Kiel Life Science

Podiumsdiskussion auf der Hannover Messe: „Spitzenforschung als Innovationsmotor in Deutschland“

28.04.2017


Fotostrecke zur Hannover Messe auf flickr

Immer mehr technische und soziale Innovationen kommen aus dem kreativen Umfeld von Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Am Dienstag, 25. April, diskutierte Professor Lutz Kipp, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), auf der Hannover Messe mit Fachleuten über „Spitzenforschung als Innovationsmotor in Deutschland“ und die neue Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder. Auf dem CAU-Stand in der Halle 2, „Research & Technology“ stellte Kipp gemeinsam mit den Vertretern der vier Forschungsschwerpunkte an der Universität Kiel einem intenationalen Publikum den Kieler Weg der Spitzenforschung vor.

Der Kieler Weg zeichnet sich durch ein hohes Maß an transdisziplinärer Forschung aus. Dabei arbeiten Forschende nicht allein über Fächergrenzen hinweg. „Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften interagieren vielmehr auch intensiv miteinander“, lobte der Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Gesellschaft, Umwelt und Kultur im Wandel Professor Lutz Käppel. In Kiel sei die Planung von Wissenschaft ein Gemeinschaftsprojekt, betonte Kipp. Dafür werde ein komplexes Verständnis von den Dingen benötigt. "Dieses komplexe Verständnis und neue wissenschaftliche Lösungsansätze zum Beispiel in Form technologischer Neuerungen bedürfen jedoch eines besonderen soziologischen, kulturellen oder psychologischen Verständnisses“, ergänzte der Sprecher des lebenswissenschaftlichen Schwerpunktes Professor Thomas Bosch. „Ob Technologie, Medizin, Energie oder Klimawandel: Interdisziplinarität braucht einen langen Atem“, stellte Professor Rainer Adelung, Sprecher des Kieler Forschungsschwerpunktes Nano- und Oberflächenforschung fest. Der Vertreter des meereswissenschaftlichen Schwerpunktes, Professor Martin Visbeck, mahnte: „Wissenschaft ist Vielsprachigkeit. Universität schafft Spezialsprachen. Im Gegenzug muss eine universelle Wissenschaftssprache hergestellt werden. Nur so können wir Antworten auf die großen Fragen der Zeit finden. Dafür braucht es vor allem eines: Kommunikation. Exzellenzcluster sind dafür ein guter und erprobter Weg.“ Erfolgreiche Spitzenforschung brauche außerdem Glaubwürdigkeit, verlässliche Strukturen und gute Lösungsansätze für Fragen mit gesellschaftlicher Relevanz, betonte Bosch.

Im Anschluss beleuchteten Sophia Hatzelmann vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach und Jean-François Ricci, Campus Development Manager der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), mit Universitätspräsident Kipp, wie das ideale Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik für mehr Innovation und Beschäftigung gelingen kann.
„Der Mittelstand war und ist der wichtigste Innovationsträger der deutschen Wirtschaft. Wir brauchen einen besseren Kontakt und einen unbürokratischen Transfer zwischen Spitzenforschung und kleinen und mittelständischen Unternehmen. Denn nur so sind diese Unternehmen auch in Zukunft der Schlüssel für den Erfolg der Wirtschaft in Deutschland“, betonte Hatzelmann. Innovationskapital bereitzustellen, zum Beispiel zur Finanzierung von Stiftungsprofessuren, sei für kleine und mittelgroße Unternehmen schwierig. Vielen gehe es derzeit zwar sehr gut. Bestimmte Geschäftsmodelle seien jedoch bedroht. „Anlagenbau, Mobilität oder Energie sind Bereiche, die noch gut verdienen, aber schnell unter Druck geraten könnten“, warnte Hatzelmann. Es brauche daher dringend neue Geschäftsmodelle. Gute Unternehmen würden dies erkennen und entsprechend handeln.

Für Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in Berlin, hat „der Exzellenzwettbewerb eine große Dynamik im Wissenschaftssystem insgesamt ausgelöst.“ Mit dem Konzept „Brain City Berlin“ werden Wissenschaft und Forschung noch deutlicher zum Markenzeichen Berlins – als Ausdruck der Leistungsfähigkeit der Stadt und einer innovativen Wissensmetropole Berlin. Organisatorischer Fixpunkt sei in Berlin neben einem neuen Wissenschaftsstadtteil Adlershof die Einsteinstiftung als Finanzierungsstruktur für Spitzenforschung. In diesem Programm werden ein Euro private Investition vom Land Berlin um je 50 Cent ergänzt: „So sind jüngst 50 Juniorprofessuren im Bereich der Digitalisierung entstanden“. Krach regte außerdem an, flächendeckend Vizepräsidenten für den Technologietransfer an Hochschulen zu installieren. So könnten noch mehr Startups entstehen. Berlin sei inzwischen Startup-Hautstadt. Kapital sei genügend vorhanden. „Es braucht aber neue Konzepte für die kritische Phase nach drei bis fünf Jahren“, sagte der Berliner Wissenschaftsstaatssekretär.

Den Blick von außen brachte Jean-François Ricci, Campus Development Manager der Schweizer École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), in die Diskussion ein: „Wissenschaft und Technologie spielen eine immer wichtigere Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen. Sie werden immer komplexer und zunehmend international. Eine internationale Gesellschaft muss deshalb die Grenzen ihres Wissens unermüdlich erweitern, denn aus diesem Wissen entsteht Innovation. Wissenschaft ist ihrem Wesen nach global.“
Die Unabhängigkeit der Wissenschaft, die wissenschaftliche Freiheit, so der Schweizer, dürfe das allerdings nicht berühren.

Damit sich die Universitäten der Wirtschaft besser öffnen können, braucht es Orte, an denen dieser Austausch stattfinden kann. In Kiel wäre dafür ein Kongresszentrum auf dem Uni-Campus denkbar, überlegte Kipp. Denkbar seien auch neue Veranstaltungsformen wie TED-Talks oder Wissenschafts-Slams. "Nach wie vor gehen viele Unternehmen nicht in Universitäten, wenn es um Innovationen geht“, stellte Hatzelmann fest. Universitäten sollten sich deshalb ruhig öffnen: „Wir brauchen Orte, an denen Wirtschaft und Wissenschaft im engen Alltagskorsett in Kontakt kommen können. Kurze knappe Informationen sind uns dabei wichtig. Denn Zeit ist für uns Geld.“

„Damit wir in der neuen Exzellenzstrategie des Bundes und Länder weiter erfolgreich sein können, ist es für uns wichtig zu erfahren, welche Erwartungen Wirtschaft und Politik an das System Wissenschaft haben. Dieser Themenabend hat uns in dieser Hinsicht viele wertvolle Einsichten und Ideen verschafft. Das verdanken wir den sehr engagierten und fundierten Beträgen unserer Gäste“, fasste CAU-Präsident Kipp einen rundum gelungenen Abend zusammen.

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Podiumsdiskussion zur Exzellenz hoch 4 mit den Vertretern der Forschungsschwerpunkte (von links nach rechts): Heike Schmoll, Moderation, Thomas Bosch, KLS, Rainer Adelung, KiNSIS, Martin Visbeck, KMS, Lutz Käppel, SECC, Lutz Kipp, Präsident.
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Lutz Kipp präsentiert den Kieler Weg der Spitzenforschung auf der Hannover Messe 2017.
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Podiumsdiskussion zur Spitzenforschung als Innovationsmotor (von links nach rechts): Heike Schmoll, Sophia Hatzelmann, Steffen Krach, Jean-François Ricci, Lutz Kipp.
Foto, Copyright: Claudia Levetzow, CAU
 

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Text / Redaktion: ► Dr. Boris Pawlowski

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