Kiel Life Science

Rückblick: Life Science Nord/KLS-Studierendentagung 2017

19.01.2018

Proben für den Forschungsalltag
Life Science-Studierende präsentieren ihre Forschungsergebnisse auf Studierendentagung

von Eva-Lena Stange 

Von Schimpansen-Darmflora über Krebsforschung bis zur Erforschung von Signalwegen in der Zelle: Auf der Studierendentagung zu den Life Sciences 2017 waren die Lebenswissenschaften in ihrer gesamten Vielfalt vertreten. Am 23. November präsentierten im Wissenschaftszentrum Kiel über 40 Studierende der CAU ihre Forschungsprojekte. Ausgerichtet von Life Science Nord und Kiel Life Science lockten die Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch, Einblicke in die Wirtschaft und Preise für die besten wissenschaftlichen Vorträge und Poster.


Im Foyer des Wissenschaftszentrum Kiel stehen bunte Plakatwände dicht an dicht, der Raum ist gefüllt von Studierenden, die in kleinen Grüppchen um die Poster auf den Wänden stehen – angeregte Gespräche erfüllen die Luft, bis sich die Teilnehmenden zum Beginn des offiziellen Programms der Studierendentagung in den benachbarten Vortragsraum begeben. Als „einzigartiges Event“ bezeichnet der Juryvorsitzende Professor Thomas Bosch das Zusammentreffen der Studierenden in diesem Rahmen während seiner Begrüßungsrede – 2017 fand die Tagung, bei der sich Studierende von Bachelorabsolventen bis zur Promotion gegenseitig ihre Forschungsthemen und Ergebnisse vorstellen, zum sechsten Mal statt. Aus etwa 40 Anmeldungen wurden von der Jury bereits im Vorfeld acht vielversprechende Projekte ausgewählt, die die jeweiligen Studierenden auf der Konferenz in einem 15-minütigen Vortrag präsentieren. Sie bilden gemeinsam mit Vorträgen von Vertretern aus der Wirtschaft über Karrierewege außerhalb der Universität den Rahmen für mehrere Poster-Sessions: In den Pausen können alle Teilnehmenden ihre Poster und Projekte Gästen und Mitstudierenden in lockerer Atmosphäre präsentieren.


Austausch über erste Erfahrungen beim eigenständigen Forschen
Für viele Studierende, die zum ersten Mal forschen, ist die Konferenz eine gute Möglichkeit, den Ablauf einer wissenschaftlichen Tagung kennenzulernen und sich über mit anderen über die Projekte auszutauschen: „Das ist das erste Mal, dass unsere Ergebnisse extern zum Vorschein kommen. Das ist sehr cool, da man ja auch etwas herausfinden möchte und ob das, was man herausgefunden hat, eine Relevanz besitzt“, sagt Biochemie-Student Jan Dobert. Er präsentiert gemeinsam mit seinem Kommilitonen Egor Pavlenko die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeiten, die sich beide mit der Protease ADAM 17 beschäftigen. Für beide ist die Bachelorarbeit das erste eigene Forschungsprojekt. Der Schritt vom Lernen an der Universität zum Anwenden ihrer Fähigkeiten war für beide mit viel Umdenken verbunden, besonders die Planung der Experimente erwies sich als kniffliger als gedacht. „In Laborpraktika im Studium bekommt man ein Skript, das einem erklärt, was man machen muss und oft führt man die Experimente auch nicht komplett durch. Wenn man tatsächlich selbst Forschung betreibt, muss man sich Gedanken machen: Was möchte ich untersuchen, wie möchte ich das untersuchen und wie plane ich mein Experiment zeitlich?“, so Dobert. Auch damit zurechtzukommen, dass Experimente und Strategien manchmal scheitern und ein Umdenken erforderlich sei, um neue Erkenntnisse zu treffen, sei ihm während der Bachelorarbeit das erste Mal bewusst geworden. Diese Erfahrungen hat er mit den anderen Konferenzteilnehmern gemeinsam – nun freut er sich auf den gemeinsamen Austausch. „Ich finde es toll, dass hier jede Person am Poster steht und wirklich Lust hat, etwas darüber zu erzählen. Auch der Einblicke in die Industrie über die Vorträge gefallen mir sehr gut. Dieser fachübergreifende Austausch ist das, was für mich neu ist“, sagt Dobert. Durch die Konferenz könne man außerdem mit Studierenden außerhalb des eigenen Instituts Kontakte knüpfen und deren Forschungsthemen kennenlernen.


Der Weg zum eigenen Forschungsprojekt
Auch Biologie-Masterstudent Tim Hasenbein präsentiert auf der Konferenz die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit, allerdings nicht auf einem Poster, sondern in einem Vortrag. In 15 Minuten gibt er in englischer Sprache einen Einblick in sein Forschungsthema – die Veränderungen des Mikrobioms eines Süßwasserpolypen bei erhöhter Zufuhr von Nährstoffen im Wasser; durch die nahe Verwandtschaft seines Modellorganismus zu Korallen zieht er den Schluss, dass auch Korallenbleichen zu einem gewissen Grad durch zu viele Nährstoffe im Meer entstanden sein könnten. Wie er zu diesem Thema gekommen ist, erzählt er nach dem Vortrag im Foyer. „Bei uns im 4. Semester gab es eine Veranstaltung, wo die verschiedenen Arbeitsgruppe sich für die Bachelorarbeit vorgestellt haben. Daraufhin habe ich in den Sommerferien ein Praktikum in der Arbeitsgruppe gemacht, um mal drei Wochen lang in das Thema des Metaorganismus und die Arbeitsweise hereinzuschnuppern. Nachdem ich auch mein Wahlmodul im fünften Semester auf Mikroorganismen gelegt, stand es dann letzten Endes fest, dass genau das das ist, was mich interessiert.“ Bei der Umstellung vom Studium zum Arbeiten an der Bachelorarbeit betont er besonders, wie wichtig eine gute Betreuung in der Arbeitsgruppe sei, um das eigene Forschungsprojekt als gewinnbringende Ergänzung zum Studium durchzuführen. Die Konferenz bietet ihm die Möglichkeit, auch in andere Bereiche der Lebenswissenschaften hineinzuschnuppern, die er im Studium bisher nicht kennengelernt hat. „Ich finde es einfach spannend zu sehen, woran andere forschen. Gerade mit einem Bachelorabschluss ist man ja noch relativ weit unten und hat die Möglichkeit, noch in eine ganz andere Richtung zu gehen und sich zu informieren.“, so Hasenbein. Auch gerade von den teilnehmenden Promotionsstudierenden, die eher den Stand ihrer Projekte als abgeschlossene Arbeiten präsentieren und nach Anregungen suchen, könne man sich was Gestaltung und Vortragsweise angehe einiges abschauen und so dazulernen.

Doch auch für die im Studium weiter fortgeschrittenen Teilnehmenden bietet die Konferenz Premieren. „Das ist das erste Mal, dass ich ein wissenschaftliches Poster erarbeitet und präsentiert habe“, sagt Michael Mannbar, der zum Wintersemester seine Doktorarbeit in der Virologie begonnen hat. „Das war eine Herausforderung“, erzählt er, „aber wenn man eine sinnvolle Aufteilung hat und ein gutes Gefühl dabei, das Thema anhand des Posters zu erklären, dann funktioniert die Darstellung.“ Das sieht die Jury auch so: Zum Ende der Veranstaltung verkündet sie die Gewinner der von Kiel Life Science und Life Science Nord gestifteten Preise, Mannbar erhält für sein Poster den ersten Preis im Wert von 300 Euro, gefolgt von Kai Rathje (Zell- und Entwicklungsbiologie) und Philippe Dänzer-Barbosa (Experimentelle Medizin). Für die drei besten Vorträge werden Tim Hasenbein sowie die Promotionsstudierenden Taylor Hermes (Graduiertenschule Human Development in Landscapes) und Antonella Fazio (Molekulare Zellbiologie) mit Geldpreisen von bis zu 500 Euro ausgezeichnet. Auch Professor Bosch ist begeistert von der Vielfalt und Qualität aller Beiträge: „Man merkt, dass die junge Generation lernt, komplexe Inhalte prägnant darzustellen“, sagt er in seiner abschließenden Rede.

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