School for Evolutionary Biology is offering up to 10 PhD positions and fellowships.

The graduate school is dedicated to highest level of research and training in all areas of contemporary Evolutionary Biology. It is a joint initiative of the Max Planck Institute for Evolutionary Biology, Kiel University and the GEOMAR Helmholtz Center for Ocean Research Kiel. The school offers an internationally competitive research environment with state of art facilities. The participating groups are working on a broad variety of scientific topics including molecular, behavioral, theoretical and organismal approaches.

The graduate program starts with a rotation period of three months followed by a PhD project of three years including seminars, courses and workshops. The language of the graduate school is English. Financial support is provided throughout the program.


To obtain further information about our PhD program and application details (only online application possible), please visit our website at http://www.evolbio.mpg.de/imprs.
Well-motivated and highly-qualified students from all countries are welcome to apply. A Master of Science degree or a Diploma as well as a strong interest in Evolutionary Biology and flexibility in the research project are prerequisites for entering the program. We are looking forward to your online application for a PhD project in the beautiful landscape of Northern Germany.

The deadline for applications is April 23, 2017.
The selection week will be held from June 26– 30 and
the program itself starts on September 18, 2017.

Contact:
Dr. Kerstin Mehnert,
August-Thienemann-Str. 2, 24306 Plön, Germany
email: imprs@evolbio.mpg.de phone: +49(0)4522 763 233

Learn more: http://www.evolbio.mpg.de/imprs

 

Podiumsdiskussion „Exzellenz4“

12.04.2017

Kieler Kurs der Spitzenforschung wird auf der Hannover Messe vorgestellt

Vier Mal Spitzenforschung aus Kiel: Die Vertreter der Forschungsschwerpunkte Lebenswissenschaften, Nanowissenschaften und Oberflächenforschung, Meereswissenschaften und Kultureller Wandel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) kommen am Dienstag, 25. April, um 15.30 Uhr auf der Hannover Messe zusammen. Gemeinsam skizzieren sie dort auf dem CAU-Stand in der Halle 2, Research & Technology, den Kieler Weg der Spitzenforschung. „Seit ihrer Gründung im Jahr 1665 hat sich die CAU Stück für Stück in eine Universität der verbundenen Wissenschaftskulturen entwickelt. Über bewährte Partnerschaften mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind über die Jahre unsere vier Forschungsschwerpunkte entstanden. Sie vereinen heute die wissenschaftliche Exzellenz der Fakultäten in sich. Jetzt beginnt eine neue Phase, in der sie neue dynamische Schnittstellen zwischen den Natur-, Sozial-, Technischen und Geisteswissenschaften schaffen und leben“, beschreibt CAU-Präsident Professor Lutz Kipp die Strategie, mit der aus sich die Kieler Universität für die neue Phase der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder positioniert.

Auf der Hannover Messe diskutiert Kipp mit den Sprechern der Kieler Forschungsschwerpunkte Professor Rainer Adelung (Nanowissenschaften und Oberflächenforschung), Professor Thomas Bosch (Lebenswissenschaften), Professor Lutz Käppel (Kultureller Wandel) und Professor Martin Visbeck (Meereswissenschaften) über Aspekte, die für den Wissenschaftsstandort Kiel und Norddeutschland in Zukunft immer bedeutsamer werden. Dabei geht es unter anderem um die vertiefte interdisziplinäre Zusammenarbeit über bestehende Schwerpunkte hinweg, Big Data und Digitalisierung oder die gesellschaftliche Relevanz von Forschungsergebnissen. Der Besuch der Veranstaltung ist für Besucherinnen und Besucher der Hannover Messe kostenfrei.

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Podiumsdiskussion „Exzellenz4“ auf der Hannover Messe 2017
Wann: Dienstag, 25.04.2017, 15:30 Uhr
Wo: Hannover Messe, Halle 2, Research & Technology, Messestand C07,
30521 Hannover

Informationen zum Programm unter:
www.uni-kiel.de/hannovermesse

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-110-1.jpg
Bildunterschrift: CAU-Präsident Professor Lutz Kipp spricht auf der Hannover Messe mit den Sprechern der Kieler Forschungsschwerpunkte über den Wissenschaftsstandort Kiel.
Foto/Copyright: Axel Schön, CAU

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-110-2.jpg
Bildunterschrift: Professor Rainer Adelung ist Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Nanowissenschaften und Oberflächenforschung.
Foto/Copyright: pur.pur, CAU

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Bildunterschrift: Professor Thomas Bosch ist Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Lebenswissenschaften.
Foto/Copyright: Tebke Böschen, CAU

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Bildunterschrift: Professor Lutz Käppel ist Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Gesellschaft, Umwelt, Kultur im Wandel.
Foto: privat

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Bildunterschrift: Professor Martin Visbeck ist Sprecher des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“. Copyright: GEOMAR


 

Kiel Life Science auf der Hannover Messe 2017

12.04.2017

Auf der Hannover Messe präsentieren die Kieler Lebenswissenschaften in Dialogveranstaltungen und mit verschiedenen Exponaten exemplarische Einblicke aus der lebenswissenschaftlichen Spitzenforschung an der schleswig-holsteinischen Landesuniversität. Leitthemen sind: Die Translation von Forschungsergebnissen vom Labor bis hin zum Krankenbett, die Erforschung des menschlichen Mikrobioms in Gesundheit und Krankheit sowie der Einfluss evolutionärer Prozesse auf die Entstehung und Behandlung von Krankheiten. Im Mittelpunkt steht zudem die individualisierte Medizin, deren Ziel eine an individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientierte Krankenversorgung ist.

Weitere Informationen: KLS auf der Hannover Messe

Gesamtprogramm der CAU

CAU auf der Website der Hannover Messe

 

 

Kieler Lebenswissenschaften auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017

Kiel Life Science präsentiert lebenswissenschaftliche Spitzenforschung auf der weltgrößten Industriemesse

Wenn am kommenden Montag, 24. April, die Hannover Messe in der niedersächsischen Landeshauptstadt beginnt, betritt die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit ihrem dortigen Messeauftritt Neuland: Erstmals präsentieren sich die vier CAU-Forschungsschwerpunkte Lebenswissenschaften, Nanowissenschaften und Oberflächenforschung, Meereswissenschaften und Kultureller Wandel dem Publikum der größten Industriemesse der Welt. Der lebenswissenschaftliche Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) trägt mit einem attraktiven Programm aus Exponaten und Vorträgen dazu bei, Kieler Spitzenforschung und ihre Schnittstellen zu Gesellschaft und Anwendung darzustellen.

KLS-Sprecher Professor Thomas Bosch betont: „Ziel unserer Forschung ist es, die Entstehung gesunder und kranker Prozesse verschiedenster Lebewesen im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt zu verstehen. Daraus hoffen wir, in Zukunft neue Optionen für Prophylaxe und Therapie abzuleiten. In Hannover möchten wir präsentieren, wie unsere stark interdisziplinär ausgerichtete Forschungsarbeit künftig zur Lösung grundlegender Probleme in Gesundheit, Umwelt und Ernährung beitragen wird.“

Als Vertreterinnen und Vertreter der Kieler Lebenswissenschaften diskutieren zum Auftakt des CAU-Messeauftritts in der Halle 2, „Research & Technology“, Forschende des „Kiel Evolution Center“ (KEC): Unter dem Titel „Translationale Evolutionsforschung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme“ zeigen Dr. Olivia Roth (GEOMAR) und Professor Hinrich Schulenburg (CAU) am Montag um 10 und nochmals um 12 Uhr auf, wie die Erforschung und Anwendung evolutionärer Prinzipien dabei helfen können, die Ausbreitung Antibiotika-resistenter Keime oder die Übernutzung schwindender Fischbestände zu bekämpfen.

Insgesamt präsentiert „Kiel Life Science“ in Dialogveranstaltungen und mit verschiedenen Exponaten exemplarische Einblicke aus verschiedenen Bereichen der lebenswissenschaftlichen Spitzenforschung an der schleswig-holsteinischen Landesuniversität. Dazu zählt unter anderem das Exponat „Perspektive Mikrobiom“, das die Bedeutung der Erforschung der mikrobiellen Besiedlung des menschlichen Körpers hervorhebt: Ziel des von Studierenden der Muthesius Kunsthochschule gemeinsam mit dem Exzellenzcluster Entzündungsforschung entwickelten Bakterien-Selbsttests ist es, die Diagnostik von Mikroorganismen im menschlichen Körper künftig für eine individuelle Krankenversorgung zu nutzen. Vorgestellt wird außerdem der Prototyp der mobilen Medizin-Anwendung „eHealth-App: Tagesaktuellen Gesundheitsstatus per Smartphone erfassen“. Diese Smartphone-Anwendung soll künftig medizinische Daten im alltäglichen Leben von Patientinnen und Patienten erheben und zielt damit auf die Entwicklung präziserer Behandlungsansätze bei verschiedenen schwerwiegenden Erkrankungen ab.

Folgende repräsentative Leitthemen stellt der Forschungsschwerpunkt auf der Hannover Messe beispielsweise vor: die Übertragung der Forschungsergebnisse vom Labor bis hin zum Krankenbett, die Erforschung des menschlichen Mikrobioms in Gesundheit und Krankheit oder der Einfluss evolutionärer Prozesse auf Umwelt und Gesundheit. Im Mittelpunkt steht dabei die individualisierte Medizin, deren Ziel eine an individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientierte Krankenversorgung ist. Insgesamt hoffen die Kieler Lebenswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, vielfältige Einblicke in ihre exzellente Forschungsarbeit gewähren und so die Bedeutung der Spitzenforschung für Gesellschaft und Innovation hervorheben zu können.

Das vollständige Programm der Kieler Präsentation bei der Hannover Messe vom 24. bis 28. April 2017 finden Sie hier:
www.uni-kiel.de/hannovermesse

www.hannovermesse.de/aussteller/christian-albrechts-universitaet-zu-kiel

Den Stand der Universität Kiel finden Sie in Halle 2, C07
www.uni-kiel.de/hannovermesse/de/hallenplan

Über „Kiel Life Science“:
Das interdisziplinäre Zentrum für angewandte Lebenswissenschaften – „Kiel Life Science“ (KLS) – vernetzt an der CAU Forschungen aus den Agrar- und Ernährungswissenschaften, den Naturwissenschaften und der Medizin. Es bildet einen von vier Forschungsschwerpunkten an der Universität Kiel und will die zellulären und molekularen Prozesse besser verstehen, mit denen Lebewesen auf Umwelteinflüsse reagieren. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Fragen, wie sich landwirtschaftliche Nutzpflanzen an spezielle Wachstumsbedingungen anpassen oder wie im Zusammenspiel von Genen, dem individuellen Lebensstil und Umweltfaktoren Krankheiten entstehen können. Gesundheit wird dabei immer ganzheitlich im Kontext der Evolution betrachtet. Unter dem Dach des Forschungsschwerpunkts sind derzeit rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 40 Instituten und sechs Fakultäten der CAU als Vollmitglieder versammelt.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Der Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ stellt seine Leitthemen in Hannover auch in Form einer interaktiven digitalen Präsentation vor.
Grafik: KLS, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Eines der Messe-Exponate: Mit dem Selbsttest „Perspektive Mikrobiom“ lassen sich Mikroorganismen im menschlichen Körper bestimmen.
Copyright: Yannick Kaiser/studioungleich.de

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de

„Kiel Evolution Center“, CAU Kiel
www.kec.uni-kiel.de

Exzellenzcluster Entzündungsforschung:
inflammation-at-interfaces.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

Kieler Evolutionsforschung auf der Hannover Messe 2017

26.04.2017

Kieler Forschende präsentieren ihr Konzept der „Translationalen Evolutionsforschung“

Am heutigen Montag, 24. April, startete in der niedersächsischen Landeshauptstadt die Hannover Messe 2017. Erstmals ist dort auch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit einem eigenen Stand in der Halle 2, „Research & Technology“, vertreten: Noch bis zum 28. April präsentiert sie ihre vier Forschungsschwerpunkte. Der lebenswissenschaftliche Schwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) stellte zum Messeauftakt am Montag, 24. April, das „Kiel Evolution Center“ (KEC) auf der Messe vor. Expertinnen und Experten des KEC berichteten dem interessierten Fachpublikum vom Kieler Konzept der „Translationalen Evolutionsforschung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme“. Dr. Olivia Roth (GEOMAR) und Professor Hinrich Schulenburg (CAU) diskutierten mit Publikum und Moderator Jan-Martin Wiarda, Wissenschaftsjournalist aus Berlin, über das Anwendungspotenzial evolutionärer Prinzipien in Gesundheit, Umwelt und Landwirtschaft.

So verdeutlichten sie, dass zum Beispiel die Ausbreitung Antibiotika-resistenter Keime, die Übernutzung schwindender Fischbestände oder Ernteeinbußen durch Pflanzenschädlinge eine gemeinsame Ursache haben können: Der Mensch greift durch sein Handeln in die natürliche Selektion ein und beeinflusst damit evolutionäre Prozesse. Das Ergebnis sind häufig stark negative Langzeitfolgen, denen die Kieler Forschenden durch eine stärkere Berücksichtigung der Evolution in Forschung und Anwendung begegnen möchten. „Evolution trägt zentral zu den aktuellen Problemen bei, wird bei der Entwicklung von neuen Maßnahmen aber nur selten berücksichtigt. Das wollen wir ändern, denn nur so können wir nachhaltige Lösungsansätze finden“, bekräftigte Professor Hinrich Schulenburg, Sprecher des „Kiel Evolution Center“, in Hannover.

Neben dieser Diskussionsrunde gestaltete das KEC zudem den Messestand des lebenswissenschaftlichen Forschungsschwerpunkts mit: Die gesellschaftliche Relevanz der Translationalen Evolutionsforschung wird darin anhand anschaulicher Beispiele aus Medizin, Umwelt und Landwirtschaft deutlich. Zudem stellten sich Expertinnen und Experten des KEC vor Ort den Fragen des Messepublikums und sorgten für Sichtbarkeit ihres Forschungskonzepts und des Wissenschaftsstandorts Kiel als bundesweit einzigartiger Schwerpunkt in der Evolutionsforschung.

Die Exponate des Forschungsschwerpunktes „Kiel Life Science“ sind über die gesamte Messewoche zu erleben. Das vollständige Programm der Kieler Präsentation bei der Hannover Messe vom 24. bis 28. April 2017 finden Sie hier:

www.uni-kiel.de/hannovermesse
www.hannovermesse.de/aussteller/christian-albrechts-universitaet-zu-kiel/P412512

Den Stand der Universität Kiel finden Sie in Halle 2, C07
https://www.uni-kiel.de/hannovermesse/de/hallenplan

Über das KEC
Das „Kiel Evolution Center“ (KEC) als interaktive Wissenschaftsplattform an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) setzt sich zum Ziel, Evolutionsforscherinnen und -forscher in der Region Kiel besser zu koordinieren. Daneben sollen unter dem Schlüsselbegriff „Translationale Evolutionsforschung“ gezielt Brücken zwischen Grundlagenforschung und Anwendung geschlagen werden. Neben der Förderung der Wissenschaft stehen ausdrücklich auch Lehre und Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des „Kiel Evolution Center“. Daran beteiligt sind neben der CAU auch Forschende vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI EB) und dem Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Zum Messeauftakt in Hannover präsentierten Forschende des „Kiel Evolution Center“ (KEC) das Konzept der „Translationalen Evolutionsforschung“.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Dr. Olivia Roth (GEOMAR) und Professor Hinrich Schulenburg (CAU) diskutierten mit Publikum und Moderator Jan-Martin Wiarda über das Anwendungspotenzial der Evolutionsforschung.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Dr. Olivia Roth (GEOMAR) hob die evolutionäre Bedeutung der Schwangerschaft für Mensch und Tier hervor.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Professor Hinrich Schulenburg (CAU) verdeutlichte, wie die Evolutionsforschung in Zukunft zur Lösung der Antibiotikakrise beitragen könnte.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4141
E-Mail: hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science, CAU Kiel:
www.kls.uni-kiel.de
 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

Podiumsdiskussion auf der Hannover Messe: „Spitzenforschung als Innovationsmotor in Deutschland“

28.04.2017


Fotostrecke zur Hannover Messe auf flickr

Immer mehr technische und soziale Innovationen kommen aus dem kreativen Umfeld von Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Am Dienstag, 25. April, diskutierte Professor Lutz Kipp, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), auf der Hannover Messe mit Fachleuten über „Spitzenforschung als Innovationsmotor in Deutschland“ und die neue Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder. Auf dem CAU-Stand in der Halle 2, „Research & Technology“ stellte Kipp gemeinsam mit den Vertretern der vier Forschungsschwerpunkte an der Universität Kiel einem intenationalen Publikum den Kieler Weg der Spitzenforschung vor.

Der Kieler Weg zeichnet sich durch ein hohes Maß an transdisziplinärer Forschung aus. Dabei arbeiten Forschende nicht allein über Fächergrenzen hinweg. „Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften interagieren vielmehr auch intensiv miteinander“, lobte der Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Gesellschaft, Umwelt und Kultur im Wandel Professor Lutz Käppel. In Kiel sei die Planung von Wissenschaft ein Gemeinschaftsprojekt, betonte Kipp. Dafür werde ein komplexes Verständnis von den Dingen benötigt. "Dieses komplexe Verständnis und neue wissenschaftliche Lösungsansätze zum Beispiel in Form technologischer Neuerungen bedürfen jedoch eines besonderen soziologischen, kulturellen oder psychologischen Verständnisses“, ergänzte der Sprecher des lebenswissenschaftlichen Schwerpunktes Professor Thomas Bosch. „Ob Technologie, Medizin, Energie oder Klimawandel: Interdisziplinarität braucht einen langen Atem“, stellte Professor Rainer Adelung, Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Nano- und Oberflächenforschung fest. Der Vertreter des meereswissenschaftlichen Schwerpunktes, Professor Martin Visbeck, mahnte: „Wissenschaft ist Vielsprachigkeit. Universität schafft Spezialsprachen. Im Gegenzug muss eine universelle Wissenschaftssprache hergestellt werden. Nur so können wir Antworten auf die großen Fragen der Zeit finden. Dafür braucht es vor allem eines: Kommunikation. Exzellenzcluster sind dafür ein guter und erprobter Weg.“ Erfolgreiche Spitzenforschung brauche außerdem Glaubwürdigkeit, verlässliche Strukturen und gute Lösungsansätze für Fragen mit gesellschaftlicher Relevanz, betonte Bosch.

Im Anschluss beleuchteten Sophia Hatzelmann vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach und Jean-François Ricci, Campus Development Manager der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), mit Universitätspräsident Kipp, wie das ideale Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik für mehr Innovation und Beschäftigung gelingen kann.
„Der Mittelstand war und ist der wichtigste Innovationsträger der deutschen Wirtschaft. Wir brauchen einen besseren Kontakt und einen unbürokratischen Transfer zwischen Spitzenforschung und kleinen und mittelständischen Unternehmen. Denn nur so sind diese Unternehmen auch in Zukunft der Schlüssel für den Erfolg der Wirtschaft in Deutschland“, betonte Hatzelmann. Innovationskapital bereitzustellen, zum Beispiel zur Finanzierung von Stiftungsprofessuren, sei für kleine und mittelgroße Unternehmen schwierig. Vielen gehe es derzeit zwar sehr gut. Bestimmte Geschäftsmodelle seien jedoch bedroht. „Anlagenbau, Mobilität oder Energie sind Bereiche, die noch gut verdienen, aber schnell unter Druck geraten könnten“, warnte Hatzelmann. Es brauche daher dringend neue Geschäftsmodelle. Gute Unternehmen würden dies erkennen und entsprechend handeln.

Für Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in Berlin, hat „der Exzellenzwettbewerb eine große Dynamik im Wissenschaftssystem insgesamt ausgelöst.“ Mit dem Konzept „Brain City Berlin“ werden Wissenschaft und Forschung noch deutlicher zum Markenzeichen Berlins – als Ausdruck der Leistungsfähigkeit der Stadt und einer innovativen Wissensmetropole Berlin. Organisatorischer Fixpunkt sei in Berlin neben einem neuen Wissenschaftsstadtteil Adlershof die Einsteinstiftung als Finanzierungsstruktur für Spitzenforschung. In diesem Programm werden ein Euro private Investition vom Land Berlin um je 50 Cent ergänzt: „So sind jüngst 50 Juniorprofessuren im Bereich der Digitalisierung entstanden“. Krach regte außerdem an, flächendeckend Vizepräsidenten für den Technologietransfer an Hochschulen zu installieren. So könnten noch mehr Startups entstehen. Berlin sei inzwischen Startup-Hautstadt. Kapital sei genügend vorhanden. „Es braucht aber neue Konzepte für die kritische Phase nach drei bis fünf Jahren“, sagte der Berliner Wissenschaftsstaatssekretär.

Den Blick von außen brachte Jean-François Ricci, Campus Development Manager der Schweizer École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), in die Diskussion ein: „Wissenschaft und Technologie spielen eine immer wichtigere Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen. Sie werden immer komplexer und zunehmend international. Eine internationale Gesellschaft muss deshalb die Grenzen ihres Wissens unermüdlich erweitern, denn aus diesem Wissen entsteht Innovation. Wissenschaft ist ihrem Wesen nach global.“
Die Unabhängigkeit der Wissenschaft, die wissenschaftliche Freiheit, so der Schweizer, dürfe das allerdings nicht berühren.

Damit sich die Universitäten der Wirtschaft besser öffnen können, braucht es Orte, an denen dieser Austausch stattfinden kann. In Kiel wäre dafür ein Kongresszentrum auf dem Uni-Campus denkbar, überlegte Kipp. Denkbar seien auch neue Veranstaltungsformen wie TED-Talks oder Wissenschafts-Slams. "Nach wie vor gehen viele Unternehmen nicht in Universitäten, wenn es um Innovationen geht“, stellte Hatzelmann fest. Universitäten sollten sich deshalb ruhig öffnen: „Wir brauchen Orte, an denen Wirtschaft und Wissenschaft im engen Alltagskorsett in Kontakt kommen können. Kurze knappe Informationen sind uns dabei wichtig. Denn Zeit ist für uns Geld.“

„Damit wir in der neuen Exzellenzstrategie des Bundes und Länder weiter erfolgreich sein können, ist es für uns wichtig zu erfahren, welche Erwartungen Wirtschaft und Politik an das System Wissenschaft haben. Dieser Themenabend hat uns in dieser Hinsicht viele wertvolle Einsichten und Ideen verschafft. Das verdanken wir den sehr engagierten und fundierten Beträgen unserer Gäste“, fasste CAU-Präsident Kipp einen rundum gelungenen Abend zusammen.

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Podiumsdiskussion zur Exzellenz hoch 4 mit den Vertretern der Forschungsschwerpunkte (von links nach rechts): Heike Schmoll, Moderation, Thomas Bosch, KLS, Rainer Adelung, KiNSIS, Martin Visbeck, KMS, Lutz Käppel, SECC, Lutz Kipp, Präsident.
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Lutz Kipp präsentiert den Kieler Weg der Spitzenforschung auf der Hannover Messe 2017.
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Podiumsdiskussion zur Spitzenforschung als Innovationsmotor (von links nach rechts): Heike Schmoll, Sophia Hatzelmann, Steffen Krach, Jean-François Ricci, Lutz Kipp.
Foto, Copyright: Claudia Levetzow, CAU
 

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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Karl August Möbius-Fellowship 2017 geht an Angela Douglas

03.05.2017

Anlässlich der Preisverleihung eröffnete Kieler Sonderforschungsbereich Metaorganismus-Kunstausstellung

Der Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ (SFB 1182) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) verlieh am gestrigen Dienstag, 2. Mai, erstmals den neu geschaffenen Wissenschaftspreis „Karl August Möbius Fellowship“. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ging an Professorin Angela Douglas von der US-amerikanischen Cornell University, die damit für ihre Verdienste um die Erforschung der symbiotischen Beziehungen von Lebewesen und Mikroorganismen geehrt wurde. Douglas, die als eine der Vordenkerinnen dieses noch jungen wissenschaftlichen Feldes gilt, eröffnete aus diesem Anlass gemeinsam mit dem SFB die Ausstellung „Art of Metaorganisms“ im Zentrum Molekulare Biowissenschaften (ZMB) der CAU. In beeindruckenden Bildern vermittelt die Schau die wechselseitigen Beziehungen zwischen Tieren, Pflanzen und Bakterien und macht so das abstrakte Thema der Metaorganismus-Forschung auch für Laien zugänglich. Ab heute können Besucherinnen und Besucher die Ausstellung montags bis donnerstags von 7:30 bis 16:00 Uhr und freitags von 8:00 bis 14:00 Uhr im Foyer des ZMB besichtigen.

Die Preisträgerin Douglas ist Professorin für Physiologie und Toxikologie der Insekten und arbeitet an der Cornell University an den Beziehungen zwischen Mikroben und höheren Lebewesen. Aus der Erforschung dieser Interaktionen möchte sie biomedizinische Modelle ableiten, die den positiven Einfluss von Bakterien auf die Gesundheit von Mensch und Tier nutzbar machen sollen. Die international renommierte Wissenschaftlerin ist damit eine würdige erste Trägerin des neuen Kieler Wissenschaftspreises, mit dem der SFB 1182 die Bedeutung der Metaorganismus-Forschung auch international hervorheben möchte. 

„Angela Douglas spielt eine herausragende Rolle im neuen Wissenschaftsgebiet der Metaorganismus-Forschung. Wir sind stolz, sie als erste Preisträgerin mit dem Karl August Möbius-Fellowship unseres Sonderforschungsbereichs ehren und darüber hinaus auch wissenschaftlich eng mit ihr zusammenarbeiten zu können“, betonte Professor Thomas Bosch, Sprecher des SFB 1182. Douglas ist regelmäßig zu Gast an der CAU und verbrachte erst kürzlich den mit dem „Karl August Möbius-Fellowship“ verbundenen mehrwöchigen Forschungsaufenthalt in Kiel, um sich mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Sonderforschungsbereichs auszutauschen. 

Karl August Möbius als Namensstifter des Preises ist mit Bedacht gewählt: Der Zoologe und Ökologe entdeckte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kiel mit dem Konzept der Biozönose die gegenseitige Abhängigkeit von unterschiedlichen Lebewesen innerhalb einer Lebensgemeinschaft. Die heutigen Metaorganismus-Forschenden in Kiel und ihre Partnerinnen und Partner weltweit führen die von Möbius geschaffene Forschungsrichtung fort, indem sie das Konzept der multiorganismischen Beziehungen und seine Bedeutung für Gesundheit und Krankheit von Mensch, Tier und Pflanze weiterentwickeln. 

Mit der Ausstellung „Art of Metaorganisms“, zu der neben Forschenden des SFB 1182 auch internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beigetragen haben, möchten Douglas und ihre Kieler Kolleginnen und Kollegen ihr Thema der Öffentlichkeit in künstlerischer Interpretation vermitteln. Das Zusammenspiel von Körper und Kleinstlebewesen wird in ästhetischen und ausdrucksstarken Aufnahmen auch für fachfremde Besucherinnen und Besucher greifbar. Die Ausstellung, so hofft das Organisationsteam, soll dabei helfen, Bakterien als unverzichtbare Stütze für Gesundheit und Wohlbefinden auch des menschlichen Körpers zu verstehen. Damit ist sie eines von zahlreichen Formaten, mit denen die Forschenden des SFB 1182 zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit vermitteln möchten.

Über den SFB 1182
Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen gemeinsam mit hoch spezifischen Gemeinschaften von Mikroben funktionale Einheiten (Metaorganismen) bilden. Ziel des SFB ist es zu verstehen, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften diese langfristigen Verbindungen mit ihren Wirtsorganismen eingehen und welche funktionellen Konsequenzen diese Wechselwirkungen haben. Im SFB 1182 sind insgesamt rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Fakultäten der CAU, vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und von den Max Planck-Instituten für Evolutionsbiologie und Marine Mikrobiologie in Plön und Bremen zusammengeschlossen.

Bildmaterial steht zum Download bereit:
1. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-136-1.jpg 
Bildunterschrift: Cornell-Professorin Angela Douglas ist die erste Preisträgerin des Kieler „Möbius-Fellowships“. Links im Bild: Professor Thomas Bosch, Sprecher des SFB 1182.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

2. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-136-2.jpg 
Bildunterschrift: Angela Douglas wurde für ihre herausragende Forschung zu den Beziehungen von Lebewesen und Symbionten geehrt. 
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

3. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-136-3.jpg 
Bildunterschrift: Teil der Preisverleihungszeremonie am Dienstagabend war ein Fachvortrag von Professorin Douglas über die Rolle der mikrobiellen Besiedlung des Körpers.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

4. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-136-4.jpg 
Bildunterschrift: Im Anschluss an die Preisverleihung eröffneten Douglas und Bosch die Ausstellung „Art of Metaorganisms“ im Zentrum Molekulare Biowissenschaften.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

5. www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-136-5.jpg 
Bildunterschrift: In faszinierenden Bildern vermittelt die Ausstellung Einblicke in die Erforschung der wechselseitigen Beziehungen von Tieren, Pflanzen und Bakterien.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch, 
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU Kiel:
www.metaorganism-research.com

Douglas Lab, Department of Molecular Biology & Genetics, Cornell University
angeladouglaslab.com/


Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text: Christian Urban 
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de, Twitter: www.twitter.com/kieluni 
Facebook: www.facebook.com/kieluni, Instagram: www.instagram.com/kieluni

 

Alena Buyx zur Ethik in den Lebenswissenschaften

09.05.2017

Öffentlicher Abendvortrag der Möbius-Gesellschaft im Zoologischen Museum

Die moderne lebenswissenschaftliche Forschung, zum Beispiel im Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), verzeichnete in jüngster Zeit zahlreiche technologische Durchbrüche. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versprechen sich daher Problemlösungen auf verschiedenen den Menschen und die Gesellschaft betreffenden Gebieten. Die Lebenswissenschaften rücken zum Beispiel die Chance auf Heilung schwerwiegender Erkrankungen, gesteigerte Erträge in der Landwirtschaft oder präzise, an individuellen Bedürfnissen des einzelnen Menschen orientierte Behandlungsansätze in greifbare Nähe. hier weiterlesen

Deutsch-Französischer Studiengang besuchte das Kiel Evolution Center

09.05.2017

Molekularbiologie-Studierende aus Strasbourg und dem Saarland informierten sich über Evolutionsforschung in Kiel

Vergangene Woche öffnete das „Kiel Evolution Center“ (KEC) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) seine Türen für eine Gruppe von deutsch-französischen Biologiestudierenden. Ein Dutzend angehende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus dem binationalen Studiengang Molekularbiologie der Université de Strasbourg und der Universität des Saarlandes waren nach Kiel gekommen, um sich über die Evolutionsforschung und das lebenswissenschaftliche Studienangebot an der schleswig-holsteinischen Landesuniversität zu informieren. hier weiterlesen

Das Mikrobiom – Der Mensch ist nicht allein.

22.05.2017

Der Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ und die Muthesius Kunsthochschule eröffneten die Ausstellung “Das Mikrobiom – Der Mensch ist nicht allein.” in Kiel. Bis Ende Februar 2018 wird in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung eine vielfältige und ganz andere Sichtweise auf die Entzündungsforschung gezeigt. Zur Eröffnung am 18. Mai besichtigte Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer gemeinsam mit Dr. Arne Zerbst (Präsident der Muthesius Kunsthochschule) und dem Sprecher des Exzellenzclusters, Professor Stefan Schreiber, die Ausstellung. Pünktlich zum internationalen Museumstag am Sonntag, 21. Mai, öffnet die Sammlung ihre Türen für die Öffentlichkeit. Der Eintritt ist an diesem Tag frei. Hier weiterlesen

Erstes Nachtkonzert im Zoologischen Museum Kiel

02.06.2017

Cello-Konzert am 9. Juni zum Auftakt der neuen Klassik-Reihe der Karl-August-Möbius-Gesellschaft

Am kommenden Freitag, 9. Juni, steht eine besondere Musikveranstaltung auf dem Programm des Zoologischen Museums Kiel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Ab 22 Uhr lädt die Karl-August-Möbius-Gesellschaft als Förderverein des Zoologischen Museums gemeinsam mit dem Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) der Universität zu einem Cello-Konzert mit der Kieler Philharmonikerin Frauke Rottler-Viain ein. In ihrem Solovortrag spielt sie ein breites Spektrum ausgewählter Werke von Bach bis Prokofjew. hier weiterlesen

Entwicklungssprünge auf dem Weg zur Pflanze

Zellen der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum mit markierten Zellorganellen: Der Zellkern ist grün und die Chloroplasten sind rot hervorgehoben. Abbildung: Shiri Graff van Creveld, The Weizmann Institute of Science

10.07.2017

Deutsch-israelisches Forschungsteam unter Leitung der Uni Kiel entdeckt evolutionären Ursprung der pflanzlichen Redox-Regulation

In der Entwicklung des höheren Lebens im Verlaufe vieler Millionen Jahre hat es immer wieder bedeutende und vergleichsweise plötzliche Entwicklungssprünge gegeben. In ihrer Folge erwarben Lebewesen neue Eigenschaften und eroberten zusätzliche Lebensräume. Dabei eigneten sie sich diese Fähigkeiten zum Teil aus ihren Vorläufer-Organismen an: Die Plastiden der Pflanzen, der Ort an dem Photosynthese stattfindet, waren beispielsweise ursprünglich eigenständige, einzellige Lebewesen. Die entwicklungsgeschichtliche Verwandlung von Cyanobakterien in solche Zellorganellen, die Endosymbiose, ermöglichte der Pflanzenzelle die Fähigkeit zur Photosynthese und damit zur Gewinnung von Energie aus Sonnenlicht. Offenbar auf vergleichbarem Weg ist eine ähnlich wichtige, damit zusammenhängende Eigenschaft der Pflanzen und anderer höherer Lebewesen entstanden: Ein internationales Forschungsteam vom Institut für Allgemeine Mikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und vom israelischen Weizmann Institute of Science fand Hinweise, dass die Redox-Regulation im pflanzlichen Stoffwechsel ihren Ursprung in zwei aufeinanderfolgenden Plastiden-Endosymbiose-Ereignissen hatte. Die Ergebnisse der vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ geförderten Arbeit veröffentlichte das internationale Forschungsteam kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Plants.

Die Entwicklung der Plastide ist von grundlegender Bedeutung in der Evolution der Pflanzen. Global betrachtet brachten sie die sogenannte Primärproduktion in Schwung, lieferten also Sauerstoff und Nahrungsgrundlage für alles Leben auf der Erde. Für den neu erlangten Vorteil der Energiegewinnung durch Photosynthese zahlte die Zelle gewissermaßen einen evolutionären Preis. Sie musste auf die Bildung hochreaktiver und potenziell schädlicher Nebenprodukte reagieren, der sogenannten Radikale. Als Antwort darauf entwickelte die Zelle die Fähigkeit, freie Radikale aufzuspüren und diese Information zu nutzen, um ihre Stoffwechselaktivitäten über einen einzigartigen regulatorischen Mechanismus, die Redox-Regulation, zu kontrollieren. Da gerade Sauerstoff dazu neigt, diese problematischen Moleküle zu formen, gewann die Redox-Regulation mit der erhöhten Verfügbarkeit von Sauerstoff in der Erdvergangenheit an Bedeutung - einem Zeitraum, der mit dem fundamentalen Entwicklungssprung hin zum vielzelligen Leben verbunden wird. Um den evolutionären Ursprung der Redox-Regulation zu ergründen, verglich Dr. Christian Wöhle, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Genomische Mikrobiologie der CAU, das Netzwerk Redox-regulierter Proteine der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum mit Lebewesen verschiedener anderer Stämme. Als entwicklungsgeschichtlich sehr einfache Lebensform trägt die Kieselalge bereits Züge höher entwickelter Organismen; ebenso wie Pflanzen ist sie zum Beispiel in der Lage, Photosynthese zu betreiben. So lässt dieser Modellorganismus Rückschlüsse auf höher entwickelte, pflanzliche und tierische Lebensformen zu.

Gemeinsam mit ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen erkannten die Kieler Forschenden, dass die Entwicklung der Redox-Regulation höherer Lebewesen zeitlich mit dem Ablauf einer mehrstufigen Plastiden-Endosymbiose zusammenfiel. Der Vergleich mit den Proteinsequenzen verschiedener Vorgängerorganismen zeigte, dass es bei den Vorfahren der Kieselalgen zeitgleich mit der Aufnahme der ersten Plastide plötzlich zu einem vermehrten Vorkommen von Redox-regulierten Proteinen kam. Diese Proteine verändern ihre biochemischen Eigenschaften, wenn sie mit Radikalen in Kontakt kommen. So erlauben sie dem Organismus, seinen Stoffwechsel auf veränderliche Umweltbedingungen einzustellen. „Wir konnten beobachten, dass sich in der Entwicklung komplexerer pflanzlicher Organismen die für den Stoffwechsel verantwortlichen Proteine immer dann stark veränderten, wenn Zellorganellen hinzukamen“, betont Wöhle, Erstautor der Studie.

Der Mechanismus, mit dem die Kieselalgen die Fähigkeit zur Redox-Regulation erwarben, besteht in einem Übergang der genetischen Informationen aus den nacheinander erworbenen Plastiden in das Genom des aufnehmenden Organismus. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass mehr als die Hälfte der an der Redox-Regulation beteiligten Gene aus einzelligen Organismen, in diesem Fall Cyanobakterien, stammen. Diese Beobachtung untermauert die Theorie des Forschungsteams, dass die Fähigkeit zur Redox-Regulation der Zelle auf dem Wege des endosymbiotischen Gentransfers zustande gekommen ist und damit den Grundstein zur Entwicklung höherer Pflanzen legte. „Unsere Ergebnisse erlauben einen Einblick in die evolutionäre Anpassung des Lebens an die photosynthetische Energiegewinnung und die damit notwendig gewordenen erweiterten Regulationsmechanismen der Pflanzenzelle. Sie helfen uns dabei, die Reaktion verschiedener Organismen an eine langfristige Veränderung ihrer Lebensbedingungen besser zu verstehen“, fasst Co-Autorin Professorin Tal Dagan, Leiterin der Arbeitsgruppe Genomische Mikrobiologie an der CAU und Mitglied im „Kiel Evolution Center“ (KEC), zusammen.

Originalarbeit:
Christian Wöhle, Tal Dagan, Giddy Landan, Assaf Vardi & Shilo Rosenwasser “Expansion of the redox-sensitive proteome coincides with the plastid endosymbiosis”, Nature Plants, Published on May 15, 2017 DOI:10.1038/nplants.2017.66

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Bildunterschrift: Zellen der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum mit markierten Zellorganellen: Der Zellkern ist grün und die Chloroplasten sind rot hervorgehoben.
Abbildung: Shiri Graff van Creveld, The Weizmann Institute of Science

Kontakt:
Prof. Tal Dagan
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-57122
E-Mail: tdagan@ifam.uni-kiel.de

Dr. Christian Wöhle
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5744
E-Mail: cwoehle@ifam.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Genomische Mikrobiologie (AG Dagan),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
www.mikrobio.uni-kiel.de/de/ag-dagan

Exzellenzcluster “Ozean der Zukunft”, CAU Kiel:
www.futureocean.org

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

Pflanzenwissenschaften in einer sich ändernden Welt

13.09.2017

Internationale Botanikertagung mit über 450 Forschenden an der Universität Kiel

Am Sonntag, 17. September, startet die Tagung der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Bis einschließlich Donnerstag kommen deutschsprachige und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um sich über die neuesten Trends und Ergebnisse in den Pflanzenwissenschaften auszutauschen. Unter dem Motto „Plant Research in a Changing World“ haben die Organisatorinnen und Organisatoren ein umfangreiches und vielfältiges Tagungsprogramm zusammengetragen: So geht es zum Beispiel um Biodiversität und Ökosysteme, den Einfluss von Evolution und Umweltfaktoren oder aktuelle Entwicklungen in Genomik und Biotechnologie.

Ausdrücklich an die Öffentlichkeit richtet sich der Abendvortrag von Professor Andreas Graner am Montag um 20 Uhr im Frederik-Paulsen-Hörsaal der CAU. Der Direktor des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben fragt darin „Können wir mit unseren Nutzpflanzen in 20 Jahren noch die Welt ernähren?“ Im Anschluss erörtern in einer Podiumsdiskussion Expertinnen und Experten aus den Agrar- und Pflanzenwissenschaften, der Pflanzenzüchtung und der Organisation „Brot für die Welt“ die Verantwortung der Pflanzenforschung für die globale Ernährungssicherheit.

Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz der DBG bietet ein interdisziplinäres Forum, das die gesamte Bandbreite der zunehmend spezialisierten Fachrichtungen der Pflanzenwissenschaften zusammenführt. Die Tagungspräsidentin Professorin Karin Krupinska, Leiterin der Arbeitsgruppe Biologie der Pflanzenzelle an der CAU, sieht eine wichtige gesellschaftliche Rolle der Pflanzenwissenschaften: „Die Bedeutung der botanischen Forschung wird in Zukunft weiter zunehmen. Von der Ernährung der Weltbevölkerung über einen effektiven Kampf gegen Pflanzenschädlinge bis hin zur Bewahrung der Biodiversität nehmen Botanikerinnen und Botaniker Schlüsselpositionen in der aktuellen lebenswissenschaftlichen Forschung ein. Mit der Botanikertagung in Kiel möchten wir dazu beitragen, den Austausch der Kolleginnen und Kollegen untereinander zu fördern und uns damit für die anstehenden Herausforderungen zu wappnen.“

Am Dienstag ehrt die DBG während der Tagung erfolgreiche Nachwuchsforschende aus den Pflanzenwissenschaften. Mit dem Eduard Strasburger-Preis ehrt die Gesellschaft Dr. Severin Irl von der Universität Bayreuth für seine Arbeiten zur Entstehung neuer Pflanzenarten an Orten besonders vielfältiger Biodiversität wie den kanarischen Inseln. Dr. Birgit Oelschlägel von der Technischen Universität Dresden erhält den Horst Wiehe-Förderpreis für ihre Doktorarbeit, in der sie ein bislang unbekanntes Bestäubungssystem in Blütenpflanzen beschreibt. Dr. Inês Barbosa von der Universität Lausanne wird mit dem Wilhelm Pfeffer-Preis ausgezeichnet: In ihrer Doktorarbeit entdeckte sie einen neuen Regulator des Pflanzenhormons Auxin, das das Wachstum von Pflanzen steuert.

Insgesamt erwartet die Besucherinnen und Besucher der DBG-Tagung ein breit gefächertes Programm aus Vorträgen, Symposien und Workshops. Rund 240 Poster-Präsentationen sorgen zusätzlich für regen wissenschaftlichen Austausch jenseits der Vortragsveranstaltungen. Eine Besonderheit im Rahmen der Konferenz bietet eine botanische Ausstellung, die parallel in der Universitätsbibliothek (UB) der Uni Kiel stattfindet: Unter dem Titel „Botanische Schätze - Pflanzen aus aller Welt im Kieler Universitätsherbarium“ hat ein Team um Dr. Martin Nickol vom Botanischen Garten der CAU Highlights aus der größten Pflanzensammlung Schleswig-Holsteins zusammengetragen. Die eindrucksvolle Schau richtet sich gleichermaßen an Teilnehmende und Öffentlichkeit.

Über die Deutsche Botanische Gesellschaft (DBG):
Die DBG ist mit rund 850 Mitgliedern die größte Organisation für Pflanzenforschende im deutschsprachigen Raum und besteht seit mehr als 130 Jahren. Sie vereint Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen botanischen Disziplinen von der Molekularbiologie über Physiologie und Genetik bis hin zur Vegetationskunde und Ökosystembiologie. Die DBG als gemeinnützige Organisation vertritt die Pflanzenwissenschaften und fördert die wissenschaftliche Botanik auf nationaler und internationaler Ebene.

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Bildunterschrift: Die Botaniker-Tagung findet vom 17. - 21. September an der Uni Kiel statt.
Abbildung: Dr. Christine Desel

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Botanikertagung an der CAU Kiel
Wann: 17. - 21. September
Wo: Audimax CAU Kiel, Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Was: Öffentlicher Vortrag Professor Andreas Graner mit anschließender Podiumsdiskussion:
„Können wir mit unseren Nutzpflanzen in 20 Jahren noch die Welt ernähren?“
Wann: 18. September, 20:00 Uhr
Wo: Frederik-Paulsen-Hörsaal, Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Was: Öffentliche Ausstellung „Botanische Schätze - Pflanzen aus aller Welt im Kieler Universitätsherbarium“
Wann: 18. - 21. September 2017, jeweils 9:00-22:00 Uhr
Wo: Universitätsbibliothek (UB), Leibnizstraße 9

Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich zur Teilnahme am Programm der Botanikertagung an der CAU eingeladen. Um vorherige Anmeldung bei der Pressestelle der CAU wird gebeten unter Telefon 0431/880-2104 oder per E-Mail an
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de

Kontakt:
Prof. Karin Krupinska, Tagungspräsidentin
Botanisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4240
E-Mail: zellbio@bot.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Tagungs-Website:
www.botanikertagung2017.de

Deutsche Botanische Gesellschaft (DBG)
www.deutsche-botanische-gesellschaft.de

Arbeitsgruppe Biologie der Pflanzenzelle (AG Krupinska)
Botanisches Institut, CAU Kiel
www.uni-kiel.de/krupinska/index.html


 

KLS Early Career Postdoc Award 2017

05.07.2017

2017 wird zum zweiten Mal der KLS Early Career Postdoc Award ausgeschrieben (Dotierung: 6.000€). Wir würden uns über Bewerbungen von Postdocs, die vor höchstens 3 Jahren ihre Promotion abgeschlossen haben, bis 15. September 2017 freuen. Weitere Details können dem Anhang (PDF) entnommen werden. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Kirsten Emmert (kemmert@uv.uni-kiel.de).

 

 

Doppelter Fraßschutz unterstützt Pflanzen beim Arterhalt

05.05.2017

CAU-Forschende entdecken neue Abwehrstrategie im heimischen Beinwell

Verschiedene heimische Pflanzen bilden zum Schutz vor dem Gefressenwerden natürliche Gifte aus der Gruppe der sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloide. Am bekanntesten ist das Jakobskreuzkraut, dessen massenhafte Verbreitung in Schleswig-Holstein ein Vergiftungsrisiko vor allem für Weidetiere birgt. Pyrrolizidin-Alkaloide spielen aber auch bei der Kontamination von Lebensmitteln eine Rolle, zum Beispiel in Kräutertees oder verschiedenen Honigsorten. Forschende aus der Arbeitsgruppe Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution am Botanischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben nun mit dem Beinwell (Symphytum officinale) eine andere heimische Pflanze untersucht, die ebenfalls die Alkaloide produziert. Aktuell beginnt in Schleswig-Holstein die Blütezeit des Beinwells, der zum Problem kontaminierter Lebensmittel beitragen kann. Unter der Leitung von Professor Dietrich Ober beschäftigte sich Lars Hendrik Kruse im Rahmen seiner Doktorarbeit mit dem Mechanismus, der im traditionell als Heilpflanze bekannten Beinwell zur Giftbildung führt. Die Forschungsgruppe erkannte dabei, dass die Pflanze in der Nähe des Blütenstandes große Mengen der giftigen Pyrrolizidin-Alkaloide bildet. Ihre Ergebnisse publizierten sie jüngst in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachjournals Plant Physiology.

Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass der Beinwell in der Wurzel Pyrrolizidin-Alkaloide bildet und diese in die oberirdischen Pflanzenteile wie Blätter und Blüten einlagert. „Wir haben entdeckt, dass die Pflanze kurz vor Beginn der Blüte auch einen zweiten Ort zur Bildung der giftigen Alkaloide aktivieren kann“, erklärt Ober, Professor für Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution, die Entdeckung seines Teams. Bislang war nicht bekannt, dass der Beinwell auch in kleinen, unscheinbaren Blättern direkt unterhalb des Blütenstandes das Gift bilden kann. 

Die zusätzliche Giftproduktion geschieht kurz bevor die Pflanze erblüht, so dass die dort produzierten Alkaloide auf direktem Weg in die sich öffnenden Blüten gelangen können. Daraus schlossen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass die zusätzliche Bildung der Alkaloide direkt mit dem Reproduktionsmechanismus zusammenhängt. „Die Pflanze aktiviert diese alternative Giftbildung offenbar, um ihre Blüten und damit ihre für die Fortpflanzung und das Überleben der Art unverzichtbaren Bestandteile optimal zu schützen“, so Lars Hendrik Kruse. Der Beinwell verfügt also über eine doppelte Abwehrstrategie, die zum einen der gesamten Pflanze einen „Basisschutz“ gewährt, die aber andererseits die Blüten während der Blütezeit zusätzlich gezielt vor Fraßfeinden schützt.

Mit den nun vorliegenden Erkenntnissen trägt das Kieler Forschungsteam dazu bei, die Stoffwechselprozesse, die zur Bildung der giftigen Pyrrolizidin-Alkaloide führen, besser zu verstehen. Die Forschungsergebnisse können damit Verbraucherinnen und Verbraucher künftig bei einer verbesserten Risikoabschätzung unterstützen.

Originalarbeit:
Lars H. Kruse, Thomas Stegemann, Christian Sievert, and Dietrich Ober: 
Identification of a Second Site of Pyrrolizidine Alkaloid Biosynthesis in Comfrey to Boost Plant Defense in Floral Stage, Plant Physiology 2017 174: 47-55.; dx.doi.org/10.1104/pp.17.00265

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Bildunterschrift: Im Mai beginnt die Blütezeit des auch in Schleswig-Holstein häufig vorkommenden Beinwells (Symphytum officinale).
Foto: Dietrich Ober

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Bildunterschrift: Im Labor untersuchte das Kieler Forschungsteam die Stoffwechselprozesse, die der Giftbildung des Beinwells zugrunde liegen.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Blattoberfläche einer Beinwell-Pflanze: Sie bildet nicht nur in den Wurzeln, sondern auch in bestimmten Blättern direkt unterhalb des Blütenstandes giftige Alkaloide.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Dietrich Ober
Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution
Botanisches Institut und botanischer Garten, CAU
Telefon: 0431 880-4299
E-Mail: dober@bot.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution (AG Ober), 
Botanisches Institut und botanischer Garten, CAU
http://www.ober.botanik.uni-kiel.de/

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Hinrich Schulenburg zum Max-Planck-Fellow berufen

16.10.2017

Max-Planck-Gesellschaft zeichnet CAU-Evolutionsbiologen für sein Engagement aus

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist mit über 80 Forschungseinrichtungen eine der führenden Institutionen der Grundlagenforschung in Deutschland. Mit dem sogenannten „Max-Planck-Fellowship“ zeichnet sie Universitätsprofessorinnen und -professoren aus, die innerhalb dieses Programms ihre herausragende Forschung an einem Max-Planck-Institut vertiefen können und somit die Zusammenarbeit ihrer Universität mit einem Max-Planck-Institut stärken. Zum Oktober hat die MPG Hinrich Schulenburg, Professor für Evolutionsökologie und Genetik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), zum Max-Planck-Fellow am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI-EB) berufen. Sie würdigt damit Schulenburgs Forschung sowie seine intensiven Bestrebungen, mit denen er die Evolutionsforschung in Schleswig-Holstein und damit die Kooperation zwischen CAU und MPI-EB vorangetrieben hat. 

„Hinrich Schulenburgs Forschung auf den Gebieten der Evolutionsökologie und Genetik, wie beispielsweise dem Zusammenspiel zwischen Wirt und Parasit oder der Anpassung von Bakterien an Antibiotika, ist einzigartig und stellt eine hervorragende Ergänzung zu den wissenschaftlichen Fragestellungen unseres Instituts dar. Sein Engagement hat in wichtigen Teilen zur engen und exzellenten Zusammenarbeit des Plöner Instituts mit der CAU beigetragen und wir freuen uns daher ganz besonders auf eine verstärkte wissenschaftliche Kooperation mit Hinrich Schulenburg“, begründet Arne Traulsen, Geschäftsführender Direktor des MPI-EB, die Entscheidung der MPG. „Wir freuen uns sehr für Hinrich Schulenburg. Die Auszeichnung durch die Max-Planck-Gesellschaft hebt exemplarisch die für die CAU besonders wichtige Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Partnerinstitutionen hervor“, ergänzt Professorin Karin Schwarz, CAU-Vizepräsidentin für Forschung. 

Schulenburg, dessen Forschungsgebiet eine große Schnittmenge mit der Ausrichtung des MBI-EB hat, lieferte unter anderem den Impuls zur Schaffung des im vergangenen Jahr gegründeten „Kiel Evolution Centers“ (KEC) an der Universität Kiel. Unter dem Leitbegriff „Translationale Evolutionsforschung“ wirkt es als verbindendes Element zwischen der CAU, dem MPI-EB und anderen evolutionswissenschaftlichen Institutionen in der Region. Zusammen mit Kieler Kolleginnen und Kollegen baute er zudem den Masterstudiengang „Molecular Biology and Evolution“ (MAMBE) an der CAU auf, an dem auch das MPI-EB beteiligt ist. Seit sieben Jahren ist Schulenburg daneben einer der beiden Sprecher der International Max Planck Research School for Evolutionary Biology (IMPRS), in der die CAU, das MPI-EB und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel gemeinsam Doktorandinnen und Doktoranden der Evolutionsbiologie ausbilden. 

Mit dem Max-Planck-Fellowship ist die Einrichtung einer kleinen Arbeitsgruppe am Plöner Institut verbunden, die jährlich ein bis zwei Nachwuchsforschenden Platz bieten wird. Das neu entstehende Forschungsteam unter Schulenburgs Leitung wird untersuchen, wie sich Lebewesen an unvorhersehbare Umweltbedingungen anpassen. Fast alle Organismen sind regelmäßig mit solchen sich schnell ändernden Faktoren konfrontiert. Ziel des Forschungsprojektes auf diesem bisher wenig untersuchten Gebiet ist es, evolutionäre Strategien zu beschreiben, mit denen Organismen besser mit solchen Unwägbarkeiten zurechtkommen. Konkret zielt Schulenburg darauf ab, spezielle Umweltbedingungen zu identifizieren, an die sich Krankheitserreger kaum anpassen können. Die Erkenntnisse hoffen die Forschenden auf Antibiotikabehandlungen übertragen zu können, um damit dem zunehmend dramatischen Problem der multiplen Medikamenten-Resistenzen zu begegnen. 

Über das Max-Planck-Fellowship:
Das Programm fördert die Zusammenarbeit von herausragenden Hochschullehrerinnen und -lehrern mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft. Die Bestellung von Hochschullehrerinnen und -lehrern zu Max-Planck-Fellows ist auf fünf Jahre befristet und zugleich mit der Leitung einer kleinen Arbeitsgruppe an einem Max-Planck-Institut verbunden. Insgesamt sind aktuell über 40 Fellows an den Max-Planck-Instituten aktiv.

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Bildunterschrift: Hinrich Schulenburg, Professor für Evolutionsökologie und Genetik an der CAU, wird zum Oktober „Max-Planck-Fellow“ am Plöner MPI-EB.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Hinrich Schulenburg 
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
Tel.:          0431-880-4141
E-Mail:     hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Prof. Arne Traulsen
Geschäftsführender Direktor des MPI-EB
Tel.:      04522-763-239
E-Mail: traulsen@evolbio.mpg.de

Weitere Informationen:
Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik, Zoologisches Institut, CAU Kiel
www.uni-kiel.de/zoologie/evoecogen

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön:
www.evolbio.mpg.de/


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Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text: Christian Urban
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Mit der Entwicklung von Krankheitskeimen Schritt halten

21.07.2017

Internationales Symposium an der Universität Kiel

Seit dem heutigen Donnerstag, 20. Juli, läuft mit dem „Symposium on Pathogen Evolution“ eine hochrangige internationale Tagung zur evolutionären Entwicklung von Krankheitserregern im Zoologischen Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Europa tauschen sich an zwei Tagen darüber aus, mit welchen Strategien die Forschung auf die enorme Anpassungsfähigkeit verschiedener Krankheitserreger reagieren kann und welche Perspektiven sich daraus für künftige Therapieformen ergeben könnten. Kernthemen der Tagung sind unter anderem die sich zuspitzende Situation der Antibiotikaresistenzen, von der eine der aktuell größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit ausgeht, und die evolutionären Ursachen chronischer Lungenkrankheiten wie zum Beispiel Tuberkulose, die zu den acht häufigsten nicht-natürlichen Todesursachen weltweit zählen.

Veranstalter des Symposiums sind das „Kiel Evolution Center“ (KEC) an der CAU, der Leibniz-WissenschaftsCampus „EvoLUNG“ und die Internationale Max Planck Research School für Evolutionsbiologie (IMPRS). Mit diesen Netzwerken sind gleich vier Forschungseinrichtungen Norddeutschlands an der Veranstaltung beteiligt – neben der Kieler Universität das Forschungszentrum Borstel (FZB), das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Krankheitserreger haben die Fähigkeit, sich innerhalb kurzer Zeit – im Extremfall im Laufe weniger Stunden – an Veränderungen ihrer Umwelt anzupassen. Diese enorme Wandlungsfähigkeit führt insbesondere zur Entwicklung von Unempfindlichkeiten gegenüber medikamentöser Behandlung. Ursache dafür ist der schnelle Ablauf wechselseitiger evolutionärer Anpassungen der in der Wissenschaft als Pathogene bezeichneten Krankheitserreger und ihrer Wirtsorganismen. Oftmals beschleunigt der Mensch diese Prozesse ungewollt, etwa durch die massive und unspezifische Gabe von Antibiotika im medizinischen Behandlungsalltag oder in der Tierzucht.

Für die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ist dieses evolutionäre Wettrüsten von Organismus und Pathogenen höchst problematisch. „Das gehäufte Auftreten nicht mehr behandelbarer Erreger, zum Beispiel in Form der gefürchteten multiresistenten Krankenhauskeime, zeigt, dass konventionelle Therapien nicht mehr ausreichen“, betont Professor Hinrich Schulenburg, Leiter des „Kiel Evolution Center“. Trotz dieser dramatischen Situation spiele die Evolutionsdynamik bei der Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungswege bislang eine wenig beachtete Rolle, so Schulenburg weiter.

Ziel des Symposiums ist daher, die evolutionären Mechanismen der Anpassung von Krankheitserregern und ihre therapeutischen Konsequenzen in den Fokus zu rücken. Während der Veranstaltung präsentieren Forschende verschiedener evolutionswissenschaftlicher Disziplinen eine Auswahl vielversprechender, sich ergänzender Forschungsansätze: In ihren Fachvorträgen geht es zum Beispiel um Evolutionsexperimente zur Erforschung der Resistenzbildung, die genetische Bestandsaufnahme von Krankheitserregern bei Mensch, Tier und Pflanze oder die mathematische Modellierung der Evolutionsdynamik von Pathogenen.

„Die Entwicklung von Strategien gegen die Ausbildung von Behandlungsresistenzen ist eine der wichtigsten Herausforderungen an die heutige Evolutionsforschung. Eine Option könnte sein, dass wir die relevanten Prozesse im Immunsystem kopieren, das ja über Millionen Jahre die Abwehr von Krankheitserregern optimiert hat. Besonders vielversprechend sind hier die vorhandenen Cocktails an antimikrobiellen Peptiden“, gibt sich Jens Rolff, Professor für Evolutionsbiologie an der Freien Universität Berlin und Redner beim Kieler Symposium, optimistisch. In der konsequenten Übertragung evolutionärer Prinzipien auf die Entwicklung neuartiger Therapien liege der Schlüssel, um bedrohliche Infektionskrankheiten auch in Zukunft weiterhin wirksam bekämpfen zu können, ergänzt Rolff.

Die aktuelle Tagung ist Teil der Bestrebungen des KEC, evolutionswissenschaftliche Grundlagenforschung zur Anwendung zu bringen. Neben der exzellenten wissenschaftlichen Arbeit der Kieler Forschenden und ihrer Partnerinnen und Partner sind es Aktivitäten wie diese, mit denen der Wissenschaftsstandort Kiel seine Bedeutung als bundesweit einzigartiger Schwerpunkt in der Evolutionsforschung weiter ausbauen möchte.

Über das KEC
Das „Kiel Evolution Center“ (KEC) als interaktive Wissenschaftsplattform an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) setzt sich zum Ziel, Evolutionsforscherinnen und -forscher in der Region Kiel besser zu koordinieren. Daneben sollen unter dem Schlüsselbegriff „Translationale Evolutionsforschung“ gezielt Brücken zwischen Grundlagenforschung und Anwendung geschlagen werden. Neben der Förderung der Wissenschaft stehen ausdrücklich auch Lehre und Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des „Kiel Evolution Center“. Daran beteiligt sind neben der CAU auch Forschende vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI EB) und dem Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Rund 50 internationale Forschende tauschen sich im Zoologischen Museum Kiel über die Evolution von Krankheitserregern aus.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Prof. Hinrich Schulenburg, Sprecher des „Kiel Evolution Center“, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum „Symposium on Pathogen Evolution“ an der Uni Kiel.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Dr. Lejla Imamovic von der Technischen Universität Dänemark, Lyngby, stellt Strategien gegen die Resistenzbildung von Krankheitskeimen vor.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Prof. Jens Rolff, FU Berlin, erforscht das Potenzial antimikrobieller Peptide zur Bekämpfung von Krankheitserregern.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Kontakt:
Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4141
E-Mail: hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Tagungsprogramm „Symposium on Pathogen Evolution“:
www.kec.uni-kiel.de/news_events/20170721_KECPathEvolSym.php

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de/news_events/20170721_KECPathEvolSym.php

Leibniz-WissenschaftsCampus „EvoLUNG“, FZ Borstel/CAU Kiel:
www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-wissenschaftscampi/evolung/

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de
Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni, Instagram: ► www.instagram.com/kieluni
Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017

CAU-Forschungsteam belegt erstmals Zusammenarbeit zwischen Nervensystem und mikrobieller Besiedlung des Körpers

Ein zentraler Aspekt der modernen Lebenswissenschaften ist die Erforschung des symbiotischen Zusammenlebens von Tier, Pflanze und Mensch mit ihren spezifischen bakteriellen Besiedlungen. Die Gesamtheit der Mikroorganismen, die auf und in einem Wirtsorganismus angesiedelt sind, bezeichnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Mikrobiom. Seit einigen Jahren verdichten sich Hinweise, dass die Zusammensetzung und Balance des Mikrobioms eine entscheidende Rolle für die Gesundheit spielen. Störungen der bakteriellen Besiedlung des Körpers dagegen sind insbesondere an der Entstehung verschiedener sogenannter Umwelterkrankungen beteiligt. Wie die Zusammenarbeit von Organismus und Bakterien auf molekularer Ebene abläuft und wie Mikrobiom und Körper dabei als funktionale Einheit agieren, ist bislang allerdings weitgehend unbekannt.

Einen wichtigen Schritt in der Entschlüsselung dieser hochkomplexen Beziehungen ist nun ein Forschungsteam der Arbeitsgruppe Zell- und Entwicklungsbiologie am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gegangen: Am Beispiel des Süßwasserpolypen Hydra untersuchten die Kieler Forschenden gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen, wie das einfache Nervensystem dieser Tiere mit ihrem Mikrobiom interagiert. Dabei konnten sie erstmals belegen, dass Nervenzellen kleine Moleküle produzieren, die als Botenstoffe die Zusammensetzung und Ansiedlung spezifischer Bakterienarten im Körper bestimmen. „Bisher waren die Faktoren, die die Bakterienbesiedlung des Körpers beeinflussen, weitgehend unbekannt. Wir konnten zum ersten Mal nachweisen, dass das Nervensystem hier eine wichtige regulierende Rolle übernimmt“, betont Professor Thomas Bosch, Entwicklungsbiologe und Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“. Ihre neuartigen Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am heutigen Dienstag in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications.

Das von Bosch geleitete Forschungsteam wählte für seine Untersuchungen den entwicklungsgeschichtlich alten Süßwasserpolypen Hydra, ein in Süß- und Fließgewässern lebendes Nesseltier. Seine einfachen Strukturen erleichtern die Erforschung der grundlegenden Strukturen und Funktionsweise des Nervensystems; so verfügt Hydra über einen simplen Körperbau und ein Nervennetz mit nur etwa 3000 einzelnen Nervenzellen. Zugleich weist das Tier trotz seiner Einfachheit bereits zahlreiche molekulare Merkmale höherer Lebewesen auf, die zum Beispiel auch bei den Wirbeltieren noch vorhanden sind. Daher lassen sich am Beispiel dieses Modellorganismus ursprüngliche und daher universell gültige Funktionsprinzipien des Nervensystems ableiten.

Die Kieler Forschenden gingen der Frage nach, wie die als Neuropeptide bezeichneten Botenstoffe des Nervensystems die Zusammenarbeit und Kommunikation von Wirt und Mikroben steuern. Sie fanden zelluläre, molekulare und genetische Belege dafür, dass Neuropeptide eine antibakterielle Wirkung entfalten können und damit die Zusammensetzung und räumliche Verteilung der Bakterienbesiedlung beeinflussen. Um dies zu belegen, konzentrierte sich das Forschungsteam auf die Ausbildung des Nervensystems des Süßwasserpolypen in der individuellen Entwicklung vom Ei bis hin zum ausgewachsenen Tier. Die Nesseltiere entwickeln innerhalb von etwa drei Wochen ein vollständiges Nervensystem; während dieser Zeit ändert sich auch die Bakterienbesiedlung ihres noch unreifen Körpers radikal, bis sich schließlich eine stabile Zusammensetzung des Mikrobioms herausbildet. Unter dem Einfluss der antimikrobiellen Wirkung der Neuropeptide nimmt die Konzentration einer bestimmten Untergruppe von Bakterien, der sogenannten grampositiven Bakterien, im Laufe von etwa vier Wochen stark ab. Am Ende dieses Reifeprozesses herrscht eine typische, insbesondere von gramnegativen Curvibacter-Bakterien dominierte Zusammensetzung des Mikrobioms vor. Da

die steuernden Neuropeptide nur an bestimmten Stellen des Körpers bildet, sorgen sie für eine entsprechende Verteilung der Bakterien entlang der Körperachse des Tieres. So finden sich im Bereich des Kopfes, wo eine starke Konzentration von antimikrobiellen Neuropeptiden herrscht, zum Beispiel sechsmal weniger Curvibacter-Bakterien als in den Tentakeln.

Daraus schlossen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass das Nervensystem im Laufe der Evolution neben seinen sensorischen und motorischen Aufgaben auch eine steuernde Funktion für das Mikrobiom übernommen hat. „Die neuen Erkenntnisse sind auch im evolutionären Zusammenhang von immenser Bedeutung. Da die Nesseltiere im Laufe der Evolution als erste Organismen ein Nervensystem entwickelten, kann man davon ausgehen, dass sich die Interaktion von Nervensystem und Mikrobiom bereits sehr früh in der Entwicklung des vielzelligen Lebens herausbildete“, betont Bosch. Die an entwicklungsgeschichtlich ursprünglichen Organismen nachgewiesenen Prinzipien seien nicht nur für die Grundlagenforschung interessant. Sie brächten zudem die Chance mit sich, daraus grundlegende neue Erkenntnisse über die Eigenschaften des Nervensystems abzuleiten und das Gelernte in andere Anwendungen zu übertragen. Daher werde sich die weitere Erforschung des Zusammenspiels von Körper und Bakterien künftig stärker auf die neuronalen Aspekte konzentrieren, fasst Bosch die Bedeutung der Arbeit zusammen.

Originalarbeit:
René Augustin, Katja Schröder, Andrea P. Murillo Rincón, Sebastian Fraune, Friederike Anton-Erxleben, Ava-Maria Herbst, Jörg Wittlieb, Martin Schwentner, Joachim Grötzinger, Trudy M. Wassenaar, Thomas C.G. Bosch (2017): “A secreted antibacterial neuropeptide shapes the microbiome of Hydra”. Nature Communications, Published on September 26, 2017, doi:10.1038/s41467-017-00625-1

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

Beschreibung: Die einfachen Strukturen des Süßwasserpolypen Hydra erleichtern die Erforschung des Zusammenwirkens von Nervensystem und Bakterienbesiedlung.
Video: Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, Universität Kiel

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Bildunterschrift: Nervenzellen (grün markiert) des Süßwasserpolypen Hydra produzieren antimikrobielle Peptide und prägen dadurch das Mikrobiom des Tieres. Rot markierte Stäbchenbakterien sind an der Basis der Tentakeln zu erkennen.
Abbildung: Christoph Giez, Dr. Alexander Klimovich

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Bildunterschrift: Fasern des Darmgewebes (rot markiert) umgeben Nervenzellen (grün markiert) des Süßwasserpolypen Hydra.
Abbildung: Christoph Giez, Dr. Alexander Klimovich

Kontakt:
Prof. Thomas Bosch,
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU Kiel:
http://www.metaorganism-research.com

Zell- und Entwicklungsbiologie (AG Bosch), Zoologisches Institut, CAU Kiel
http://www.bosch.zoologie.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Text / Redaktion: ► Christian Urban

 

Nesseltiere steuern Bakterien fern

21.09.2017

CAU-Forschungsteam belegt erstmals, dass Wirtstiere die Funktion ihrer bakteriellen Symbionten steuern können

In den modernen Lebenswissenschaften zeichnet sich immer deutlicher ein Paradigmenwechsel ab: Lebewesen gelten nicht mehr als in sich geschlossene Einheiten, sondern als hochkomplexe und funktionell voneinander abhängige Organismengemeinschaften. Die Erforschung der engen Verflechtungen zwischen vielzelligem und vor allem bakteriellem Leben wird in Zukunft den Schlüssel zu einem besseren Verständnis der Lebensprozesse insgesamt und insbesondere des Übergangs von Gesundheit und Krankheit liefern. Wie die Zusammenarbeit und Kommunikation der Organismen dabei im Detail abläuft, ist gegenwärtig allerdings noch in großen Teilen unbekannt. Einen wichtigen Fortschritt bei der Entschlüsselung dieser multiorganismischen Beziehungen haben nun Forschende der Arbeitsgruppe Zell- und Entwicklungsbiologie am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erzielt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Sebastian Fraune konnten erstmals belegen, dass Wirtsorganismen neben der Zusammensetzung auch die Funktion ihrer sie besiedelnden Bakteriengemeinschaften steuern können. Ihre neuartigen Ergebnisse, die sie am Beispiel des Süßwasserpolypen Hydra und seiner spezifischen bakteriellen Symbionten gewinnen konnten, veröffentlichten die CAU-Forschenden am vergangenen Montag in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals Proceedings of the National Academy of Sciences.

„Ausgangspunkt unserer Untersuchung war die Beobachtung, dass Hydra mit der Bildung bestimmter antimikrobieller Substanzen die Zusammensetzung einer arttypischen Bakterienbesiedlung auf seiner Körperoberfläche beeinflussen kann“, erklärt Dr. Cleo Pietschke, Erstautorin der Studie. Die evolutionär ursprünglichen Lebewesen bewältigen damit im Prinzip dieselbe Aufgabe, die auch höherentwickelte Organismen bei der Ausbildung eines gesunden Mikrobioms lösen müssen: Mithilfe ihres Immunsystems sorgen sie für die Ansiedlung der „richtigen“ Zusammensetzung von Bakterien und müssen zugleich nützliche Mikroorganismen darin hindern, schädlich zu wirken. Wie dieser Kolonisierungsprozess durch die Kommunikation zwischen Wirt und Bakterien unterstützt wird, stand im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit.

Ab einer bestimmten Dichte ihrer Population können Bakteriengemeinschaften in Teams agieren, um gemeinsam gewisse Funktionen zu erfüllen. Die Koordination dieser Funktionen beruht auf einem Sensor-Mechanismus, mit dem die einzelnen Bakterien mit Hilfe von Signalmolekülen die Populationsdichte insgesamt bestimmen können. Ist ein Schwellenwert erreicht, werden über diese Signalmoleküle Gene aktiviert und damit bestimmte zelluläre Funktionen reguliert. Mit diesem als Quorum-Sensing bezeichneten Prozess steuern Bakterien Funktionen wie die Besiedlung von Oberflächen oder die Produktion von Toxinen.

Das Kieler Forschungsteam konnte nun zeigen, dass der Wirtsorganismus den Quorum-Sensing-Mechanismus der Bakterien verändern kann. Die Nesseltiere wirken dabei direkt auf die bakteriellen Signalmoleküle ein und fördern so den Kolonisierungsprozess ihres eigenen Gewebes aktiv. „Wir haben festgestellt, dass Hydra nicht nur das reine Vorhandensein seiner bakteriellen Symbionten beeinflusst, sondern darüber hinaus regelrecht in ihre Funktion eingreifen kann“, erläutert Fraune, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Zell- und Entwicklungsbiologie, das Phänomen. Das Forschungsteam beschrieb erstmals detailliert, dass ein Wirt mittels Quorum-Quenching in die molekulare Kommunikation von Bakterien eingreift. Bisher gab es nur zwei andere Bespiele für solche Eingriffe eines Wirtsorganismus. Konkret wiesen die Kieler Forschenden nach, dass eine Modifikation bestimmter Signalmoleküle durch den Wirt die Ansiedlung des häufigsten bei dieser Hydrenart vorkommenden Bakteriums Curvibacter fördert.

Die CAU-Forschenden untersuchten den Einfluss des Wirtsmechanismus auf seine bakterielle Gemeinschaft, indem sie die Auswirkung eines Signalmoleküls und das vom Wirt modifizierte bakterielle Gegenstück beobachteten. Zunächst brachten sie sterile Hydren, also im Labor künstlich ohne Bakterienbesiedlung gezüchtete Tiere, mit Bakterien der Art Curvibacter in Kontakt. Es zeigte sich, dass die Bakterien sich nur schlecht ansiedelten, solange nicht modifizierte Signalmoleküle vorhanden waren. Sobald diese unter dem Einfluss des Wirtstieres modifiziert waren, besiedelten die Bakterien den Körper des Nesseltiers in einem normalen Umfang. Anschließend wiederholten die Forschenden den Versuch mit Tieren, die bereits eine Bakterienbesiedlung aufwiesen. Auch hier zeigte sich dasselbe Muster: Erst die vom Wirtstier veränderten Signalmoleküle fördern eine ausgewogene und typische Kolonisierung der Hydren durch ihre bakteriellen Symbionten. Wie sich diese am Modellorganismus des Nesseltiers gewonnenen Ergebnisse auf andere Lebewesen übertragen lassen, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Da Hydren evolutionär ursprüngliche Tiere sind, ist es jedoch wahrscheinlich, dass dieser Mechanismus auch bei höher entwickelten Lebewesen in ähnlicher Weise angelegt ist.

„An der Schnittstelle von Grundlagenforschung und Medizin wird immer deutlicher, dass der Schlüssel zur Gesundheit in der Balance von Körper und bakteriellen Symbionten liegt. Vor uns liegt die gigantische Aufgabe, die höchst komplexen Beziehungen zwischen Wirten und Bakterien zu verstehen. Mit unseren neuen Erkenntnissen sind wir diesem Ziel ein kleines Stück nähergekommen“, gibt sich Fraune optimistisch. An der Erforschung der multiorganismischen Beziehungen von Körper und Mikroorganismen arbeiten rund 70 Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam im Sonderforschungsbereichs 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“.

Die vorliegende Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Projektes „Host derived mechanisms controlling bacterial colonisation at the epithelial interface in the early branching metazoan Hydra (FR 3041/2-1)“ und vom Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ an der Universität Kiel gefördert.

Originalarbeit:
Cleo Pietschke, Christian Treitz, Sylvain Forêt, Annika Schultze, Sven Künzel, Andreas Tholey, Thomas C. G. Bosch and Sebastian Fraune: “Host modification of a bacterial quorum-sensing signal induces a phenotypic switch in bacterial symbionts”. Proceedings of the National Academy of Sciences, Published on September 18, 2017 doi: 10.1073/pnas.1706879114

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-292-1.jpg
Bildunterschrift: Der Süßwasserpolyp Hydra.
Abbildung: Dr. Sebastian Fraune

www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-292-2.jpg
Bildunterschrift: Elektronenmikroskopische Aufnahme der Bakterienbesiedlung (Curvibacter sp.) auf der Oberfläche von Hydra.
Abbildung: Katja Schröder

Kontakt:
Dr. Sebastian Fraune
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4149
E-Mail: sfraune@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Dr. Sebastian Fraune,
Wissenschaftler Mitarbeiter Zell- und Entwicklungsbiologie (AG Bosch),
Zoologisches Institut, CAU Kiel
www.bosch.zoologie.uni-kiel.de/?page_id=757

Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU Kiel:
www.metaorganism-research.com

Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“, CAU Kiel:
www.inflammation-at-interfaces.de

Auf der Suche nach den Wurzeln

06.09.2017

Forschungsteam der Uni Kiel entwickelt präzisere Methode zur Untersuchung der evolutionären Abstammung

Was sind die nächsten Verwandten des Menschen? Aus welchem gemeinsamen Ursprung ist das vielzellige Leben hervorgegangen? Wo liegt die Quelle von Krankheitskeimen, die zu verheerenden Epidemien führen können? Seit den Anfängen der modernen Evolutionsforschung spielen Fragen nach der Abstammung der Organismen und ihren Verwandtschaftsverhältnissen untereinander eine zentrale Rolle in der Biologie. Die Methoden zu ihrer Analyse sind allerdings meist seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt worden – anders als zum Beispiel die genetischen und molekularen Untersuchungstechniken, die immer weiter verfeinert wurden. Die Arbeitsgruppe Genomische Mikrobiologie am Institut für Allgemeine Mikrobiologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat nun ein neues Verfahren entwickelt, das die evolutionsbiologische Forschung revolutionieren und offene Fragen in der Entwicklungsgeschichte des Lebens klären könnte. Ihre universell einsetzbare bioinformatische Methode zur Analyse der evolutionären Abstammung und Verwandtschaftsverhältnisse beschreiben die CAU-Forschenden Fernando Tria und Dr. Giddy Landan in der Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution.

Das Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Tal Dagan, Mitglied im evolutionsbiologischen Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“ (KEC) an der CAU, nennt die neu entwickelte Methode „Minimal Ancestor Deviation“ (Deutsch: „Minimale Abweichung vom Vorfahren“, MAD). Sie ist in der Lage, auf Grundlage verschiedener Daten aus der stammesgeschichtlichen Entwicklung und ohne hypothetische Annahmen über die Verwandtschaftsbeziehungen der beteiligten Lebewesen ihren gemeinsamen evolutionären Ursprung mit großer Präzision zu berechnen. Mit vergleichsweise geringem Aufwand erreicht MAD eine bisher unerreichte Präzision: So ließ sich mit über 70-prozentiger Genauigkeit der evolutionäre Ursprung einer Gruppe von Organismen bestimmen. „Unser Verfahren beruht auf einem mathematischen Ansatz, der bestimmte Störfaktoren kompensieren kann, die bisher für große Ungenauigkeit in der Untersuchung von entwicklungsgeschichtlichen Stammbäumen sorgten“, erklärt Fernando Tria, Erstautor der Studie und Doktorand in der Arbeitsgruppe Genomische Mikrobiologie an der CAU.

Die Erforschung der Abstammung war bisher mit verschiedenen grundlegenden Problemen verbunden: Einerseits basierten einige der verwendeten Verfahren zum Beispiel auf der Annahme, dass Evolution in geregelten zeitlichen Intervallen abläuft – also zwischen den Entwicklungssprüngen immer exakt gleiche Zeitabstände liegen müssen. Je stärker die tatsächliche evolutionäre Entwicklungsrate von dieser theoretischen Annahme abweicht, desto ungenauer wurden bislang die Rekonstruktionen. Andererseits verlangten bestimmte Ansätze zur Bestimmung des evolutionären Ursprungs eine gewisse Vorkenntnis der Abstammungsverhältnisse der untersuchten Organismen, die in vielen Fällen aber nicht zur Verfügung steht.

Hier schlagen die Kieler Forschenden einen neuen Ansatz vor: Die MAD-Methode zielt darauf ab, den gemeinsamen Vorfahren zu bestimmen, von dem alle Lebewesen eines Stammbaums mit unbekannter Wurzel abstammen. Dazu analysiert MAD die Länge der Stammbaum-Äste; der Abstand zwischen zwei Lebewesen gibt Auskunft über ihr Verwandtschaftsverhältnis. Je näher sie beieinander liegen, desto enger sind sie voraussichtlich verwandt. Aus der Analyse aller beteiligten Organismenpaare kann MAD die Position des gemeinsamen Vorfahren im Stammbaum berechnen. Diese Analyse aller Organismenpaare bildet den Schlüssel, um die bislang vorherrschenden Störfaktoren in der Abstammungsuntersuchung zu umgehen. Auf diesem Weg erzielt MAD eine bislang nicht erreichte Präzision.

Um diese Genauigkeit zu belegen, testete das Kieler Forschungsteam um Gruppenleiterin Dagan die MAD-Methode an bereits gut untersuchten evolutionären Stammbäumen, in denen der jeweilige Ursprungsorganismus als bewiesen gelten kann. Dazu nutzten sie rund 1500 Beispiel-Stammbäume, die sie aus den Proteinsequenzen von 31 verschiedenen Organismen rekonstruiert hatten. Im Vergleich mit den zwei gängigsten Rekonstruktionsverfahren lieferte MAD mit einer Genauigkeit von über 70 Prozent mit Abstand die besten Ergebnisse. „Unsere hochpräzise Methode hat das Potenzial, in der Evolutionsbiologie seit langem diskutierte Theorien zu entscheidenden Abstammungsfragen in der Entwicklung des Lebens definitiv zu beantworten“, zeigt sich Gruppenleiterin Tal Dagan optimistisch. In Zukunft könnte das Kieler Forschungsteam zum Beispiel dazu beitragen, den umstrittenen Ursprung des vielzelligen Lebens zu klären. „Faszinierend ist darüber hinaus, dass unser Verfahren tatsächlich universell einsetzbar ist. Von der Herkunft und Entwicklung von Sprachen bis hin zur Evolution von Krankheitserregern können wir damit völlig verschiedene Typen von Abstammungsgeschichten rekonstruieren“, so Dagan weiter.

Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen des Projekts EVOLATERAL vom Europäischen Forschungsrat (ERC) und dem CAPES-Programm der brasilianischen Regierung im Rahmen des internationalen Mobilitätsprogramms „Science without Borders“ unterstützt.

Originalarbeit:
Fernando Tria, Giddy Landan and Tal Dagan: “Phylogenetic rooting using minimal ancestor deviation”. Nature Ecology and Evolution, Published on June 19, 2017, doi:10.1038/s41559-017-0193

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-272-1.jpg
Bildunterschrift: Dr. Giddy Landan, Fernando Tria und Prof. Tal Dagan (von links nach rechts) veranschaulichen die Bestimmung des Ursprungs in einem evolutionären Stammbaum. Foto: Ryszard Soluch

Kontakt:
Prof. Tal Dagan
Genomische Mikrobiologie
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5712
E-Mail:tdagan@ifam.uni-kiel.de

Fernando Tria
Genomische Mikrobiologie
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5744
E-Mail:ftria@ifam.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Genomische Mikrobiologie (AG Dagan),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU Kiel:
www.mikrobio.uni-kiel.de/de/ag-dagan

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
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Text / Redaktion: ► Christian Urban