Kiel Life Science

Neubau für die Kieler Evolutionsforschung kommt

01.07.2020

Mit der Zusage der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz kann das geplante Forschungsgebäude „Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ an der CAU bis 2025 errichtet werden

Nun ist es offiziell: Das neue Forschungszentrum „Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ (CeTEB, Deutsch: Zentrum für Grundlagenforschung in der Translationalen Evolutionsbiologie) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) kann realisiert werden. Dies gab die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder (GWK) am Freitag, 26. Juni, bei ihrer Sitzung in Bonn bekannt. Nach der Unterstützungszusage der schleswig-holsteinischen Landesregierung und der Förderempfehlung des Wissenschaftsrates vom Frühjahr hat das Kieler Vorhaben damit die letzte noch ausstehende formale Zusage erhalten. Bund und Land werden jeweils zur Hälfte bis zu 58 Millionen Euro in den Gebäudeneubau investieren. Der Bau des hochmodernen neuen Forschungsgebäudes an der CAU mit Kapazitäten für rund 140 Forschende und Mitarbeitende samt umfangreicher neuer Forschungsinfrastrukturen kann damit wie geplant 2022 starten.

Das knapp 5.000 m² große Gebäude wird innerhalb der nächsten fünf Jahre auf dem Gelände des Bremerskamps als Teil des neuen städtebaulichen Quartiers ‚Kiel.Science.City’ in unmittelbarer Nähe zum Biologiezentrum der CAU entstehen. Bauherr ist das Land Schleswig-Holstein, vertreten durch die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH). Der Forschungsbau wird den evolutionswissenschaftlichen Forschenden an der Kieler Universität und ihren Partnerinstitutionen in der Region ein neues Zuhause bieten. Geplant wird mit zunächst zwölf Arbeitsgruppen auf vier Geschossen. Sie können in direkter Nachbarschaft zu zentralen Partnerinstitutionen auf dem CAU-Campus forschen und dabei wichtige Synergieeffekte nutzen. Das unter Nachhaltigkeits-Aspekten geplante Gebäude mit einem flexiblen Raum- und Nutzungskonzept ermöglicht zudem eine langfristige Weiterentwicklung für neue Forschungsprojekte. Im Fokus der künftigen CeTEB-Forschung stehen dabei vor allem interdisziplinäre Vorhaben, die insbesondere auf eine Anwendung evolutionsbasierter Konzepte zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen in Umwelt, Gesundheit und Ernährung abzielen.

Leuchtturm mit bundesweiter Strahlkraft

CAU-Vizepräsidentin Professorin Karin Schwarz lobte die zukunftsweisende Förderentscheidung: „Der CeTEB-Neubau ist das Ergebnis umfangreicher Erfolge der Kieler Lebenswissenschaften in den vergangenen Jahren, die mit zahlreichen evolutionsbezogenen Forschungsvorhaben den Grundstein für die jetzige Bewilligung gelegt haben. Mit dem neuen Forschungsbau kann die CAU nun ihre Führungsrolle als bundesweiter Schwerpunktstandort in der Evolutionsforschung festigen und ausbauen“.

Ministerin Prien hebt hervor, dass der innovative Forschungsansatz des CeTEB laut Wissenschaftsrat zu den bundesweit zwei besten Vorhaben zählt und die Bestätigung durch die GWK ein Meilenstein für Schleswig-Holsteins Entwicklung als international sichtbarer Wissenschaftsstandort ist. Ebenso sei die Förderentscheidung eine großartige Bestätigung für alle Beteiligten, die in den letzten Jahren diesen landesseitig unterstützten Forschungsschwerpunkt mit hoher gesellschaftlicher Relevanz entwickelt haben. „Mit der Bundesförderung ist es uns als Land möglich, innovative und exzellente Forschung in Schleswig-Holstein gezielt fördern zu können“, so die Ministerin.

Zahlreiche bestehende und perspektivisch auch neue Forschungsverbünde mit evolutionärem Bezug werden im neuen Zentrum zusammengeführt. Dazu zählen aktuell bereits unter anderem das DFG-Graduiertenkolleg „Translational Evolutionary Research“ (GRK 2501), das „DFG-Clinician Scientist Program in Evolutionary Medicine“ (CSEM), der Anfang April erfolgreich weiter bewilligte Leibniz Science Campus „Evolutionary Medicine of the Lung“ (EvoLUNG) und der Ende 2019 ebenfalls erfolgreich verlängerte DFG-Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen (SFB 1182). Das CeTEB wird auch wichtige Verbindungen zu den zwei Exzellenzclustern an der CAU schaffen, den Clustern „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) und „ROOTS“. Die erfolgreiche Einwerbung des CeTEB-Forschungsneubaus wird somit eine institutionelle Basis für die Weiterentwicklung evolutionsbiologischer Forschungsarbeit in der Region mit großer nationaler wie internationaler Sichtbarkeit schaffen.

„Wir sind besonders stolz, nun auch die letzte Hürde auf dem Weg zu unserem neuen Forschungszentrum übersprungen zu haben. Wir hoffen, dass unser Konzept der Translationalen Evolutionsbiologie nun international Schule machen wird und so bei der Übertragung wichtiger Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die Anwendung helfen wird“, freut sich der CAU-Evolutionsbiologe Professor Hinrich Schulenburg, der die CeTEB-Beantragung im Rahmen des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen vorangetrieben hat.

Translationale Evolutionsforschung zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen

Kernaufgabe des CeTEB wird es sein, Erkenntnisse aus der Evolutionsbiologie zu nutzen, um nachhaltige Strategien zur Lösung aktueller angewandter Probleme in der Medizin und Nahrungsmittelproduktion zu entwickeln. Prägnante Beispiele für die Bedeutung evolutiver Prozesse finden sich bei Krankheitserregern wie Viren oder auch Antibiotika-resistenten bakteriellen Erregern, die sich mit enormer Geschwindigkeit verändern können. Weitere Beispiele liefern das vermehrte Auftreten von sogenannten Zivilisationskrankheiten oder auch die schnelle Ausbreitung von Pestizidresistenzen bei Pflanzenschädlingen in der Landwirtschaft. Evolutive Prozesse spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser und anderer Probleme, werden jedoch bisher bei der Entwicklung von Lösungsstrategien so gut wie gar nicht berücksichtigt – mit zum Teil gravierenden Folgen.

Im Rahmen des CeTEB-Forschungszentrums soll diesen Herausforderungen durch die Nutzung evolutionsbiologischer Erkenntnisse begegnet werden. Die daraus entstehenden nachhaltigen Lösungsansätze wollen die CeTEB-Forschenden dabei in zwei Schritten umsetzen: Zunächst geht es um eine Übertragung der Konzepte und Methoden aus der evolutionsbiologischen Grundlagenforschung auf angewandte Themenfelder. „Unser Ziel ist es, anschließend darauf aufbauend neue Eingriffe in das jeweilige Problemgebiet zu entwickeln“, betont CeTEB-Vizesprecherin Professorin Eva Stukenbrock. „Dazu zählen unter anderem evolutionsbasierte Anbau- und Schutzstrategien im Pflanzenbau, neuartige und nachhaltige Antibiotikatherapien oder eine evolutionsbasierte Behandlung des menschlichen Darmmikrobioms“, so die Kieler Umweltgenomikerin weiter.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:

Bitte beachten Sie dabei unsere Hinweise zur Verwendung

CeTEB

https://www.uni-kiel.de/de/pressemitteilungen/pressebilder/CeTEB.jpg

So wird das geplante CeTEB-Forschungsgebäude der Kieler Universität auf dem Gelände des Bremerskamps in Zukunft aussehen.
© hammeskrause architekten bda
 

Weiter Informationen:

 

Kontakt:

Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher (des.) „Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ (CeTEB), CAU
0431-880-4141
hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation
„Kiel Life Science", CAU 
0431-880-1974
curban@uv.uni-kiel.de
 

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