Kiel Life Science

Neues Forschungskolleg eröffnet moderne Karriereperspektiven für junge Ärztinnen und Ärzte

Motivbild. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) fördert mit einer Million Euro interdisziplinäres Forschungskolleg „Darm-Gehirn-Achse: Relevanz für die Entzündungsmedizin und Neurodegeneration“ in Kiel. © Pixabay, CC0 Creative Commons

26.11.2018

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) fördert mit einer Million Euro interdisziplinäres Forschungskolleg „Darm-Gehirn-Achse: Relevanz für die Entzündungsmedizin und Neurodegeneration“ in Kiel

Die wissenschaftliche Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern, insbesondere in frühen Karrierestufen, gehört zum Selbstverständnis der Universitätsmedizin. Forschungsinteressierte und -aktive junge Medizinerinnen und Mediziner sind prädestiniert für die Herstellung eines Brückenschlags zwischen Labor und Klinik, also für die Translation von Forschungsergebnissen in die Klinik und wieder zurück in die Forschung, beispielsweise, um neue Therapien zu entwickeln. Um diesen Karrierepfad verlässlicher und attraktiver zu gestalten, erhielt die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nun gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) den Zuschlag für ein Else Kröner-Forschungskolleg Kiel (EKFK) mit dem Titel „Darm-Gehirn-Achse: Relevanz für die Entzündungsmedizin und Neurodegeneration“. Die EKFS fördert das Clinician Scientist-Programm, das Forschung und Facharztweiterbildung verzahnt, für zunächst drei Jahre mit einer Million Euro. Das Programm startet zum 1. Januar 2019 mit sechs Stellen.

Das interdisziplinäre Programm adressiert die sogenannte „Darm-Gehirn-Achse“, die die wechselseitige Beeinflussung zwischen dem Mikrobiom im Darm, Entzündungsvorgängen und Gehirnfunktionen in den Fokus nimmt. Dass es diese Querverbindung gibt, hat sich in den vergangenen Jahren der Forschung zunehmend herausgestell¬t, ebenso wie ihre wichtige Rolle bei der Ausprägung chronischer neurologischer und internistischer Erkrankungen. Diese schließen beispielsweise die Multiple Sklerose, die Parkinson- und die Alzheimer-Krankheit sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas und Diabetes ein.
„Mit diesem Programm ist neben der Facharztausbildung eine fachübergreifende klinische und wissenschaftliche Tätigkeit möglich. Die jungen Kolleginnen und Kollegen werden mit modernsten Methoden Einblicke in Struktur und Funktion von Darm und Gehirn gewinnen und durch ein besseres Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Darm und Gehirn zu neuen Therapieoptionen beitragen. Gleichzeitig erlangen sie die nötigen Kompetenzen, um nach Abschluss des Programms selbst wissenschaftliche Arbeitsgruppen führen zu können“, so Professorin Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am UKSH, Campus Kiel, und Sprecherin des CS-Programms.

 „Wir freuen uns, dass die Else Kröner-Fresenius Stiftung mit ihrer Förderung den hohen Innovationsgrad des Themas „Darm-Gehirn Achse“ anerkennt, da gerade die wechselseitige Beeinflussung zwischen beiden Systemen noch wenig erforscht ist, jedoch einen wichtigen Baustein für ein systemmedizinisches Verständnis von normalen und gestörten Körperfunktionen darstellt“, so Professor Thorsten Bartsch, Leitender Oberarzt an der Klinik für Neurologie am UKSH, Campus Kiel, und stellvertretender Sprecher des CS-Programms.

In sechs geplanten Forschungsprojekten des Programms erhalten junge Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, in eigenständiger Forschungsarbeit krankheitsübergreifende Entstehungsmechanismen zu untersuchen. Dies ermöglicht eine umfassende Ausbildung in innovativer klinischer, bildgebender und grundlagenorientierter Forschung, für die die Clinician Scientists von der Krankenversorgung freigestellt werden. Diese „geschützten Forschungszeiten“ sind in einem modular aufgebauten Curriculum festgehalten, das durch ein Mentoringkonzept sowie die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen flankiert wird. Über sechs Jahre alternieren die Clinician Scientists zwischen Forschungs- und klinischen Modulen. Am Ende des CS-Curriculums steht die Zulassung zur Facharztprüfung und idealerweise die Habilitation.

Das EKFK ist eines von drei Clinician Scientist-Programmen, mit denen die Medizinische Fakultät in diesem Jahr erfolgreich war. Das EKFK spricht Junior Clinician Scientists an und ist damit eingebettet in ein umfassendes strukturiertes Ausbildungskonzept der Medizinischen Fakultät gemeinsam mit dem UKSH, welches bei der Promotion ansetzt und über den Junior Clinician Scientist zum Senior Clinician Scientist (Oberarzt) übergeht. „Die Planbarkeit der Medizinischen Weiterbildung nach dem Medizinstudium in Verbindung mit geschützter Forschungstätigkeit ist eine gute Grundlage, Medizin-Absolventen der Forschung wieder näher zu bringen“, betonte der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Ulrich Stephani.

Ein Foto steht zum Download bereit:
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Motivbild. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) fördert mit einer Million Euro interdisziplinäres Forschungskolleg „Darm-Gehirn-Achse: Relevanz für die Entzündungsmedizin und Neurodegeneration“ in Kiel.
© Pixabay, CC0 Creative Commons

Hintergrundinformationen:
Die Clinician Scientist-Programme sind Teil einer umfangreichen Novellierung des Aus- und Weiterbildungskonzepts in der Universitätsmedizin in Kiel. Die Curricula für Dermatologie, Innere Medizin, Neurologie, Neurochirurgie und Radiologie wurden von der Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) akkreditiert. Damit decken die Curricula alle in der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein geforderten Weiterbildungsinhalte ab.

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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